Simon Kneilmann und Anna-Christin van Kluth leiten die Geschicke im Jugend- und Kulturhaus Nordkirchen (Juno). Persönliche Treffen sind im Juno bald wieder möglich. © Etta Gerdes
Corona-Pandemie

Psychische Auswirkungen des Lockdowns: Juno berät bei Corona-Stress

Pandemie und Lockdown drücken auf die Psyche von Kindern und Jugendlichen. Das geht aus wissenschaftlichen Studien hervor. Wie präsent das Thema bei Jugendlichen ist, merkt auch das Team des Juno.

Kinder- und Jugendpsychologen weisen darauf hin, dass sich die Corona-Pandemie negativ auf die Psyche vieler Kinder und Jugendlicher auswirkt. Vor allem die Einschränkungen sozialer Kontakte führe in einigen Fällen teils zu „geminderter Lebensqualität“, aber auch zu „Symptomen wie Angst und Depression“, wie aus einer im „Journal of Health Monitoring“ (Ausgabe 4/2020) veröffentlichten Studie des Robert-Koch-Instituts (RKI) hervorgeht.

Solche extremen Auswirkungen kann Sozialarbeiter Simon Kneilmann, Mitarbeiter der Jugendhilfe Werne und gemeinsam mit Anna-Christin van Kluth zuständig für das Jugend- und Kulturhaus Nordkirchen (Juno) zwar nicht bestätigen. Allerdings stellt er fest, dass vielen Jugendlichen die Pandemie und ihre Folgen Sorgen bereitet. So arbeite das Juno-Team zwar noch immer hauptsächlich aus dem Home-Office, allerdings würden sich Simon Kneilmann und Anna-Christin auch regelmäßig persönlich im Eins-zu-Eins-Gespräch mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus Nordkirchen und der näheren Umgebung treffen. „Das machen wir seit Beginn des Lockdowns – wir treffen uns dann zu Spaziergängen, natürlich auf Abstand und mit Masken“, erklärt Kneilmann. Ob im Schlosspark oder anderswo: Die Spaziergänge und vertraulichen Gespräche würden zwischen 30 Minuten und zwei Stunden dauern, sagt der Sozialarbeiter.

Themen, die die Jugendlichen belasten seien zum Beispiel Probleme im Homeschooling, Spannungen in der Familie, mit Freunden oder in der Beziehung. Corona sei auch immer wieder direkt oder indirekt ein Thema. Allerdings gehe es häufig auch einfach um ganz alltägliche Sachen, über die das Juno-Team mit den Jugendlichen unter normalen Umständen „nebenbei bei Besuchen im Jugendzentrum“ gesprochen hätte, sagt Kneilmann.

Trotzdem: Die fehlenden sozialen Kontakte mit Freunden, Langeweile und Lagerkoller zu Hause, Existenzängste, weil sich Berufsanfänger in Kurzarbeit befinden und ihre berufliche Zukunft unsicher ist: Solche Probleme haben erst die Corona-Lockdowns gebracht.

Für das Juno-Team seien die persönlichen Kontakte zu den Jugendlichen deshalb „ganz besonders wertvoll“, erklärt Simon Kneilmann. Bereits beim ersten Lockdown im Frühjahr 2020 hat das Juno umgeschaltet vom Präsenz-Jugendzentrum am Wehrturm zum digitalen Juno im Netz.

Ob über Messenger-Apps, per Mail oder Telefon: Anna-Christin van Kluth und Simon Kneilmann waren in den vergangenen Monaten für die Jugendlichen ansprechbar und haben Hilfe oder ein offenes Ohr bei Problemen angeboten. Sie haben aber auch für Abwechslung gesorgt – und für Ablenkung vom für viele junge Menschen eintönigen neuen Corona-Alltag.

Derzeit laufen im Juno beispielsweise vier unterschiedliche Angebote, an denen die Jugendlichen teilnehmen können – alles regelmäßig stattfindende Online-Veranstaltungen, deren Beliebtheit gerade wächst, wie Kneilmann berichtet.

Das gelte vor allem für das Koch-Projekt per Video-Konferenz. „Ich kaufe dabei die Zutaten ein und stelle sie den Teilnehmern vor die Tür“, sagt der Sozialarbeiter. Dabei ergebe sich dann auch immer die Möglichkeit für ein kurzes Gespräch, fügt er hinzu. Am Ende treffen sich dann alle Kochkurs-Teilnehmer wieder online und kochen – zwar jeder bei sich zu Hause, aber doch gemeinsam im Videochat. Die Nachfrage sei mittlerweile so groß geworden, dass das Team einen zweiten und sogar einen dritten Termin dafür veranstalten müsse. „Das ist echt schön“, findet Kneilmann.

Neben dem Koch-Angebot, gebe es auch eines, in dem es ums Malen gehe, ein Puzzle-Projekt mit dem Titel „Hoffnungsschimmer“ und das gemeinsame Online-Gaming.

Insgesamt sei der Kontakt zwischen Juno und den Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 12 und 25 Jahren auch nach fast einem Jahr Corona-Pandemie nicht schlechter geworden, lautet das Fazit des Sozialarbeiters. Auch wenn sich die Beratungsthemen und die Art der Treffen verändert haben.

Über den Autor
Redaktion Selm
Jahrgang 1985, fasziniert von digitalen, technischen und lokalen Themen.
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Karim Laouari

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