Das Jugendheim St. Josef ist abgerissen. Dort sollen Wohnungen für Suchtkranke entstehen. © Daniel Claeßen (Archiv)
Stadtentwicklung

Wohnungen für Suchtkranke: Bürgermeister begrüßt Projekt im Zentrum

Ein besonderes Wohnprojekt im Zentrum wollen Stadtverwaltung und katholische Kirchengemeinde ermöglichen. Unter anderem sollen zehn Wohneinheiten für chronisch Sucht-Kranke entstehen.

Das Selmer Zentrum ist im Wandel. Das gilt nicht nur für Campus und Auenpark, sondern auch für das Grundstück der katholischen Kirchengemeinde auf der anderen Seite: zwischen Kreisstraße und Werner Straße. Da, wo gerade die Abbruchbagger rollen und das ehemalige Jugendheim abtragen. Für die Fläche gibt es neue Pläne.

Die katholische Kirchengemeinde gibt sich etwas einsilbig, wenn es um das Bauvorhaben geht. Am Dienstag, 2. März, um 17 Uhr werde das Vorhaben dem Ausschuss für Jugendhilfe, Familie, Soziales und bürgerschaftliches Engagement im Bürgerhaus vorgestellt, sagt Pfarrer Claus Themann auf Anfrage.

Erst zu diesem Termin wolle er sich zu dem Projekt „Wohnen verbindet“, wie es offiziell heißt, äußern. Seine Umsetzung solle auf keinen Fall durch verkürzte Informationen gefährdet werden. Dafür sei es zu wichtig: ein „echtes Leuchtturmprojekt“.

Bürgermeister Thomas Orlowski hielt es zwar auch knapp, gab dem Ausschuss für Stadtentwicklung, Mobilität und Klimaschutz am Donnerstag (25.2.) aber immerhin schon einmal erste Einblicke. So wenige, dass Ausschussvorsitzender Jochen Westermann (CDU) mahnte: „Wir sind der Stadtentwicklungsausschuss.“ Entwicklungen Im Zentrum gehörten genau in diesem Gremium besprochen.

Ziel des LWL: Selbstständiges Wohnen ermöglichen

Selbstständiges Wohnen (Sewo): So heißt ein Programm des Landschaftsverbandes Westfalen.-Lippe (LWL), das „Wohnraum für Menschen mit höherem Unterstützungsbedarf“ schaffen will. Gerade Menschen, die besonders viel Unterstützung im Alltag bräuchten, sollen damit eine Chancen auf eine eigene Wohnung bekommen, hatte LWL-Direktor Matthias Löb gesagt, als er das Programm 2017 vorstellte. Das Ziel: 15 Projekte für jeweils 10 bis 15 Mieter unterschiedlicher Zielgruppen innerhalb von fünf Jahren verwirklichen. Eines davon soll in Selm sein. Die Zielgruppe sind langjährige Suchtkranke.

„Mir ist wichtig, dass auch diese Menschen mitten unter uns wohnen und nicht an den Stadtrand gedrängt werden.“

Thomas Orlowski, Bürgermeister

Der 2001 in Wetter an der Ruhr gegründete Verein Integra e.V. soll Träger des Wohnprojekts werden. Er ist Dienstleister in der Sozialpsychiatrie, Suchthilfe und Jugendhilfe. „Wir sehen unsere Arbeit als Teil einer vernetzten Hilfe, in der es gilt, die Kräfte der von uns unterstützten Menschen zu fördern, Selbsthilfepotentiale zu nutzen und die Unterstützungsmöglichkeiten (…) zu bündeln und untereinander abzustimmen“, heißt es auf der Homepage. Mit sechs ambulanten Diensten und an acht Standorten – darunter einer in Unna – betreuen über 100 Fachkräfte derzeit mehr als 500 Menschen.

Nicht mehr als Zwei Vollgeschosse

„Mir ist wichtig, dass auch diese Menschen mitten unter uns wohnen und nicht an den Stadtrand gedrängt werden“, sagte Bürgermeister Orlowski. Für Selm seien zehn Wohneinheiten geplant: zumeist Einzelzimmer, aber auch ein Doppelzimmer. „Ich möchte Sie bitten, das positiv zu begleiten.“

Wie Integra die Menschen unterstützt und woher sie kommen? Das wird Integra-Vorsitzender Dirk Drögekamp am Dienstag den Ausschussmitgliedern und interessierten Bürgerinnen und Bürgern im Jugendhilfe-Ausschuss mitteilen. Wie die Bebauung aussehen könnte, verrät bereits Pfarrer Claus Themann: „Wir wollen uns der unmittelbar umliegenden Bebauung anpassen.“ Damit meint er ausdrücklich nicht die neuen Wohnhäuser am Campus-Platz Mit drei Vollgeschossen und zusätzlichen Staffelgeschoss. „Wir bleiben zweigeschossig eventuell mit Dachgeschoss.“

Appell: Menschen nicht wegen ihrer Erkrankung ablehnen

Claus Themann sieht eine gesellschaftliche Aufgabe darin, „Menschen nicht abzulehnen, die eine Erkrankung haben“. Das gelte auch für Menschen mit Suchterkrankungen. Konflikte wegen der Nachbarschaft zum neuen Jugendheim Findus oder zur Grundschule schräg gegenüber sieht er nicht. „Darüber wurde schon diskutiert.“ Wenn auch nicht öffentlich.

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Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
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Sylvia vom Hofe

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