Viele Jahre gab es Streit um das Wasserkraftwerk an der Füchtelner Mühle. Jetzt haben sich Stadt Olfen und Kreis Coesfeld mit der Eigentümerfamilie über einen Kauf verständigt. © Gaby Wiefel-Keysberg
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Wasserkraft- und Stauanlage an der Füchtelner Mühle hat neue Besitzer

Die Stadt Olfen nutzt die Windkraft zur Stromerzeugung. Jetzt geht sie den nächsten Schritt. Mit dem Kreis Coesfeld produziert sie künftig Strom aus Wasserkraft. Ein Kauf macht es möglich.

Der Olfener Westen ist stark im Umbruch. Die Arbeiten für den neuen Naturkindergarten an der Füchtelner Mühle sind bereits weit vorangeschritten. Auch beim künftigen Tourismuszentrum geht es zügig voran. Jetzt kommt ein neues Projekt dazu, das dem Umweltschutz Rechnung trägt. Den linken Trakt der Füchtelner Mühle mit Wasserkraft- und Stauanlage haben der Kreis Coesfeld und die Stadt Olfen von Udo Herbst, Sohn von Ernst Herbst, erworben. Damit öffnen sich Wege für die Modernisierung der Wasserkraftanlage.

„Wir stellen so die Nutzung und Förderung erneuerbarer Energien auch für die Zukunft sicher“, sagt Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr und weist auf den gemeinsamen Betrieb des Wasserkraftwerkes hin. „Kreis und Stadt wollen mit dem Erwerb der Wasserkraft- und Stauanlage zukünftig gemeinsam Verantwortung für die Regulierungsmaßnahmen des Wasserabflusses in der Stever und den Hochwasserschutz übernehmen“, ergänzt Olfeners Bürgermeister Wilhelm Sendermann.

Mit der Durchführung der Modernisierung und der Organisation des zukünftigen Betriebes haben Kreis und Stadt die kreiseigene Gesellschaft des Kreises Coesfeld zur Förderung regenerativer Energien mbH (GFC) beauftragt. Die GFC ist nun bereits dabei, eine Bestandsaufnahme für die Planungen zur Modernisierung der Anlage durchzuführen. „Eine sorgfältige Modernisierungsplanung in einem denkmalgeschützten Gebäude wird sicher einige Zeit in Anspruch nehmen – wir wollen aber mit den konkreten Arbeiten spätestens im nächsten Jahr beginnen“, so Stefan Bölte, Geschäftsführer der GFC. Der rechte Trakt der Mühle bleibt im Besitz der Künstlerfamilie Herbst, die dort weiterhin wohnen bleiben wird.

Denkmalschutz und nachhaltige Energieerzeugung verbinden

Mit der Übernahme geht nach der Füchtelner Mühle ein weiteres historisch bedeutsames Gebäude in die öffentliche Hand über. Wie der Chronik der Gastronomie zu entnehmen ist, ließ Fürstbischof Otto III., Graf von Rietberg (1301-1306), die Füchtelner Mühle als Landesmühle erbauen. Sie gehörte zur Wasserburg Haus Füchteln, die Stammsitz der Ritter von Kukelshem war.

Mit der Erschließung des Ruhrgebietes im 19. Jahrhundert wurde die Wassermühle auch als Sägemühle genutzt. Im Zuge des Ausbaues der Stever hat das Wasserwerk Gelsenkirchen das alte Mühlenstaurecht zur Füchtelner Mühle einschließlich der bestehenden Anlagen aufgekauft. 1992 wurden die beiden Mühlengebäude von Gelsenwasser an den Privatier Ernst Herbst verkauft. Es entstand ein Wohnhaus und ein Wasserkraftwerk in den alten Gebäuden.

