In Nordkirchens Nachbargemeinde Ascheberg dreht sich dieses Windrad. © Sylvia vom Hofe
Erneuerbare Energien

Windkraft in Nordkirchen: Die nächste Runde läuft bei der Standortsuche

Bislang dreht sich kein einziges Windrad in Nordkirchen. Das soll sich ändern. Dazu unternimmt die ländlich geprägte Gemeinde jetzt den nächsten Schritt. Entscheidend sind dabei aber andere.

Wo könnten sich bald Windräder drehen in Nordkirchen? In den vergangenen Jahren hatte es in der Gemeinde immer eine klare Antwort gegeben, mit der die Mehrheit der Politik und Mitglieder einer Bürgerinitiative stets zufrieden waren: am besten nirgendwo. Jetzt gibt es einen neuen Vorstoß von Politik und Verwaltung. Was am Ende herauskommen wird, ist indes noch völlig offen. Entscheidenden Anteil daran werden andere haben.

„Wir sind jetzt noch ganz am Anfang“, sagte Bürgermeister Dietmar Bergmann sowohl in der jüngsten Sitzung des Umweltausschusses als auch im Bauausschuss. Es gehe darum, „mit einem ersten Standortkonzept in die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit und der Träger öffentlicher Belange zu gehen“. Mit anderen Worten: Die Gemeinde schickt das großzügige Konzept – sieben Teilflächen, insgesamt 364 Hektar, die laut Planungsbüro NWP grundsätzlich geeignet sein könnten für Windenergie – an andere Behörden.

Andere Behörden werden Flächen streichen

Dabei geht sie davon aus, dass die den Rotstift ansetzen und die Flächen zusammenstreichen: etwa weil die Denkmalbehörde befürchtet, dass die Skyline des international bekannten Schlosses Nordkirchen beeinträchtigt würde, oder weil Gründe der Flugsicherung dagegen sprechen. „Wir kennen die Kriterien noch nicht“, so der Bürgermeister. Sicher sei aber, dass es Abstriche geben werde. Am Ende müssen allerdings zehn Prozent der ermittelten Gesamtfläche, also 37 Hektar, übrigbleiben. Ob darunter auch die Fläche nahe des Golfplatzes sein wird, ist zu diesem Zeitpunkt noch offen.

Diese Fläche in der Bauerschaft Piekenbrock hatte den Ausschlag gegeben für die aktuellen Planungen. Anfang des Jahres 2021 hatte das Unternehmen Enertrag aus Brandenburg den Antrag eingereicht, dort zwei Windräder bauen zu wollen mit einer Gesamthöhe von jeweils 199 Metern. Die Gemeinde hatte sich gegen eine Einzelfallentscheidungen gewandt, und stattdessen beschlossen, einen „wasserdichten Flächennutzungsplan“ aufzustellen, wie es Dietmar Bergmann sagte.

Von vorne herein Flächen aussparen?

Sollte die Gemeinde nicht von vorne herein Flächen aussparen? Diese Frage hatte unter anderem Christian Lübbert von der UWG gestellt. Nein. Bauamtsleiter Josef Klaas hielt dagegen, dass sich die Gemeinde zu diesem Zeitpunkt noch nicht festlege. „Noch ist es wirklich nur ein erstes Konzept.“ Wie die beiden Ausschüsse es beschlossen haben: Erst auf der Basis der behördlichen Anregungen werde eine Flächennutzungsplanänderung erarbeitet – ein Verfahren, an dem neben den Behörden auch die Bürgerinnen und Bürger frühzeitig beteiligt würden.

In diesem Jahr – so viel steht fest – wird sich noch kein Windrad in Nordkirchen drehen, egal, wo. Ob überhaupt, steht auch noch nicht fest. Energisches Voranschreiten im Kampf gegen den Klimawandel sieht anders aus, wie Martin Stein und Ulrich Stüeken von den Grünen in den beiden Ausschüssen sagten, die wenige Wochen vor dem auf Klimawandel zurückzuführenden Starkregenereignis tagten.

Bundesweit herrscht drastische Flaute bei Windkraft

Nicht nur in Nordkirchen stockt der Ausbau der Windenergie. Die schwarz-gelbe NRW-Landesregierung hatte angekündigt, bis zum Jahr 2030 insgesamt 10.500 Megawatt Windkraft installieren zu wollen. Bis Ende 2020 waren aber nur rund 6.200 Megawatt tatsächlich in Betrieb. In diesem Jahr setzte sich die Flaute beim Ausbau fort.

Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme hatte am 9. Juli Daten zur öffentlichen Nettostromerzeugung für das erste Halbjahr 2021 vorgestellt. Danach lag der Anteil des Stroms aus erneuerbaren Energien am Strommix mit 47,9 Prozent deutlich unter dem des Vorjahres (55,8 Prozent). Das lag vor allem am starken Rückgang der Windkraft um 20,5 Prozent.

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Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
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Sylvia vom Hofe

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