Das warten die Freunde noch vor der Tür des Standesamtes im Schloss Nordkirchen. Und hinten - im Sonnenschein - wartet die Filmcrew, dass es endlich weitergeht. © Günther Goldstein
Dreharbeiten in Nordkirchen

Zwangspause beim Film-Dreh in Nordkirchen: Hochzeit bremst Lady Di

Zig Komparsen und eine Kristen Stewart, die Lady Di zum Verwechseln ähnlich sieht waren am Freitag vorm Schloss Nordkirchen zum Warten verdammt. Denn die Hauptrolle spielten plötzlich andere.

Fast zu schön für englisches Wetter: blauer Himmel, Sonnenschein und Temperaturen um die 5 Grad – ideale Bedingungen für den Dreh einer großen Außen-Szene des Films „Spencer“. So mag das Wetter gewesen sein an dem Weihnachtswochenende Anfang der 1990er-Jahre, das Lady Di und Charles auf dem Landsitz der Queen, House Sandringham, verbrachten: ein Anwesen, das dem Schloss Nordkirchen zum Verwechseln ähnlich sieht. Mit einem Unterschied: Öffentliche Hochzeiten sind dort nicht möglich.

Festgesellschaft in Corona-Zeiten verweilt vor der Tür

Auf Schloss Nordkirchen schon. Auch am Freitag. Ein türkischstämmiges Brautpaar hatte im Standesamt seinen Termin fürs Ja-Wort. Trotz der aktuellen Corona-Lage wollten die Freunde und Verwandten nicht darauf verzichten, den Brautleuten bei dem Schritt ins gemeinsame Leben nahe zu sein – zumindest vor der Tür, unter besagtem blauem Himmel mit viel Sonnenschein. Die prächtige Kulisse des Barockschlosses war ihnen nicht genug.

Sie bauten noch einen weißschimmernden Spalier auf mit blinkenden Plastikblumen, weißen, ineinander verschlungenen Herzen, weißem Teppich und Blumenmädchen. Andere verteilten einen ersten süßen Imbiss für den neuen Lebensabschnitt. Große Eile, diese schöne Runde aufzulösen, zeigte niemand – weder wegen des weiter geltenden Corona-Versammlungsverbots noch wegen der Dreharbeiten.

Schlossrestaurant-Betreiber Lauter: „Das war unglaublich“

„Unglaublich“, fand das Franz Lauter, der Chef des Schloss-Restaurants. Er hat das Nebeneinander der beiden Veranstaltungen – hier Dreharbeiten, da Hochzeit – aus der ersten Reihe kopfschüttelnd verfolgt, nicht nur wegen fehlender Masken und Abstände.

Eine regelrechte Beköstigung der Gäste vor der Schlosstür durch mitgebrachten Imbiss sei nicht nur in Zeiten der Pandemie nicht möglich. „Ich habe einen Vertrag“, sagt Lauter. Darin sichere ihm die Finanzbehörde als Eigentümerin das exklusive Recht zu, auf dem Gelände des Schlosses Gastronomie anzubieten. „Aber ich poche nicht darauf und zeige mich gerne großzügig“, sagt er. Umgekehrt erwarte er aber auch Entgegenkommen, das ihm am Freitag fehlte.

Ob das Brautpaar überhaupt wusste, wen es da auf der anderen Seite des Schlosshofes warten ließ? Ein Statement war nicht mehr zu bekommen. Als die Gesellschaft nach einiger Zeit schließlich doch zusammenpackte – entweder wegen der Kälte, aus Angst vor Corona-Knöllchen oder wegen der Kritik durch Lauter und die Film-Crew – , war es direkt weitergefahren. Und das Filmteam setzte endlich seine Arbeit fort. Dabei geht es nicht um den Beginn, sondern das Ende einer Ehe: verdichtet an diesem einen langen Weihnachtswochenende, an dem Lady Di beschließt, sich von Charles zu trennen.

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Leiterin des Medienhauses Lünen
Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
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Sylvia vom Hofe

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