Das Impfzentrum in Dülmen bei seinem ersten Testlauf im Dezember, noch bevor es mit dem Impfen losging. Warten will inzwischen längst nicht mehr jeder. © Thomas Aschwer (Archiv)
Coronavirus

Trotz Termin: Warum manche Menschen am Impfzentrum abgewiesen werden

Nicht jeder, der einen Termin für das Impfzentrum im Kreis Coesfeld hat, kann auch rein. Manche haben einen Termin ohne Berechtigung. Wie geht das eigentlich?

Nein, eine Impfung gibt es nicht. Und nein, daran ändert auch die Terminbuchung über das Portal der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) nichts. So oder so ähnlich ist es schon einigen Menschen ergangen, die sich im Impfzentrum des Kreises Coesfeld in Dülmen impfen lassen wollten.

Eine Liste darüber, wie viele Menschen weggeschickt worden sind, gebe es nicht, sagt Wolfgang Heuermann vom Kreis Coesfeld, „es gab aber etwa 20 bis 25 Personen, die weggeschickt worden sind, weil sie die Priorisierungsvoraussetzungen noch nicht erfüllen.“

Nicht priorisierte Personen sollen ihre Termine absagen

Deswegen weist der Kreis gerade noch einmal explizit darauf hin, dass im Impfzentrum auch weiterhin nur über 80-Jährige geimpft werden können, also die Priorisierungsgruppe eins. Denn die Impfung dieser Gruppe ist noch nicht abgeschlossen.

„Menschen unter 80 Jahren, Kontaktpersonen von Schwangeren sowie von Pflegebedürftigen, die dort einen Termin gebucht haben, können nicht geimpft werden. Sie müssen leider zurückgewiesen werden“, heißt es in der Mitteilung des Kreises. Andere priorisierte Gruppen, wie zum Beispiel Erzieherinnen und Erzieher oder Polizistinnen und Polizisten, erhalten dagegen automatisch ein Impfangebot.

Weiter heißt es: „Um ein für alle Beteiligten unerfreuliches Ärgernis zu vermeiden, werden Personen unter 80 Jahren gebeten, ihre Termine abzusagen, damit diese an über 80-Jährige vergeben werden können.“

Auch andere Impfzentren sind betroffen

Doch nicht nur das Impfzentrum in Coesfeld ist betroffen. Vermehrt würden Impfzentren melden, dass Personen versuchen, sich einen Termin zu erschleichen, auch mit Verweis auf die Buchungsbestätigung der KVWL, erklärt KVWL-Sprecher Andreas Daniel.

Doch wie kann es überhaupt sein, dass Menschen, die noch nicht dran sind, einen Termin buchen? Das sei gar kein Problem, sagt Daniel. Über die Seite der KVWL könne das theoretisch jeder tun. Dort werde dann aber danach gefragt, ob man berechtigt sei, einen Termin zu buchen und jeder könne sich die Liste mit den Kriterien durchlesen, ab wann man denn berechtigt ist.

Am Ende werde auch mitgeteilt, dass man seine Berechtigung vor Ort aber mit einem Schreiben oder dem entsprechenden Datum auf dem Personalausweis vorweisen muss, sonst könne man nicht geimpft werden, erklärt Daniel das Prozedere. Das Fazit des Sprechers, warum Menschen also Terminbuchungen haben, obwohl sie nicht berechtigt sind, fällt entsprechend hart aus: „Sie haben es entweder nicht verstanden, oder bewusst ignoriert, was gefordert ist.“

Grundsätzlich freue man sich als Impfzentrum ja über die Impfbereitschaft der Menschen, sagt Wolfgang Heuermann für den Kreis Coesfeld aber: „Priorisierungen kann man nicht ignorieren“, sagt Wolfgang Heuermann, vordrängeln geht einfach nicht.

Informationen für nächste Priorisierungsstufe:Wie das Prozedere für die nächste Priorisierungsgruppe aussieht steht noch nicht genau fest. „Das Land plant, dass die über 70-Jährigen von Städten und Kreisen informiert werden“, sagt Andreas Daniel von der KVWL. „Wir würden uns wünschen, dass diese Gruppe in den Arztpraxen geimpft wird“, sagt Daniel. Darüber stehe die Entscheidung aber noch aus.Der Kreis Coesfeld bittet unter 80-Jährige noch um Geduld und verspricht: „Sobald es weitere Informationen zum Impfgeschehen gibt, wird umgehend darüber informiert.“

Über die Autorin
Redakteurin
Ich bin neugierig. Auf Menschen und ihre Geschichten. Deshalb bin ich Journalistin geworden und habe zuvor Kulturwissenschaften, Journalistik und Soziologie studiert. Ich selbst bin Exil-Sauerländerin, Dortmund-Wohnerin und Münsterland-Kennenlernerin.
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Sabine Geschwinder
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