Mit dem Softwareprodukt "oculavis Share“ können Techniker durch einen Experten unterstützt oder per Augmented-Reality-Anleitung Probleme an Maschinen beheben. © oculavis GmbH
Gründerpreis

NRW-Gründerpreis: Kreatives Siegerunternehmen hat auch Wurzeln in Nordkirchen

Der Gründerpreis NRW zeichnet besonders innovative und kreative Geschäftsideen aus. Der 1. Preis 2020 geht an ein Unternehmen, das von einem Nordkirchener mitgegründet wurde.

Bereits zum neunten Mal haben das NRW-Wirtschafts- und Digitalministerium und die NRW.Bank den mit insgesamt 60.000 Euro dotierten Preis für besonders innovative und kreative Geschäftsideen vergeben. Sieger ist die oculavis GmbH. Die oculavis GmbH aus Aachen kann sich als Sieger über ein Preisgeld von 30.000 Euro freuen. Die Gründer Martin Plutz, Dr. Markus Große Böckmann und Philipp Siebenkotten revolutionieren mit Hilfe von Augmented Reality den Kundendienst im Maschinen- und Anlagenbau. Das Unternehmen setzt auf Remote Support und Augmented Reality und ermöglicht zum Beispiel Fernwartung per Datenbrille.

Die oculavis GmbH

Die oculavis GmbH hat 60 Mitarbeiter aus 15 Nationen.

Eine Auswahl der bisherigen Auszeichnungen:

  • Juni 2016: AC² Gründerwettbewerb: Gewinner in der Kategorie Start-up beim Gründerwettbewerb der Region Aachen.
  • März 2017 Innovationspreis IT Gewinner in der Kategorie „Kommunikation“ des Innovationspreis IT 2017 der Initiative Mittelstand.
  • Mai 2018: IUIA Innovation Award Erster Platz des internationalen Gründerwettbewerbs der International University Innovation Alliance IUIA.
  • Juni 2018: IHK We Do Digital Award Gewinner des „We Do Digital Awards“ 2018 der Deutschen Industrie- und Handelskammern.
  • November 2019: Gewinner des Europäischen Gründerpreises EIT Digital Challenge 2019 der Europäischen Union.

www.oculavis.de

Mit der Augmented Reality basierten Softwarelösung, die mit Datenbrillen und jedem Tablet und Smartphone kompatibel ist, können Experten eines Maschinenherstellers bequem vom Büro aus im wahrsten Sinne des Wortes einen Blick durch die Augen des Maschinenbedieners vor Ort werfen, ohne zum Standort der Maschine reisen zu müssen. Das spart nicht nur Zeit, Geld und Nerven, sondern reduziert auch den Ausstoß von CO2, indem Techniker und Serviceexperten einfach weniger reisen. Gerade auch in Zeiten der Corona-Pandemie ein gangbarer Weg.

16 Auszeichnungen

Die oculavis GmbH ist 2016 aus der Fraunhofer-Gesellschaft und der Rheinisch-Westfälischen Technische Hochschule (RWTH) Aachen hervorgegangen. Mit ihrer langjährigen Erfahrung im Maschinenbau begannen die drei Gründer 2016 ihre Mission, Abläufe im Kundenservice und in Wartung und Instandhaltung zu transformieren.

Der Nordkirchener Dr. Markus Große Böckmann gehört zu den Gründern der erfolgreichen oculavis GmbH.
Der Nordkirchener Dr. Markus Große Böckmann gehört zu den Gründern der erfolgreichen oculavis GmbH. © oculavis GmbH © oculavis GmbH

Einer der Gründer, Dr. Markus Große Böckmann, ist Nordkirchener. Große Böckmann stieg nach seinem Studium des Wirtschaftsingenieurwesens an der RWTH Aachen im Jahr 2009 als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT ein und machte dort eine Karriere bis zum Abteilungsleiter. Seit der Gründung 2016 hat die oculavis GmbH 16 Auszeichnungen erhalten, beschäftigt heute 60 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Umsatz von über 5 Millionen Euro. Tendenz steigend.

