Annika Voss (l.) und Claudia Lisk sind mit Ihren Kindern aus Hagen angereist, dieses Mal nur für einen Nachmittag Zweimal im Jahr mieten sie aber auch ein Häuschen am See. © Sylvia vom Hofe
Badesaison

Ternscher See: Saisonstart in Selm mit guter Laune und großen Plänen

Die Badesaison 2021 im Ternscher See hat begonnen - mit steifen Brisen wie an der Nordsee. Davon haben sich echte Fans aber nicht bremsen lassen. Das sollen bald deutlich mehr werden.

Gerade mal um die 20 Grad und windig: Ausgerechnet zum Saisonauftakt am Ternscher See am Samstag (12. 6.) hat das Sommerwetter der letzten Tage eine Pause eingelegt. Eine steife Brise weht – und zugleich ein Wind der Veränderung für das Areal, von der die wenigsten etwas ahnen: weder die, die jauchzend ins klare, kalte Wasser springen, noch die anderen, die lieber zugucken und im Uferbistro einen dampfenden Kaffee genießen. Die Pläne sollen den See mit dem Geheimtipp-Charakter bekannter machen und die Zahl der Nutzer größer. Das ist nicht unumstritten.

Annika Voss und Claudia Lisk gehören zu denen, die sich von den Wolken nicht haben aufhalten lassen. Sie haben vorgesorgt – mit Neoprenanzügen für die Kinder. 16 Euro habe einer gekostet, das Claudia Lisk: gut investiertes Geld, wie sie meint. Denn jetzt seien die Kinder noch lieber im Wasser als ohnehin schon – ausgestattet mit Flossen, Taucherbrille und der Aussicht, dass es im See wärmer ist als man denkt.

Erfolgreich gegen die Kälte mit Neoprenanzügen

Lachend schauen die beiden Frauen den drei Kindern hinterher, während sie auf dem weißen Sand eine große Decke ausbreiten: ihr Lager für die nächsten Stunden. „Das ist einfach fantastisch hier“, schwärmt Claudia Lisk. Dafür nimmt sie auch gerne die rund 45-minütige Anreise mit dem Auto in Kauf: von Hagen nach Selm. Und das gerne immer wieder, wie sie sagt. „Meistens kommen wir so wie heute für einen Tag. Zweimal im Jahr buchten die Freundinnen aber auch eines der Safarizelte direkt am See und verbringen dort Kurzurlaub mit der ganzen Familie. Ein Glücksfall sei das gewesen, als sie vor drei Jahren zufällig den Tipp bekam, mal nach Selm zu fahren.

Der junge Familienvater aus Hattingen kennt es gar nicht anders. Schon als Kind ist er mit seinen Eltern regelmäßig gekommen. „Jetzt machen wir das auch.“ Zeit zum Plaudern hat er allerdings nicht. Seinem Töchterchen ist es im Wasser zu kalt geworden. In Handtücher gehüllt bringt er es dahin, wo es warm und gemütlich ist: in den Campingwagen hinten auf dem Gelände.

Kurzurlaub vor der Haustür zu günstigen Preisen

Ob aus Hattingen oder Hagen: Für die Gäste aus dem Ruhrgebiet gehören die Wörter Selm und Kurzurlaub untrennbar zusammen. Für Tanja Kuschnereit, Dennis Buchow und die siebenjährige Anna inzwischen auch. Kanal und Stever seien auch schön, aber der Ternscher See biete die Möglichkeit zu einem Strandtag direkt vor der Haustür. Die Anlage sei gepflegt, der Badestrand bewacht, „und die Preise beim Kiosk sind echt In Ordnung trotz der Toplage“. Das gelte auch für den Eintrittspreis von 4 Euro für Erwachsene und 2 Euro für Kinder ab sechs Jahre (jüngere brauchen gar nicht zu zahlen).

