Einen deutlichen Sprung meldet die Stadt bei der Patientenzahl in den Dortmunder Krankenhäusern. Am Mittwoch werden dort 152 Menschen behandelt - elf mehr als am Vortag. © dpa
Fragen und Antworten

Wert im Kreis Coesfeld unter 35: Gibt es Konsequenzen?

Die Coronazahlen in Olfen und in Nordkirchen sind - wie im gesamten Kreis Coesfeld - seit Wochen niedrig. Die Inzidenz für den Kreis liegt sogar unter 35. Könnte das zu Lockerungen führen?

Wer in der Auflistung des Robert Koch-Instituts nach dem Inzidenzwert für den Kreis Coesfeld sucht, wird seit einigen Wochen sehr weit unten fündig: Die Corona-Neuinfektionen des Landkreises sind stabil niedrig, aktuell haben nur Münster (17,8) und Mönchengladbach (25,3) geringere Inzidenzwerte als Coesfeld. 30,4 Neuinfektionen wurden hier innerhalb der vergangenen sieben Tage pro 100.000 Einwohner gemeldet (Stand: 18. Februar, 0 Uhr) – die Inzidenz liegt also nicht nur unter 50, sondern sogar unter 35.

Warum, so hat uns ein Leser gefragt, kommen denn dann keine Lockerungen im Kreis? Das klären wir hier im Format „Fragen und Antworten“.

Wie kommt der Leser darauf, dass die niedrige Inzidenz Lockerungen zur Folge haben könnte?

Es gibt einen Passus in der aktuellen Corona-Schutzverordnung des Landes NRW, die Lockerungen ins Spiel bringt für Städte und Kreise mit niedrigen Werten. Wörtlich heißt es im Paragraf 16, Absatz 3: „Kreise und kreisfreie Städte, in denen die 7-Tages-Inzidenz nach den täglichen Veröffentlichungen des Landeszentrums Gesundheit an sieben aufeinanderfolgenden Tagen und mit einer sinkenden Tendenz unter dem Wert von 50 liegt, können im Einvernehmen mit dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales abstimmen, inwieweit Reduzierungen der in dieser Verordnung festgelegten Schutzmaßnahmen erfolgen können.“

Hat der Kreis Coesfeld sich denn schon geäußert, ob solche „Reduzierungen“ im Bereich des Möglichen liegen?

Ja, das hat er. Am 28. Januar hatte der Kreis Coesfeld die 50er-Marke zum ersten Mal unterschritten. Am 29. Januar sagte dann die Pressestelle des Kreises zu unserer Redaktion, dass man nicht plane, mit Lockerungen aufzuwarten. Man wolle mit Lockerungen nicht das gefährden, was man bisher erreicht habe. Dieses Statement unterstrich der Landrat dann am 12. Februar – da war die 50er-Inzidenz schon zwei Wochen lang unterschritten worden – noch mal. „Der Ruf nach einem kontinuierlichen Aufheben des Lockdowns liegt natürlich nahe und wäre sehr wünschenswert“, erklärte der Landrat Christian Schulze Pellengahr. „Für unseren Kreis Coesfeld mit seinem hohen Pendleraufkommen, braucht es jedoch eine einheitliche Lösung mit den Nachbarkommunen, um den niedrigen Inzidenzwert nicht aufs Spiel zu setzen. Hierzu werden wir uns mit unseren Nachbarn entsprechend abstimmen“, sagte er weiter. Lockerungen kommen entsprechend derzeit für den Kreis nicht infrage.

Wie genau sind denn gerade die Inzidenzen in Coesfelds Nachbarkreisen?

Die Inzidenzwerte liegen da tatsächlich deutlich höher als im Kreis Coesfeld. Im Kreis Unna gab es innerhalb der vergangenen sieben Tag laut RKI 71,66 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner, im Kreis Recklinghausen waren es 68,2, im Kreis Warendorf 73,06 (Stand: 18. Februar, 0 Uhr).

Wie sieht es mit dem kommunenbezogenen Zahlen aus? Wo stehen da im Moment Olfen und Nordkirchen?

Die aktuellen Fallzahlen für Olfen und Nordkirchen sind niedrig – liegen in beiden Fällen im einstelligen Bereich. Sieben Menschen aus Olfen sind so aktuell mit dem Coronavirus infiziert, in Nordkirchen sind es fünf. In der Stadt Coesfeld gibt es mit 18 derzeit die meisten aktiven Fälle im Kreis. (Stand: 18. Februar, 0 Uhr).

Wie gehen andere Städte oder Kreise mit ähnlichen Zahlen wie der Kreis Coesfeld mit Paragraf 16,3 um? Gibt es irgendwo Lockerungen?

Münster beispielsweise ist noch länger als der Kreis Coesfeld unter 50: Aktuell liegt die 7-Tages-Inzidenz bei 17,76. Lockerungen hat es auch dort bisher nicht gegeben. Die Stadt war da auch Vorbild für den Kreis Unna. Eine Reduzierung der Maßnahmen sei „ein falsches Signal“ hatte Oberbürgermeister Markus Lewe erklärt. Auch, nachdem der Wert für Münster unter 20 gesunken ist, sagte er, dass das Ziel wäre, dass das Land NRW insgesamt unter eine Inzidenz von 35 komme und erst dann Lockerungen im Bereich des Möglichen lägen. Der Wert für NRW liegt derzeit bei 57,08.

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