Auch im Lockdown sind viele Kindergärten gut besucht. Jetzt gibt es Streit darüber, wie hoch grundsätzlich die Kita-Beiträge sein sollen. © picture alliance/dpa
Kindergärten

Streit um Kindergartengebühren im Kreis geht in die nächste Runde

Während Politiker in Berlin über die Öffnung von Kindergärten streiten, blicken Einrichtungen in Nordkirchen und Olfen auf den Kreis. Hier stehen aktuell richtungsweisende Entscheidungen an.

Das Ziel der SPD im Kreis Coesfeld ist klar formuliert. Sie will erreichen, dass ab Sommer weitere Einkommensstufen von einer Beitragspflicht befreit werden. Bislang müssen nur die Eltern keinen Kita-Beitrag unabhängig von der Stundenzahl bezahlen, die ein gemeinschaftliches Jahres-Bruttoeinkommen von maximal 24.000 Euro haben. Ziel der SPD ist es jetzt, auch die Einkommensstufen 2, 3 und 4 von Beiträgen zu befreien. Damit würden alle Eltern keinen Kita-Beitrag bezahlen, die zusammen maximal 49.000 Euro brutto verdienen.

Ihren Antrag begründen die Sozialdemokraten damit, dass „viele Familien mit geringen Einkommen schon jetzt die Folgen der Krise spüren.“ Eine Ausweitung der Gebührenfreiheit im Kita-Bereich sei deshalb sinnvoll, weil so die Familien spürbar entlastet werden und die Eltern in die Lage versetzt, den tatsächlich benötigten Stundenumfang in Anspruch zu nehmen. Langfristiges Ziel der SPD bleibt dabei eine komplette Gebührenfreiheit.

Eltern müssen für jüngere Kinder mehr bezahlen

Dabei geht es unter dem Strich um viel Geld. Aktuell unterscheidet der Kreis Coesfeld bei den Betreuungskosten zwischen Kinder vor Vollendung des 2. Lebensjahres und ab Vollendung des 2. Lebensjahres. Grundsätzlich gilt, dass für jüngere Kinder im Kreis höhere Beiträge gezahlt werden müssen als für ältere Mädchen und Jungen. Die absolut höchsten Beiträge betragen in der Einkommensstufe 10 (gemeinsames Bruttoeinkommen von über 120.000 Euro) 596,70 Euro bei Kindern vor Vollendung des 2. Lebensjahres. Für die älteren Kinder sind 534,59 Euro fällig.

Dabei sind die Geburtenzahlen im Zuständigkeitsbereich des Kreisjugendamtes Coesfeld (alle Städte und Gemeinden im Kreis ohne Dülmen und Coesfeld) in den letzten Jahren gestiegen. Lagen die Zahlen bis 2013 bei etwa 1000 pro Jahr, ist sie in den Folgejahren gestiegen – auf knapp 1300 im vergangenen Jahr.

Der größte Kita-Träger im Kreis Coesfeld – das Deutsche Rote Kreuz – sieht den Vorstoß durchaus kritisch. DRK-Vorstand Christoph Schlütermann verweist auf die finanziellen Folgen für die Städte und Gemeinden im Kreis, die dann die Elternbeiträge übernehmen müssen. Noch mehr beschäftigt das Rotes Kreuz aber die Frage, welche Folgen ein derartiger Beschluss für die Qualität in den Einrichtungen hätte. Christoph Schlütermann sieht die Gefahr, dass dann „weniger Geld für Personal und Ausstattung zur Verfügung steht.“

„Eltern gehen verantwortungsvoll mit Situation um“

Er hat die große Sorge, dass „die Entlastung der Eltern zu Lasten der Qualität in den Kitas geht.“ Am Ende gehe es um Personalschlüssel und Finanzierung. In der aktuellen Corona-Pandemie ist das Angebot der Kindergärten im Kreis jedenfalls stark gefragt. Während in einigen Kitas nur rund ein Drittel der angemeldeten Kinder aktuell die Einrichtung besuchen, sind andere Kitas deutlich stärker nachgefragt. In Nordkirchen beispielsweise kommen laut Schlütermann rund 70 Prozent tagtäglich in die Kita.

Als Kritik an den Eltern will Schlütermann die Zahlen keinesfalls verstanden wissen. „Sie gehen verantwortungsvoll mit der Situation um“, sagt er. Viele seien aber auf eine Betreuung angewiesen. Spannend werde für die Einrichtungen aber die Frage, ob es beim eingeschränkten Betrieb bleibt. Gerade für die Eltern, die 35 Stunden pro Woche gebucht haben, sei die Reduzierung um 10 Stunden oft schwierig zu organisieren. „Wir versuchen hier flexibel zu sein“, sagt Schlütermann.

Keine Veränderung erwartet der DRK-Vorstand allerdings bei den Rahmenbedingungen bei der Betreuung. Aktuell müssen die Kitas feste Gruppen mit festen Erzieherinnen/Erziehern bilden. Ein Ansatz, der nicht der Pädagogik der DRK-Kitas entspricht. Das Rote Kreuz setzt in seinen mehr als 40 Einrichtungen im Kreis Coesfeld auf offene Gruppen.

Über den Autor
Redaktion Selm
Journalist aus Leidenschaft, Familienmensch aus Überzeugung, Fan der Region. Als Schüler 1976 den ersten Text für die Ruhr Nachrichten geschrieben. Später als Redakteur Pendler zwischen Münsterland und Ruhrgebiet. Ohne das Ziel der Arbeit zu verändern: Die Menschen durch den Tag begleiten - aktuell und hintergründig, informativ und überraschend. Online und in der Zeitung.
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Thomas Aschwer

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