Auch dieses Haus hat die Firma Ebbes mit einer Photovoltaikanlage ausgerüstet. © André Schöneis
Solarenergie

Solartechnik rückt in der Gemeinde Nordkirchen in den Fokus

Die Gemeinde Nordkirchen ist gerade dabei, das Klimaschutzkonzept fortzuschreiben. Eines der wichtigen Zukunftsthemen ist „Solarenergie“. In Nordkirchen ist noch Luft nach oben.

Regenerative und umweltfreundliche Energien zu nutzen, ist für viele das Gebot der Stunde. Solarenergie gehört zu den Energieträgern, die auch in Nordkirchen eine bedeutende Rolle spielen. Für wen eignet sich eigentlich zum Beispiel eine Photovoltaikanlage? Diese sehr lokale Frage haben wir lokalen Experten gestellt.

Im aktuell gültigen Klimaschutzkonzept der Gemeinde Nordkirchen von 2012 steht, dass 2012 insgesamt 408 Photovoltaik-Anlagen im Gemeindegebiet installiert waren. Mit diesen konnte im Jahr 2011 in etwa 6.567 Megawattstunden (MWh) Strom produziert werden.

Das Solarkataster NRW (Stand 2018) wirft für Nordkirchen Zahlen zum Photovoltaik-Solarpotenzial auf Dachflächen auf kommunaler Ebene aus. Es gibt ein Potenzial für installierbaren Modulflächen von 468.000 Quadratmetern. 80 Megawatt beträgt das Leistungspotenzial. Macht einen möglichen Stromertrag von 70 Megawattstunden im Jahr. Die mögliche CO2-Einsparung liegt für Nordkirchen demnach bei 30 Kilotonnen pro Jahr.

Zahlen, bei denen man denken könnte: Nix wie ran an die Photovoltaiktechnik. Ist das in Nordkirchen so. Wir haben bei der Firma Ebbes Solartechnik gefragt.

„Alle, die ein Dach haben, für die ist es interessant“

Grundsätzlich gebe es kein Haus, bei dem keine Solaranlage drauf passen würde, sagt Geschäftsführer Thomas Ebbes. „Wo Strom gebraucht wird, ist es zehnmal besser, ich produziere ihn selber, als wenn ich ihn erst durch ein teures Netz zum Haus hinleiten muss.“ Mit entsprechenden Speichern lohne es sich. „Alle, die ein Dach haben, für die ist es interessant.“

2004, als die Firma angefangen habe, seien Anlagen verkauft worden für die „nackte Überschusseinspeisung“: Motto: Strom produzieren, ins Netz, verkaufen. Die Anlagen,. die jetzt verkauft werden, seien ausschließlich für den Eigenbedarf. Vom Einfamilienhaus bis zum großen Unternehmen. Wobei Einfamilienhäuser den größten Anteil ausmachen.

Auch für alte Dächer geeignet

Ist aber wirklich jedes Haus beziehungsweise Dach geeignet für eine Photovoltaikanlage? Was ist mit ganz alten Häusern. „Die älteste Anlage steht in Seppenrade auf einem Haus, auf Dachpfannen von 1901 liegen“, sagt Thomas Ebbes. Die meisten Dächer hätten eine sehr lange Lebensdauer. Allerdings schaue sich am besten immer noch ein Dachdecker die Situation an, ehe eine Photovoltaikanlage aufs Dach kommt.

Wo steige ich ein, wenn ich ein Dach mit einer Photovoltaikanlage bestücke? Wo liegen die Kosten? „Das ist von der Größe abhängig“, erklärt Geschäftsführer Ebbes. Eine 10-Kilowatt-Anlage mit Speicher liege bei rund 20.000 Euro. Ohne Speicher liege sie bei 10.000 Euro. „Aber ich kriege nicht auf jedes Dach eine 10-Kilowatt-Anlage“, sagt Ebbes. Für ein Einfamilienhaus sei diese Größenordnung sinnvoll. Für eine vierköpfige Familie mit einem Stromverbrauch von 4000 bis 5000 Kilowattstunden rechne sich eine 10-Kilowatt-Anlage. Grobe Faustformel für die Berechnung der richtigen Anlagengröße: Das doppelte an Kilowatt-Leistung auf dem Dach als der Stromverbrauch ist, sei sie richtige Größe.

