Zugvögel werden fauler: In jeder Population gibt es Tiere, die nicht mehr in den Süden ziehen. Einige Kraniche sind noch immer in Deutschland und warten darauf, dass es richtig kalt wird. © Werner Zemplein
Heimische Vögel

Vogelbeobachtung im Winter: Kraniche bleiben, bis sie kalte Füße kriegen

Flaute in den Gärten: Krankheiten grassieren und Steingärten machen den Vögeln das Leben schwer. Dazu kommt der Klimawandel - manche Zugvögel bleiben daheim. Vogelexperte Uwe Norra berichtet.

Meisen lieben Sonnenblumenkerne – Jahr für Jahr beobachtet Hobby-Vogelkundler Uwe Norra, wie die Tiere die Samen aus den trockenen Blumen picken. Doch in diesem Jahr ist es still in Norras Garten, kein einziger Kern wurde bislang gepickt. Viel weniger Vögel sind unterwegs, das beobachten auch seine Bekannten. „Es ist eine erschreckende Entwicklung“, findet Norra. Durch Steingärten und Umweltverschmutzung wird den Vögeln der Lebensraum genommen, wodurch auch weniger Junge geboren werden. „Die Gärten des Grauens, wie wir Naturschützer sie nennen, bekommen nun zur Zierde häufiger ein Insektenhotel. Das ist schon fast kabarettistisch“, so Norra.

Ein weiteres Problem: Nicht nur die Menschen wurden von einem Virus heimgesucht, sondern auch die Vogelwelt. In den vergangenen Jahren breiten sich Krankheiten unter den Amseln, Spatzen und Blaumeisen aus. Bei den Amseln gibt es das Usutuvirus. Um die Verbreitung der Viren zu vermindern, können die Menschen etwas tun. Denn Futterstellen und Tränken sind, wenn sie nicht regelmäßig gereinigt werden, Bakterienschleudern.

„Futterspender sind sinnvoller – ansonsten kacken die Vögel, salopp gesagt, in ihr Essen“, sagt Norra. Zum Füttern empfiehlt der Fachmann Meisenknödel, Erdnussbruch und Sonnenblumenkerne sowie handelsübliches Vogelfutter – niemals Küchenabfälle oder Brot, da Salz den Tieren sehr schadet.

Vögel brauchen wenig Wasser

Vogelbäder und Tränken seien laut des Vogel-Experten grundsätzlich nicht nötig. Und: „Vögel haben ganz andere Nieren als wir. Die kommen lange ohne Wasser aus, daher können sie auch lange brüten. Sie können ihren Urin filtern und dadurch Flüssigkeit generieren.“ Trotz Seuchen und Klimawandel sind Rotkehlchen, Buchfinken und Zaunkönige in diesem Jahr relativ häufig zu beobachten. Rotkehlchen seien die einzigen Singvögel, die auch im Winter ein Revier bilden und demnach auch singen. Sie zu beobachten, kann eine schöne Lockdown-Beschäftigung sein.

„Dafür braucht man vor allem Geduld. So eine Beobachtung dauert in etwa so lange wie ein Fußballspiel. Wenn man still hält, gewöhnen sich die Vögel auch an die Beobachtung und lassen sich gut fotografieren“, so Norra. Dafür brauche man keine High-Tech-Kamera, auch günstige Bridgekameras tuen ihren Dienst.

Auch noch im Lande sind einige Zugvögel: „In jeder Population gibt es Einzelne, die genetisch bedingt keine Lust haben, wegzuziehen. Am auffälligsten ist das bei Kranichen, die sind teilweise noch da und hauen erst ab, wenn sie kalte Füße bekommen“

Bei milderen Wintern vermehren sich die daheimgebliebenen Tiere gut, sodass die Population wächst. „Ein Kollege berichtete, dass noch Tausende Kraniche im Diepholzer Moor herumstehen und versuchen, erst einmal hierzubleiben, bis es richtig kalt wird.“ Ob die Vögel noch davonziehen werden, wird sich zeigen.

Über die Autorin
Volontärin
Geboren in Hamm, dann ausgezogen in die weite Welt: Nach ausgiebigen Europa-Reisen bin ich in meine Heimat zurückgekehrt und berichte nun über alles, was die Menschen in der Gegend gerade bewegt.
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Sylva Witzig

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