Viel Arbeit wartet auf die neuen Eigentümer von Haus Füchteln. Seit mehr als einem Jahrzehnt ist das Gebäude nicht mehr bewohnt. Die Folgen sind unübersehbar. © Thomas Aschwer
Ehrgeizige Pläne

Verkauf perfekt: Haus Füchteln soll aus dem Dornröschenschlaf erwachen

Seit 2009 ist der frühere Adelssitz Haus Füchteln nicht mehr bewohnt. Lange drohte sogar der Verfall: Jetzt wollen Olfener das Gebäude aus dem Dornröschenschlaf erwecken. Eine Mammutaufgabe.

Das hat das geschichtsträchtige Gebäude nicht verdient: Regelmäßige Besucher von sogenannten „Lost Places“ feiern in einschlägigen Foren das Haus Füchteln in Olfen als „Geheimtipp“. Die Folgen sind unübersehbar. Eine Vielzahl von Fußspuren liefern den Beweis, dass sich hier häufiger Menschen aufhalten. Abhalten lassen sie sich dabei auch nicht von Absperrungen. Entsprechend sieht es auf dem Areal aus: Graffitis, eingeschlagene Scheiben, abgebrochene Lampen. Damit soll jetzt Schluss sein. Die Chancen scheinen besser denn je.

Rückblende: Als das rund 11.500 Quadratmeter große Areal inklusive der darauf stehenden Gebäude 2009 zur Versteigerung stand, griff wenige Tage vor dem Termin die Stadt Olfen zu. „Es hat unterschiedliche Ideen für das denkmalgeschützte Gebäude gegeben“, sagt Bürgermeister Wilhelm Sendermann. Er räumt ein, dass selbst ein Abriss des historisch überaus interessanten Gebäudes, das seine Ursprünge im frühen 13. Jahrhundert hat, mal ein Thema war. Zum Glück ist dazu nie gekommen.

Käufer für das Haus gefunden

Doch eine in die Zukunft gerichtete Lösung gab es auch nicht. Bis Olfener Bürgerinnen und Bürger die Initiative ergriffen. Das ist jetzt mehr als eineinhalb Jahre her. Jetzt steht fest, das Gebäude hat eine Zukunft. Andrea Melchheier sowie ihre Tochter Katharina Droste und ihr Schwiegersohn Stefan Droste wollen sich der Herausforderung stellen. Sie haben von der Stadt mehr als die Hälfte des Grundstückes sowie die darauf stehenden Gebäude erworben – auch das frühere Herrenhaus.

Immer wieder verschaffen sich Menschen Zugang zum Gebäude - offensichtlich teilweise auch ohne Rücksicht auf Verluste.
Immer wieder verschaffen sich Menschen Zugang zum Gebäude – offensichtlich teilweise auch ohne Rücksicht auf Verluste. © Thomas Aschwer © Thomas Aschwer

Dabei haben sich die neuen Eigentümer verpflichtet, das frühere Herrenhaus zu erhalten. „Es ist eine denkmalgerechte Ertüchtigung vereinbart“, so Bürgermeister Sendermann. Das Gebäude soll dabei zu einem Wohnsitz für die Familien Melchheier/Droste umgebaut werden. Was mit der nicht verkauften Grundstückfläche passiert, ist nach Aussage von Sendermann nicht entschieden. Vorstellbar sei eine „lockere Bebauung. Aber die Überlegungen sind noch nicht abgeschlossen.“

Dach ist teilweise undicht

Auch für den früheren Adelsitz gibt es nach Aussage der neuen Eigentümer noch keine konkreten Pläne. Stefan Droste berichtet von „guten Gesprächen“ mit dem Amt für Denkmalpflege. Priorität haben dringend notwendige Sicherungsarbeiten. Das Dach sei teilweise undicht, Decken beschädigt und auch andere Aufgaben zu erfüllen. Die Stadt will die Familien Melchheier/Droste in der Form unterstützen, dass der Zugang zum Gelände zumindest deutlich erschwert wird.

Auf die Frage, warum sie sich in ein auf den ersten Blick so aufwendiges Projekt stürzen, hat Andrea Melchheier eine überzeugende Antwort: „Wir sind in Olfen verwurzelt und haben Spaß daran.“ Zusammen mit ihrer Tochter und ihrem Schwiegersohn betont sie die Naturverbundenheit der Familie. Und in der Tat, die Lage an der Stever ist außergewöhnlich. Direkt in der Natur. Mit dem für das nächste Jahr geplanten Start der Bauarbeiten wird das Haus Füchteln wieder stärker in den Blick der Öffentlichkeit geraten. Aktuell versperren Sträucher und Bäumer den Blick auf das Gebäude und die Außenanlagen.

Das frühere Herrenhaus befindet sich in einem schlechten Zustand.
Das frühere Herrenhaus befindet sich in einem schlechten Zustand. © Thomas Aschwer © Thomas Aschwer

Entstanden ist dabei das Haus Füchteln aus einer Wasserburg, die Stammsitz der Ritter von Kukelshem war. Die Ritter von Kukelshem werden 1267 zum ersten Mal urkundlich erwähnt und hatten das Haus Füchteln als Vasallen des Bischofs von Münster als Lehen. 1334 verpflichtete sich Heinrich von Kukelshem mit anderen Rittern, auf Lebenszeit in den Dienst der Stadt Coesfeld zu treten. 1362 kam das Haus Füchteln durch Kauf an Heidenreich von Wulf und blieb bis 1820 im Familienbesitz. Es handelt sich um einen Seitenzweig der Ritter von Lüdinghausen.

Die Ritterburg besteht nicht mehr, die ehemaligen von der Stever gespeisten Gräften können noch im Gelände ausgemacht werden. Der Kern der Gebäude geht zurück auf das 16. Jahrhundert.

Über den Autor
Redaktion Selm
Journalist aus Leidenschaft, Familienmensch aus Überzeugung, Fan der Region. Als Schüler 1976 den ersten Text für die Ruhr Nachrichten geschrieben. Später als Redakteur Pendler zwischen Münsterland und Ruhrgebiet. Ohne das Ziel der Arbeit zu verändern: Die Menschen durch den Tag begleiten - aktuell und hintergründig, informativ und überraschend. Online und in der Zeitung.
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Thomas Aschwer

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