Absolut unzufrieden sind die Landräte mit der Corona-Warn-App. Sie fordern eine deutliche Weiterentwicklung. © picture alliance/dpa/dpa-tmn
Minister-Gespräch

„Warn-App ist gescheitert“ – Landräte fordern neue technische Lösung

Die Landräte in NRW fordern mit Nachdruck eine neue Corona-Warn-App, um Kontakte schnell nachverfolgen zu können. Dr. Christian Schulze Pellengahr (Coesfeld) drückt dabei aufs Tempo.

„Die Kontaktnachverfolgung muss stärker digitalisiert werden“, forderte bei einem virtuellen Treffen der Landräte in NRW mit Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann Landrat Thomas Hendele (Kreis Mettmann). Dr. Christian Schulze Pellengahr weiß der Präsident des Landkreistags NRW dabei ausdrücklich hinter sich.

Im Gespräch mit unserer Redaktion machte Schulze Pellengahr deutlich, dass aus Sicht des Kreises Coesfeld die Digitalisierung der Gesundheitsämter nicht ausreiche. Vielmehr müsse es in der Pandemie darum gehen, „technische Möglichkeiten nutzbar zu machen.“ Was damit konkret gemeint ist, hatte Hendele beim Treffen deutlich gemacht: „Wir brauchen eine Corona-App-Plus, mit der Nutzerinnen und Nutzer Daten zur Nachverfolgung von Infektionsketten für die Gesundheitsämter freischalten können.“

„Manuelle Dinge kosten sehr viel Zeit“

Schulze Pellengahr verwies auf Anfrage darauf, wie schwierig es in der Pandemie teilweise sei, Kontakte von positiv auf Corona getesteten Menschen nachzuverfolgen. Dazu komme, dass „die manuellen Dinge sehr viel Zeit kosten.“ Er forderte deshalb dazu auf, sich bei der Nutzung technischer Möglichkeiten „nicht so enge Fesseln anzulegen.“ Das scheint ein Konsens unter den Landräten zu sein.

Aus Sicht des Landkreispräsidenten könne eine Tracing App vor allem im schützenswerten privaten Bereich eine generell anonymisierte Nachverfolgung von Infektionsketten ermöglichen. „Sie ist das schnellere Werkzeug und würde auch für die Eindämmung der sich schneller verbreitenden Mutationen gute Dienste leisten.“ Weiterer Vorteil aus Sicht der Landräte: Eine Tracing App könne Perspektiven für kontrollierbare Lockerungen eröffnen. Sie wäre auch eine Antwort auf die Nöte vieler Branchen wie Kulturschaffende, Veranstalter, Handel und Gastronomie.

Deutliche Kritik der Landräte an aktueller Corna-Warn-App

Zuvor hatte Thomas Hendele deutliche Kritik an der aktuellen Corona-Warn-App geübt: „Der Bund muss einsehen, dass die Corona-Warn-App gescheitert ist.“ Die über 20 Millionen Downloads hätten praktisch keinen erkennbar wirksamen Effekt. „Die App muss neu gedacht werden, und zwar so, dass sie einen wirklichen Nutzen bringt“, sagte Hendele.

Der Coesfelder Landrat Dr. Schulze Pellengahr sagte dazu, dass er es „nicht so hart formuliert hätte.“ Doch in der Sache selbst scheint es keine Meinungsunterschiede zu geben. Schulze Pellengahr und die anderen Landräte wollen „mehr Digitalisierung“. Und das möglichst schnell. „Wenn ein Wille da ist, geht vieles“, sagt der Landrat des Kreises Coesfeld. Aus seiner Sicht ist es denk- und machbar, eine neue App noch in der aktuellen Pandemie anzubieten.

Über den Autor
Redaktion Selm
Journalist aus Leidenschaft, Familienmensch aus Überzeugung, Fan der Region. Als Schüler 1976 den ersten Text für die Ruhr Nachrichten geschrieben. Später als Redakteur Pendler zwischen Münsterland und Ruhrgebiet. Ohne das Ziel der Arbeit zu verändern: Die Menschen durch den Tag begleiten - aktuell und hintergründig, informativ und überraschend. Online und in der Zeitung.
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Thomas Aschwer

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