Marc Leitis ist Betriebsleiter auf dem Weingut des Grafen von Kanitz. Anfang der Woche hat der Rebschnitt auf dem Weinberg in Cappenberg begonnen. © Marie Rademacher
Wein aus Cappenberg

Weinberg in Cappenberg: Rebschnitt für neue Saison beginnt

Der Rebschnitt auf dem Weinberg in Cappenberg hat Anfang der Woche begonnen. Und: Bald schon soll der Wein aus den im letzten Jahr geernteten Trauben „auf die Flasche kommen“ und zum Verkauf stehen.

Es ist der „vermutlich nördlichste Weinberg in NRW“, sagt Marc Leitis – mit Blick auf eben diesen. Der Weinberg am Schlossberg in Cappenberg – direkt unter dem Freiherr-vom-Stein-Denkmal – liegt an diesem Montagvormittag in einem dichten Nebel. Und immer wieder hört man das typische Geräusch, das Heckenscheren machen: schnapp, schnapp. Zusammen mit zwei Mitarbeitern ist Marc Leitis, der Betriebsleiter des Weingutes Graf von Kanitz, vor Ort – und legt sozusagen den Grundstein für eine gute Ernte im Herbst dieses Jahres: Der Rebschnitt auf dem etwa 2000 Quadratmeter großen Weinberg hat begonnen.

Der Wein aus Cappenberg wird voraussichtlich im Mai in Flaschen gefüllt.
Der Wein aus Cappenberg wird voraussichtlich im Mai in Flaschen gefüllt. © Marie Rademacher © Marie Rademacher

„Dazu muss das Holz, was im letzten Jahr gewachsen ist, zurückgeschnitten werden“, erklärt Winzer Marc Leitis und zwackt an einem der noch jungen Weinstöcke Ast nach Ast ab. Das Holz verbleibt im Weinberg: In kleine Stücke geschnitten lässt er es als eine Art Dünger auf den Boden fallen. Ein neuer Trieb des Stocks bleibt stehen. „Er wird gekürzt auf die Länge, die wir brauchen, und dann im zweiten Schritt nach unten gebogen und festgebunden, so dass das neue Holz nach oben wachsen kann. An dem Trieb wachsen dann auch die Trauben.“

200 Flaschen kommen im Mai in die Flasche

Möglichst süß und reif sollten sie werden – so wie schon im vergangenen Jahr. Aus den Trauben, die im Herbst 2020 in Cappenberg geerntet worden sind, wird gerade der erste Wein der Riesling-Pflanzen am Schlossberg gewonnen, die das Weingut des Grafen 2017 dort gepflanzt hat.

„Der Wein vom letzten Jahr der liegt noch auf der Weinhefe und reift noch etwas. Er wird vermutlich im Mai auf die Flasche kommen und dann auch hier in der gräflichen Verwaltung verkauft werden“, sagt Marc Leitis. Zwischengekostet hat er ihn natürlich auch schon. Sein Urteil: „Er ist gut.“

Circa 200 Flaschen, so sagt er, sollen mit Riesling aus Cappenberg gefüllt werden. Nach der nächsten Ernte könnten es auch ein paar mehr sein – die Pflanzen im Weinberg sind ja noch jung und wachsen von Jahr zu Jahr weiter, können also auch mehr Früchte tragen. Im Vordergrund stehe aber nicht die Menge, sagt Marc Leitis, sondern die Qualität der Trauben – und des Weins.

Carola Raffel ist Auszubildende im Weingut Graf Kanitz. Sie kommt aus Cappenberg und soll in Zukunft die geführten Wein-Spaziergänge am Cappenberger Weinberg leiten.
Carola Raffel ist Auszubildende im Weingut Graf Kanitz. Sie kommt aus Cappenberg und soll in Zukunft die geführten Wein-Spaziergänge am Cappenberger Weinberg leiten. © Marie Rademacher © Marie Rademacher

Der Rebschnitt ist nach der Winterruhe der erste Schritt in die neue Saison – zwei Tage dauert es in Cappenberg, bis alle Pflanzen beschnitten sind. Eine körperlich durchaus anstrengende Arbeit, wie auch Carola Raffelt verrät. Die Cappenbergerin macht auf dem gräflichen Weingut, das seinen Hauptsitz in Lorch im Rheingau hat, eine Ausbildung zur Winzerin. In Zukunft wird sie noch weitere Aufgaben in Cappenberg vor Ort übernehmen. Geplant ist zum Beispiel, dass es entlang des Weinberges geführte Wanderungen geben soll.

Winzer Marc Leitis beschneidet die Weinstöcke auf dem Weinberg in Cappenberg. Der Rebschnitt ist der „Grundstein
Winzer Marc Leitis beschneidet die Weinstöcke auf dem Weinberg in Cappenberg. Der Rebschnitt ist der „Grundstein“ für den Start in die Saison, erklärt er. © Marie Rademacher © Marie Rademacher

Außerdem wird der Eiskeller der Brauerei ja gerade zum Weinkeller ausgebaut. Dort soll zukünftig – einen genauen Termin gibt es noch nicht – nicht nur Wein gelagert werden. Es soll dort auch viel Platz für Veranstaltungen wie Weinproben sein, verrät Marc Leitis.

In der gräflichen Verwaltung soll außerdem die Vinothek ausgebaut werden – also der Bereich, in dem es den Wein aus Cappenberg und auch aus Lorch zu kaufen gibt. Auf dem Weinberg am Schloss wächst übrigens die gleiche Sorte wie in Lorch. „Damit die Weine auch vergleichbar sind“, erklärt Marc Leitis.

Dass es in Cappenberg überhaupt einen Weinberg gibt – in einer Region, die nicht unbedingt als Weinanbaugebiet gilt – liegt natürlich zum einen am Schlossherren Sebastian Graf von Kanitz, der den Versuch 2017 begonnen hat. Es ist aber auch historisch gewachsen: Zuletzt hatten die Mönche im späten Mittelalter Wein in Cappenberg angebaut.

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Marie Rademacher

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