Christian Reining aus Selm ist Geschäftsführer der Unternehmensgruppe F.O.S. in Ahlen. Die Firma verkauft FFP2-Masken, entwickelte im vergangenen Jahr aber auch eigene Stoffmasken. © F.O.S.
Masken

Stoffmasken statt Einweg: Herzensprojekt von Unternehmer muss warten

Unternehmer Christian Reining aus Selm hat ein Herzensprojekt: FFP2-Masken sollten nachhaltiger werden. Jetzt liegt der Fokus wieder auf Einwegmasken. Aber auch die können desinfiziert werden.

Mit der Verschärfung der Maskenpflicht auf FFP2-, OP-Masken oder Masken mit vergleichbaren Eigenschaften (KN95 / N95) wurden viele der selbst genähten „Alltagsmasken“ überflüssig. Abgesehen von der Neuanschaffung, beschäftigt Christian Reining aus Selm in diesem Kontext aber noch ein anderer Faktor: Nachhaltigkeit.

Reining ist Geschäftsführer der F.O.S Unternehmensgruppe aus Ahlen. Dort werden eigentlich Filter- und Entstaubungstechnik für Industrieanlagen produziert und vertrieben.

Als Erweiterung des eigenen Portfolios und vertreibt F.O.S. auch FFP2-Masken. Das Problem: handelsübliche FFP2-Masken sind eigentlich Einwegprodukte. Um dieser Problematik entgegenzuwirken hatte das Unternehmen 2020 damit begonnen, eigene Stoffmasken herzustellen und weiterzuentwickeln. Das Ziel: Masken mit FFP2-Zertifizierung, die waschbar, wiederverwendbar und damit nachhaltiger sind. Ein „Herzensprojekt“ erklärt Reining im Gespräch mit unserer Redaktion.

Deutschland legt Fokus wieder auf Einwegmasken

Soweit hat es die Entwicklung bisher aber noch nicht geschafft. Denn bis das Prüfsiegel auf der Maske steht sind Tests und Zulassungen nötig. Die brauchen nicht nur ihre Zeit, sondern kosten natürlich auch Geld. „Ich bin ehrlich gesagt ein bisschen enttäuscht über die Signale aus der Politik“, sagt Reining. 2020 hieß es: Deutschland müsse unabhängiger werden bei der eigenen Produktion.

Jetzt liegt der Fokus auf den FFP2-Masken, die häufig aus dem Ausland importiert werden müssen. „Wir haben über einen Partner jetzt auch FFP2-Masken im Verkauf, die aus Deutschland kommen.“ Die kosten im Verkauf allerdings dann auch etwas mehr. Nämlich zwei Euro, anstatt ein Euro für die importierten Masken.

Um den Nachhaltigkeitsgedanken nicht völlig aus dem Blick zu verlieren, verschickt die Firma zusammen mit den verkauften FFP2-Masken derzeit ein Beiblatt mit Anwendungsempfehlungen. Zwei Methoden werden darin beschrieben, die die FH-Münster für die Desinfektion und Wiederverwendung der Einmalmasken entwickelt hat.

Masken an der Luft oder im Backofen desinfizieren

So können die FFP2-Masken von Viren desinfiziert werden, wenn sie nach der Verwendung sieben Tage lang bei Raumluft aufgehängt werden. Die Idee hinter dem System ist einfach: Ein Brett mit sieben Nägeln für sieben Masken. Die Maske wird am Ende eines Tages aufgehängt, am nächsten Tag benutzt man eine neue Maske. Am achten Tag kann dann wieder die erste Maske benutzt werden.

„Nach einer Woche sind nur noch Erreger der eigenen Nasen-, Rachen- und Hautflora auf der Maske nachweisbar“, erklärt Prof. Dr. Alexander Mellmann, Direktor des Instituts für Hygiene am Universitätsklinikum Münster in einer Pressemitteilung.

Die zweite Möglichkeit besteht in der Desinfektion der Masken innerhalb von einer Stunde im Backofen bei 80 Grad Celsius. Allerdings gibt es hier auch noch etwas mehr zu beachten. Es ist wichtig, dass die Temperatur auch eingehalten wird. Bei viele Haushaltsbacköfen gibt es allerdings relativ große Abweichungen, bei der Einstellung der Temperaturen. Mit einem haushaltsüblichen Backofenthermometer sei das allerdings laut der Wissenschaftler gut zu kontrollieren.

Bei beiden Methoden gilt: Die Masken sollten höchstens fünf Mal auf diese Weise aufbereitet werden. „Auch wenn Sie merken, dass eine Maske defekt ist, Sie direkt angehustet wurden oder eine Maske besonders beansprucht ist, raten wir zur direkten Entsorgung auch vor Ablauf der fünf Trockenzyklen“, heißt es in der Empfehlung der Wissenschaftler.

Die vollständige Anleitung gibt es auf der Homepage der FH-Münster (www.fu-muenster.de)

Das Projekt rund um die eigenen Stoffmasken will die Firma F.O.S. übrigens weiterhin im Blick behalten. Was daraus wird, lässt sich derzeit noch nicht sagen.

Über den Autor
Beruflicher Quereinsteiger und Liebhaber von tief schwarzem Humor. Manchmal mit sehr eigenem Blick auf das Geschehen. Großer Hang zu Zahlen, Statistiken und Datenbanken, wenn sie denn aussagekräftig sind. Ein Überbleibsel aus meinem Leben als Laborant und Techniker. Immer für ein gutes und/oder kritisches Gespräch zu haben.
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Matthias Stachelhaus

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