Die Zukunft der Wasserkraft- und Stauanlage Füchtelner Mühle ist gesichert.
Die Zukunft der Wasserkraft- und Stauanlage Füchtelner Mühle ist gesichert. © Thomas Aschwer © Thomas Aschwer

Ein Blick in Archive belegt, dass es wiederholt Streit um das Kraftwerk gab. Vor allem im Zusammenhang mit der Umflut. Seit 2008 hatte Herbst, versucht, gerichtlich dagegen vorzugehen. Er sah die Gefahr, dass sein Betrieb „zum Erliegen kommt“. Dabei habe er 1,2 Millionen DM aus eigenen Mitteln investiert. „Das war meine Altersvorsorge“, sagte Herbst seinerzeit. Damit nicht genug der Kritik. Er sah die Standfestigkeit der Mühle in Gefahr. Wenn die Stadt wie geplant 900 Liter Wasser pro Sekunde durch den Umgehungsgraben laufen lasse, komme an regenarmen Tagen gar kein Wasser mehr bei dem Bauwerk an. „Dann bricht die Bude zusammen.“

Langjähriger Streit um die Umflut an der Füchtelner Mühle

Den damaligen städtischen Beigeordneten Wilhelm Sendermann beeindruckten die Aussagen nicht. Er verwies auf einen gerichtlich beauftragter Gutachter. Der habe festgestellt, dass die Mühle nicht trockenfallen kann. Dass weniger Wasser durch die Turbinen des Kraftwerks fließe, stimme zwar, aber dafür bekomme Ernst Herbst einen Ausgleich von zusätzlichen zwei Cent pro Kilowattstunde. „Das bringt mir nichts, zwei Cent mal null bleibt null“, entgegnete Ernst Herbst.

Unterstützung bekam die Stadt hingegen vom Landes-Fischereiverband. Er verwies darauf, dass in der Stever viele Fischarten wie Hechte, Gründlinge, Aale und Rotaugen leben. Für sie sei das Kraftwerk ein Hindernis, denn: „Alle Süßwasserfische wandern.“ Kein Argument, das bei Ernst Herbst zog. „Nichts als Lügen.“ Im Fluss gebe es so gut wie überhaupt keine Fische, behauptet er.

Die Füchtelner Mühle aus der Vogelperspektive.
Die Füchtelner Mühle aus der Vogelperspektive. © Woesmann (A) © Woesmann (A)

Auch für geschichtsinteressierte Menschen war und ist die Füchtelner Mühler interessant. Im Juli 2018 hatte beispielsweise der Biologe und ehemalige Lehrer Günther Fischer aus Recklinghausen wichtige Daten genannt. „Die Aufschrift an der Brücke wurde im Jahr 1768 angebracht, 1925 wurde sie erneuert“, sagte Fischer, der über Jahre seine Sommer-Urlaube auf dem Campingplatz Burbank an der Kökelsumer Straße verbracht hatte. Eine Inschrift lautet zum Beispiel – aus dem Lateinischen übersetzt: „Schöner aus diesen Ruinen erheben die Steine sich. Dazu rausche der Wasserfall als Sänger, so es Jupiter beliebt.“

Bis heute ist die Füchtelner Mühle ein Charakteristikum der Kulturlandschaft an der Stever. Die denkmalgeschützten Gebäude erinnern an die ehemalige Funktion als voneinander getrennte Öl- und Kornmühle. Als Kulturgut ist die Doppelmühle von überregionaler Bedeutung. Zum Komplex gehören neben den Gebäuden die Wegeverbindungen, die alte Furt, der Mühldurchstich als Mühlstau und der ehemalige Hauptlauf des Flusses mit der dazwischenliegenden Insel. Die im Laufe der Jahrhunderte mehrfach von Hochwasser schwerbeschädigte Mühle existiert heute seit über 700 Jahren an dieser Stelle.

Über den Autor
Redaktion Selm
Journalist aus Leidenschaft, Familienmensch aus Überzeugung, Fan der Region. Als Schüler 1976 den ersten Text für die Ruhr Nachrichten geschrieben. Später als Redakteur Pendler zwischen Münsterland und Ruhrgebiet. Ohne das Ziel der Arbeit zu verändern: Die Menschen durch den Tag begleiten - aktuell und hintergründig, informativ und überraschend. Online und in der Zeitung.
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Thomas Aschwer

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