Viele Familien bleiben wegen Corona zu Hause – doch schnell kann die gute Stimmung kippen. © picture alliance/dpa
Kinderbetreuung

Viele Kontakte ohne Maske – Kitas im Kreis kämpfen gegen Infizierungen

Seit Anfang der Woche befinden sich die Kindergärten im „eingeschränkten Pandemie-Betrieb“, nach Möglichkeit sollen sich Eltern selbst um ihre Kinder kümmern. Leichter gesagt als getan.

Der Arbeitgeber ruft, das Kind auch, der Haushalt sowieso: Im Lockdown stehen Eltern mit Kindern massiv unter Druck. Viele haben sich der schwierigen Situation gestellt. „Die Eltern sind damit verantwortungsvoll umgegangen“, sagt Stephanie Kißmann, Bereichsleitung Kindertagesbetreuung bei der Jugendhilfe Werne. Rund 40 bis 50 Prozent der angemeldeten Mädchen und Jungen haben in dieser Woche die Einrichtungen besucht.

Stephanie Kißmann spricht deshalb von einer relativ entspannten Situation in den Einrichtungen im Vergleich zur Situation vor Weihnachten. Seinerzeit habe die Jugendhilfe Werne Einrichtungen, herunterfahren müssen. Neben Kitas in Werne und anderen Orten ist die Jugendhilfe auch Trägerin der Kindertageseinrichtungen Hoppetosse und Waldwichtel (beide Südkirchen) sowie An der Appelstiege und Füchtelner Mühle (beide Olfen).

Als vorteilhaft habe sich beim erneuten eingeschränkten Pandemie-Betrieb erwiesen, dass den meisten Eltern grundsätzliche Regelungen aus dem vergangenen Jahr bekannt waren. Dazu gehört vor allem auch die Reduzierung des Betreuungsumfangs um 10 Stunden pro Woche. Eine Herausforderung für die Einrichtungen ist jedoch die Vorgabe des Landes, dass Erzieherinnen und Erzieher sowie Kinder in ihren Gruppen bleiben müssen und nicht getauscht werden dürfen.

DRK-Vorstand Christoph Schlütermann spricht vom „Kraftakt“

Einen Punkt, den auch DRK-Vorstand Christoph Schlütermann direkt anspricht. Das Rote Kreuz als größter Kindergartenträger im Kreis Coesfeld hat festgestellt, dass die Situation aktuell ganz unterschiedlich ist. In einige Einrichtungen kommen wenige Mädchen und Jungen, in andere sind es recht viele. „Es ist schon ein Kraftakt“, sagt Schlütermann. Vor allem geht es ihm dabei um den hohen Organisationsaufwand.

„Jede Gruppe muss geöffnet sein“, sagt Stephanie Kißmann und bekräftigt damit die Aussage von Schlütermann. Es sei eine ganz besondere Herausforderung gerade in den Monaten November, Dezember und Januar mit ohnehin enger Besetzung. In dieser Zeit sei der Krankenstand auch ohne Corona höher als in anderen Monaten. Aus Sicht der Bereichsleitung sind die Erzieherinnen und Erzieher in den den Kindertagesstätten „Helden des Alltags“.

Der Job in den Einrichtungen sei mit einem hohen Druck verbunden. „Dazu kommt, dass die Mitarbeiter jeden Tag ungeschützt sind. Kinder wollen getröstet werden, das geht aber mit Maske nicht“, sagt Stephanie Kißmann. Wann sich diese Situation verbessern wird, weiß sie nicht. Offiziell hat sie noch nicht gehört, wann sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Einrichtungen impfen lassen können.

Eltern bleiben bei den Einrichtungen „draußen vor der Tür“

Dabei wird der Druck auf die Einrichtungen und damit auf die Beschäftigten wohl bereits in der kommenden Woche steigen. Stephanie Kißmann erwartet, dass dann weitere Eltern ihre Kinder in die Einrichtungen schicken. Verstehen kann sie, dass Eltern nicht schon am Anfang des Jahres alle Kinderkrankentage nutzen wollen. Das Jahr sei noch lang und die Unsicherheit, was in der Pandemie noch alles kommt, groß.

Die Einrichtungen der Jugendhilfe Werne versuchen nach Aussage der Bereichsleitung alles, um Infizierungen in den Einrichtungen zu vermeiden. „Wir halten die Eltern draußen vor der Tür“, nennt die Bereichsleitung ein Beispiel. Auch Gespräche und Beratungen finden seit vielen Wochen fast ausschließlich digital statt. „Nur in absolut notwendigen Ausnahmefällen gibt es Face-to-Face-Gespräche.“

Eine Regelung, die übrigens auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gilt. Seit Monaten gebe es keine Sitzungen von kompletten Teams mehr. Einig sind sich Kißmann und Schlütermann in der Bedeutung individueller Lösungsansätze für jede einzelne Einrichtung. Das betreffe auch ausdrücklich die Schließungszeiten. Im Mittelpunkt stehe dabei immer das Wohl der Kinder.

Über den Autor
Redaktion Selm
Journalist aus Leidenschaft, Familienmensch aus Überzeugung, Fan der Region. Als Schüler 1976 den ersten Text für die Ruhr Nachrichten geschrieben. Später als Redakteur Pendler zwischen Münsterland und Ruhrgebiet. Ohne das Ziel der Arbeit zu verändern: Die Menschen durch den Tag begleiten - aktuell und hintergründig, informativ und überraschend. Online und in der Zeitung.
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Thomas Aschwer

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