Matthias Lichtenfeld ist seit wenigen Tagen neuer Leiter des Musikschulkreises. Er hofft auf erste Konzerte des Jugendsinfonieorchesters zum Jahreswechsel. © Thomas Aschwer

Vom Musikschüler zum Leiter – Matthias Lichtenfeld gibt jetzt den Takt an

Matthias Lichtenfeld hat so einiges in der Welt gesehen, hat in den USA, Ägypten und zuletzt in England gearbeitet. Seit wenigen Tagen entführt er Kinder und Jugendliche in eine besondere Welt.

Die Situation hätte für die Eltern und ganz besonders ihre Kinder nicht unglücklicher sein können: Das Musikforum war im vergangenen Herbst gerade erst als Projekt des Musikschulkreises gestartet, da kündigte Musikschulleiter Elmar Sebastian Koch seinen Abschied an. Mit Matthias Lichtenfeld (43) ist diese Vakanz nun behoben, doch ein großes Problem ist geblieben. Wichtige Felder wie JeKits (Jedem Kind Instrumente, Tanzen, Singen) können in der Pandemie weiter nicht bespielt werden. „Die Musikschule hatte bislang nicht die Chance, die Olfener Schülerinnen und Schüler abzuholen.“

So sehr er sich den Kontakt und die Wiederaufnahme des Projektes wünscht, Lichtenfeld hat ein weiteres großes Projekt vor Augen. Angesichts der sinkenden Inzidenzwerte strahlt er dabei Optimismus aus. „Die Neujahrskonzerte in den fünf Mitgliedergemeinden des Musikschulkreises (Olfen, Nordkirchen, Senden, Lüdinghausen, Werne) zum kommenden Jahreswechsel sind unser großes Ziel.“ Um diesen Wunsch Realität werden zu lassen, hat Lichtenfeld das große Orchester in Fünfergruppen eingeteilt – aktuell das Maximum in der Pandemie.

Lichtenfeld, der neben Instrumentalpädagogik (Elementare Musikpädagogik und Viola/Violine) auch Ensemble- und Orchesterleitung an der Musikhochschule Detmold studiert hat, weiß ganz genau, wie groß die Strahlkraft der Konzerte in der Region ist. Vor etlichen Jahren war er selbst Mitglied des Jugendsinfonieorchesters. Das Rüstzeug dafür hat er sich neben dem Unterricht im Musikschulkreis bei Musikfreizeiten auf Schloss Nordkirchen geholt.

Lichtenfeld hat immer Kontakt zu seiner Heimatstadt gehalten

Bei aller Bereitschaft zu neuen Schritten, ist er diesen wichtigen Angeboten treu geblieben. Bei der Musikfreizeit war er später als Dozent tätig, für das Jugendsinfonieorchester organisierte er eine Reise nach Amerika. So überrascht es nicht, dass sich gerade ein weiterer Kreis schließt. Der gebürtige Lüdinghauser hat immer den Kontakt zur Stadt und zur Musikschule gehalten – wo auch immer ihn das Leben hingeführt hat.

Seine neue Aufgabe als Leiter fordert ihm auch privat einiges ab. „Die Familie – meine Frau und drei Kinder – sind noch in England. Die Kinder (10, 7, 5) sollen dort das Schuljahr beenden“, sagt Matthias Lichtenfeld. Vielleicht hat die Zeit bis zum Umzug von Durham (England) nach Lüdinghausen einen Vorteil, es bleibt etwas mehr Zeit für die Wohnungssuche – eine echte Herausforderung beim angespannten Lüdinghauser Wohnungsmarkt.

Aber wer ist dieser Mensch, der im Gespräch mit großer Begeisterung von seiner neuen Aufgabe spricht und der nachhaltig im Musikschulkreis wirken will: Eine kurze Fragerunde gibt Hinweise: Schlager oder Hardrock? „Eher Hardrock.“ Im Urlaub in die Berge oder ans Meer? „Ganz klar ans Meer.“ Wein oder Bier? „Keines von beiden, ich trinke keinen Alkohol.“ Kaffee oder Tee? Nach vier Jahren England ist die Antwort eigentlich klar: „Tee“.

Neuer Leiter sagt: „Ohne Musik würde mir etwas fehlen“

Auf die Frage, was Musik für ihn persönlich bedeutet, sagt Lichtenfeld: „Ich kann mich gar nicht erinnern, mal keine Musik gemacht zu haben. Ohne Musik würde mir etwas fehlen.“ Die Musik sei ein Medium für die Gesellschaft, um anders

als durch unsere Sprache in Kontakt zu kommen und gemeinsam etwas zu erleben. Nicht umsonst seien daher gerade für die Jugendlichen der Austausch mit Gleichaltrigen und Angebote wie Musikfreizeiten so wichtig.

„Ich hoffe sehr, dass solche Fahrten bald wieder stattfinden dürfen“, sagt Lichtenfeld. „Das ist der Anker, den wir als Musikschule für die Jugendlichen werfen.“ Sein großer Wunsch ist es auch deshalb, „dass die Kinder wieder in den Chören und Ensembles zusammenkommen dürfen.“

Über den Autor
Redaktion Selm
Journalist aus Leidenschaft, Familienmensch aus Überzeugung, Fan der Region. Als Schüler 1976 den ersten Text für die Ruhr Nachrichten geschrieben. Später als Redakteur Pendler zwischen Münsterland und Ruhrgebiet. Ohne das Ziel der Arbeit zu verändern: Die Menschen durch den Tag begleiten - aktuell und hintergründig, informativ und überraschend. Online und in der Zeitung.
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Thomas Aschwer