Tanja Kuschnereit und Dennis Buchow mit Anna. Die drei Olfener genießen das Strandbad gleich nebenan. © Sylvia vom Hofe © Sylvia vom Hofe

Tanja Kuschnereit, Dennis Buchow und Anna sind mit dem Auto gekommen. „Wegen des vielen Gepäcks“, sagen sie. Sie hätten aber auch die Fahrräder nehmen können. Denn zwischen Olfen und Selm gibt es seit 2016 den verbindenden Radweg, ein Teil des Regionale-Projekts Wasserwege Stever. Auch wenn dieses Strukturförderprogramm inzwischen abgeschlossen ist, dauert die Umsetzung der damals entwickelten Ideen weiter an. Darauf hatte Selms Bürgermeister Thomas Orlowski erst am Donnerstag im Stadtentwicklungsausschuss hingewiesen, zwei Tage vor dem Startschuss für die Badesaison.

Bürgermeister kündigt Bau von Ferienhäusern an

Orlowski blieb noch vage. Moritz Graf Hagen-Plettenberg, der Eigentümer des Campingplatzes Ternscher See, plane eine Erweiterung am Strandweg: „Verschiedene Typen von Ferienhäusern.“ Für Selm sei das eine erfreuliche Entwicklung. Mehr Beachtung des Ternscher Sees bedeute mehr Tourismus: „Ein echtes Pfund für unsere Stadt.“ Zur Zahl der Häuser und zu möglichen Veränderungen am See selbst machte er keine Angaben. „Bevor es zu einer Bebauung kommen wird, werden die Pläne dem Stadtentwicklungsausschuss vorgestellt.“

Pläne aus dem Jahr 2016 sahen vor, den Ternscher See in Richtung Norden deutlich zu erweitern: eine Voraussetzung, um die Balance zwischen Freizeitnutzung, Seetourismus und Ökologie zu gewährleisten, wie es damals hieß. Auftraggeber der damaligen Planung mit dem Titel „Wasserzwischenräume“ waren neben der Regionale-Agentur die Städte Selm und Olfen und Graf Hagen-Plettenberg.

Regionale-Projekt sah Vergrößerung des Sees vor

Neben der See-Erweiterung im Norden sah das damalige Konzept eine ergänzende Wohnbebauung um einen grünen neuen Dorfanger am Nordufer vor sowie bauliche Ergänzungen auch an der Straße „Am Ternscher See“. Diese Ideen waren vor fünf Jahren auch auf heftige Kritik gestoßen – nicht ohne Folgen.

Die Grünen-Sprecherin Marion Küpper hatte damals abgekündigt, notfalls ein Bürgerbegehren _ also eine breite Abstimmung – anzuregen, wenn das bestehende Nordufer angetastet werden würde. Dass die See-Pläne auf Eis gelegt wurden, hatte aber einen anderen Grund. Die Stadt Selm hatte 2018 angekündigt, die Pläne erst einmal ruhen zu lassen, weil die Vielzahl der anderen baulichen Projekte in Selm – ob Campus oder Auenpark – keine Luft für mehr lasse. Mindestens bis 2021.

Der damalige Bürgermeister und heutige Landrat Mario Löhr hatte der Politik zudem vorgeschlagen, von der See-Erweiterung Abstand zu nehmen. Denn dafür müsste die Stadt das gesamte Risiko alleine tragen, ohne Aussicht auf Fördermittel. Stattdessen sprach er sich für eine Renaturierung des Nordufers aus. Und für die Umsetzung „einzelner Maßnahmen der Projektstudie“.

Zum Seepark Ternscher See

  • Die Eintrittspreise für das Strandbad betragen für Erwachsene 4 Euro und für Kinder zwischen 6 und 15 Jahren 2 Euro. Jüngere Kinder brauchen Nichts zu bezahlen. Die Parkgebühr beträgt 1 Euro.
  • Im vorderen Bereich am Strandbad gibt es einen abgetrennten Nichtschwimmerbereich. Etwas weiter gibt es ein Sprungbrett.
  • Die Einlassobergrenze liegt Bei 580 Personen. Reservierungen sind nicht möglich.
  • Das Strandbad ist bei Sommerbadewetter von 10 bis 19 Uhr mit Badeaufsicht geöffnet.
  • Der Imbiss auf dem Gelände hat montags bis sonntags von 12 bis 18 Uhr geöffnet.
  • Die Adresse fürs Navi lautet: Strandweg 103 in Selm.
Über die Autorin
Leiterin des Medienhauses Lünen
Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
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Sylvia vom Hofe

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