Haben mit ihrem Team allein im vergangenen Jahr bis zu 450 Photovoltaikanlagen verkauft: (v.r.) die Geschäftsführer Thomas Ebbes und André Schöneis und Axel Bublies von der Projektabwicklung der Firma Ebbes.
Haben mit ihrem Team allein im vergangenen Jahr bis zu 450 Photovoltaikanlagen verkauft: (v.r.) die Geschäftsführer Thomas Ebbes und André Schöneis und Axel Bublies von der Projektabwicklung der Firma Ebbes. © Arndt Brede © Arndt Brede

Gibt es eigentlich Fördermöglichkeiten, die die Bürger in Anspruch nehmen können? „Speicher werden gefördert, die reine Anlage nicht“, antwortet Thomas Ebbes. Wobei es in Nordkirchen keine Anlagenförderung gebe, in Lüdinghausen schon, sagt FDP-Ratsvertreter Joachim Seidel. „Wir überlegen, einen entsprechenden Antrag für den neuen Haushalt zu stellen.“

Vorlauf von vier Monaten

Müsste der Firma Ebbes in die Karten spielen, oder? Im Moment sei gut zu tun, antwortet Ebbes diplomatisch. „Im Moment haben wir einen Vorlauf von vier Monaten.“ Aber es sei wohl mittlerweile bei jedem angekommen, dass eine Photovoltaikanlage wirtschaftlich sei. „Eigentlich muss ich da keine großartige Förderung reinrechnen.“

Nun hat sich ja die Großwetterlage verändert. In diesem Sommer gab es gefühlt mehr Wolken als im Sommer des vergangenen Jahres. Macht es unter diesen Umständen überhaupt Sinn, sich mit Solartechnik auf dem eigenen Dach zu beschäftigen? „Die Sonnenstunden übers Jahr gesehen, sind konstant, seit ich das verfolge, und das ist seit 16 Jahren“, erläutert Thomas Ebbes. „Die letzten drei Jahren war es sehr gut, in diesem Jahr ist es normal“, ergänzt André Schöneis, ebenfalls Geschäftsführer der Firma Ebbes.

Kann man eigentlich als Hauseigentümer etwas falsch machen, was Photovoltaikanlagen betrifft und worauf muss man achten? Wie kann ich mich vorbereiten? „Der größte Fehler ist, den falschen Unternehmer auszusuchen“, berichtet Thomas Ebbes. Viele Unternehmen schießen aus dem Boden. „Da haben wir in den letzten Jahren viel nachrepariert. Da lagen Module auf dem Dach, die noch nicht einmal angeschlossen waren.“ Natürlich sei viel Vertrauen im Spiel. „Der Kunde muss sich darauf verlassen und wir müssen eine Anlage verkaufen und anschließen, die zum Haus passt und nicht zu unseren Verkaufszahlen.“

Auch die Netzbetreiber müssten bei einer Entscheidung für eine Photovoltaikanlage mit im Boot sein.

FDP plant Bürgerinfoveranstaltungen

Es gibt sicher noch viele Fragen, die sich um die Photovoltaiktechnik ranken. Die FDP Nordkirchen plant eine Bürgerinformationsveranstaltung in Nordkirchen, in der auch das Thema „Solartechnik“ neben dem Thema „Windenergie“ eine Rolle spielt. Was ist genau geplant? „Wir werden die Bürger einladen zu einer Informationsveranstaltung in Nordkirchen“, sagt Joachim Seidel, Ratsvertreter der FDP Nordkirchen. Ein Vertreter der Firma Ebbes soll an diesem Abend – ein genaues Datum stehe noch nicht fest – über Solartechnik referieren und Fragen beantworten.

Was sagt Thomas Ebbes zur Idee, dass die FDP hilft, eventuelle Fragen zur Solartechnik öffentlich beantworten zu lassen? „Das ist sinnvoll“, meint Ebbes. „Wir müssen weg von den fossilen Energien. Wenn dann die Politik mithilft – besser geht es nicht.“

Was die Akzeptanz von Solarenergie und -technik betrifft, hat ein Faktor übrigens mitgeholfen, wenn auch unfreiwillig und so nicht erwartbar: die Coronapandemie. Nach Auskunft von André Schöneis habe es sich gezeigt, dass die Bürger während der Coronapandemie auf Urlaub verzichtet und stattdessen in ihr Haus investiert haben. Im vergangenen Jahr habe die Firma Ebbes die meisten Anlagen verkauft, weil eben die Menschen auf Kosten geschaut haben. Und so sei es gekommen, dass die Firma Ebbes allein im vergangenen Jahr bis zu 450 Photovoltaikanlagen verkauft habe, sagt Schöneis.

Über den Autor
Redaktion Selm
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Arndt Brede

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