Im Kreis Recklinghausen gilt seit Dienstag eine beschränkte Bewegungsfreiheit. © Gutzeit (Archiv)
Coronavirus

Wer darf noch wohin? Bedeutung der 15-Kilometer-Regel im Kreis RE für anliegende Städte

Im Kreis Recklinghausen ist die Bewegungsfreiheit eingegrenzt. Die 15-Kilometer-Regel gilt allerdings nicht nur für Menschen, die dort wohnen. Sondern auch für die, die ihn ansteuern wollen.

Der Kreis Recklinghausen ist nah, wenn man aus Selm oder Olfen, aus Lünen oder Nordkirchen kommt. Im Nachbarkreis gilt seit Dienstag (12. Januar) wegen der hohen Inzidenz eine eingeschränkte Bewegungsfreiheit. Was genau hat das für Konsequenzen für Selmer, Olfener, Nordkirchener und Lüner? Was darf man und was nicht? Dazu haben wir Fragen und Antworten zusammengetragen.

Die 15-Kilometer-Grenze gilt im Kreis Recklinghausen. Aber: Heißt das auch, dass man aus Orten in anderen Kreisen nicht mehr in den Ort hineinfahren darf? Gibt es da einen ähnlichen Radius, der zu beachten ist?

Genauso ist es. In der aktuell gültigen Coronaschutz-Verordnung steht, dass zum einen Menschen, die ihren Wohnsitz im Kreis Recklinghausen haben, diesen nur eingeschränkt verlassen dürfen. Die eingeschränkte Bewegungsfreiheit gilt aber auch für Menschen, deren Wohnort nicht in diesem Landkreis liegt.

Wie genau sind denn dann die Grenzen zu ziehen? Ab dem Mittelpunkt der Stadt, ab dem eigenen Wohnort oder ab der Stadtgrenze?

Auch das regelt die Corona-Schutzverordnung klar: Die 15-Kilometer-Grenz gilt ab der jeweiligen Stadtgrenze des Wohnortes. Bei Menschen, die ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthaltsort nicht im Kreis Recklinghausen haben, gilt also: Sie dürfen nur in diesen Landkreis fahren, wenn ihr Ziel dort weniger als 15 Kilometer Luftlinie von der Stadtgrenze des eigenen Wohnortes entfernt ist.

Wie genau ist das denn zum Beispiel mit Blick auf Selm, Olfen, Lünen oder Nordkirchen?

Olfen, Selm und Lünen teilen sich direkte Grenzen mit dem Kreis Recklinghausen. Zum Beispiel kann man von Selm

aus nach Datteln, Waltrop oder Castrop-Rauxel fahren, ohne gegen die 15-Kilometer-Luftlinie zu verstoßen. Knapp wird es schon bei Haltern am See – bis Borkenberge darf man noch, in die Innenstadt allerdings nicht mehr. Olfen liegt ein paar Kilometer weiter westlich als Selm: Von hier aus liegt Haltern im 15-Kilometer-Radius. Genauso wie Datteln, Castrop-Rauxel, Waltrop und sogar Recklinghausen. Für Lünen – im Vergleich zu Selm und Olfen weiter südlich liegend – bleiben ebenfalls Waltrop und Datteln sowie Castrop-Rauxel erlaubt. Ganz knapp ist auch die Stadt Recklinghausen mit im Radius. Von Nordkirchen aus, diese Gemeinde grenzt nicht an den Kreis Recklinghausen, sind zumindest Waltrop und Datteln noch in der 15-Kilometer-Distanz.

Gibt es irgendwelche Tools im Internet, mit denen ich bequem und schnell solche Bewegungsradien berechnet bekomme?

Ja, die gibt es. Ein Beispiel: Auf der Homepage www.coronaradius.com kann man sich stadtscharf 15 Kilometer von der Grenze entfernt anzeigen lassen.

Gibt es auch Ausnahmen für diese Einschränkung des Bewegungsradius‘?

Ja, die gibt es. Zum Beispiel darf man weiter zur Arbeit fahren oder in die Schule. Man darf auch nahe Familienangehörige besuchen oder den Partner. Ganz genau stehen diese Ausnahmen in der Corona-Schutzverordnung: Erledigung beruflicher, dienstlicher, ehrenamtlicher und vergleichbarer Besorgungen; der Besuch der Schule, der Kindertagesbetreuung; Besuch von Einrichtungen und Diensten der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen; Besuche bei und von engen Familienmitgliedern, Lebensgefährten und vergleichbar nahestehenden Personen; die Übernahme pflegerischer, unterstützender und betreuender Tätigkeiten für andere Personen; die Inanspruchnahme von medizinischen, pflegerischen und sonstigen nicht dem Freizeitbereich zuzuordnenden Dienstleistungen; Fahrten aus ähnlich gewichtigen und unabweisbaren Gründen, sofern die vorgenannten Tätigkeiten nach der Coronaschutzverordnung in der jeweils geltenden Fassung zulässig sind.

Gilt die 15-Kilometer-Grenze automatisch in allen Kreisen, die über eine Inzidenz von 200 kommen?

Nein. Das ist nicht so. Die Landkreise, die jetzt über 200 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen liegen und für die die Einschränkung der Bewegungsradius‘ gilt, sind namentlich in der aktuellen Verordnung aufgeführt. Das Ministerium hat dazu am Montag Folgendes erklärt: „Das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales steht mit den betroffenen Kommunen im direkten Austausch und klärt im Vorfeld, ob es sich um ein flächendeckendes oder ein klar eingrenzbares Infektionsgeschehen handelt. Die Regelungen gelten nur für die Kommunen, die nach der Prüfung des Infektionsgeschehens ausdrücklich in der Verordnung aufgeführt sind. Die Regionalverordnung wird dementsprechend regelmäßig angepasst werden.“

Warum gibt es denn in Städten wie Gelsenkirchen, wo die Inzidenz ja auch über 200 liegt, dann keine 15-Kilometer-Grenze?

Dazu hatte die Landesregierung am Dienstag erklärt, dass es für Gelsenkirchen oder aber für die Städte Bielefeld und Bottrop wegen des Meldestaus und der Bearbeitungslücken zwischen den Jahren noch keine belastbaren Zahlen gäbe. Über die Städte soll in den nächsten Tagen eine gesonderte Entscheidung getroffen werden.

Sind Recklinghausens Nachbarkreise Unna und Coesfeld denn gerade in der Nähe der 200er-Grenze?

Im Kreis Unna liegt die Inzidenz derzeit bei 161,31 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner (Stand: 13. Januar). Im Kreis Coesfeld ist die 200 noch weiter weg: Mit einer Inzidenz von 73,89 (Stand: 13. Januar) ist der Landkreis der mit der zweitgeringsten Inzidenz in ganz NRW.

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Ich mag Geschichten. Lieber als die historischen und fiktionalen sind mir dabei noch die aktuellen und echten. Deshalb bin ich seit 2009 im Lokaljournalismus zu Hause.
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Marie Rademacher

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