Wir haben Markus Große Böckmann zum Gründerpreis und auch zu seinen Nordkirchener Wurzeln befragt.

Sie haben schon viele Preise bekommen. Welchen Stellenwert hat der NRW-Gründerpreis für Sie und das Unternehmen?

Als bevölkerungsreichstes Bundesland bietet Nordrhein-Westfalen für Unternehmensgründungen optimale Bedingungen. Es gibt exzellente Universitäten von Münster über Dortmund bis nach Aachen. Sich in diesem Umfeld gegen etwa 200 andere Bewerber durchzusetzen, macht meine Mitgründer und mich stolz. Zudem ist NRW unsere Heimat. Jeder Preis legt seinen Fokus auf verschiedene Aspekte. Beim Deutschen Gründerpreis 2018 ging es zum Beispiel stark um uns Gründerpersönlichkeiten, beim NRW-Gründerpreis 2020 wurden auch Aspekte wie Mitarbeiterverantwortung, Umweltschutz und Diversität berücksichtigt. Beim europäischen Digitalpreis 2019 ging es maßgeblich um unsere Remote Service Software, mit der wir es produzierenden Unternehmen ermöglichen, Probleme an Maschinen und Anlagen aus der Ferne zu lösen. Jeder Preis ist also etwas Besonderes.

Sie haben Ihr Unternehmen jüngst bei einer Veranstaltung des Digitalcampus Nordkirchen vorgestellt. Wie finden Sie es, dass es solch eine Möglichkeit für Start-ups wie den Digitalcampus in Ihrer Heimatgemeinde Nordkirchen gibt?

Das begrüße ich absolut, da ich überzeugter Gründer bin. Jede Initiative, Personen zum Gründen zu bewegen, kann nur gut sein. Gleichzeitig ist es ein ambitioniertes Projekt, denn natürlich wohnen in Nordkirchen und den Orten drumherum nicht mehrere Millionen Menschen. Aber die Nähe zu Dortmund und Münster sowie die hervorragende Lebensqualität der Region bieten gute Rahmenbedingungen und daher Chancen für Gründer. Und der Digitalcampus hilft sicherlich, die passenden Gründergeister zu wecken!

Welche Tipps haben Sie für Start-ups aus Ihrer persönlichen Erfahrung? Welche Fehler sollten junge Menschen in dem Bereich nie machen?

Klein starten, groß denken! Ich persönlich hätte nicht mit einer „kleinen“ Idee gegründet und mir war von Anfang an klar, dass unsere Chancen wesentlich besser als 20 : 80 Prozent stehen, erfolgreich zu sein. Circa 80 Prozent neu gegründeter Start-Ups sind nicht erfolgreich. Wir haben unsere Idee ausführlich vorbereitet und alle wichtigen Aspekte der Start-Up-Gründung schrittweise gelernt, zum Beispiel bei Terminen in Gründerzentren, bei der IHK oder durch Gespräche mit erfahrenen Gründern. Neben einem guten Produkt ist die Abschätzung des Marktpotenzials absolut essenziell. Im Normalfall würde ich niemandem empfehlen rein produktorientiert zu gründen oder ein Produkt für einen zu kleinen Markt zu entwickeln. Das macht am Ende keinen Spaß.

Haben Sie noch Kontakt nach Nordkirchen? Wenn ja, in welcher Form?

Mein elterlicher Landwirtschaftsbetrieb in Berger wird mittlerweile von meinem älteren Bruder Georg geleitet und ist so etwas wie der zentrale Versammlungsort der gesamten Familie. Daher kommt übrigens auch mein Gründergeist. Daneben bin ich als begeisterter Fußballer jedes Jahr zur Fußball-Dorfmeisterschaft zugegen und hoffe irgendwann in meinem Leben, das Turnier mit meinem Team Bauwagen gewinnen zu können. Das ist wie unser Start-Up auch ein ambitioniertes Ziel angesichts unserer fußballerischen Fähigkeiten.

Über den Autor
Redaktion Selm
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Arndt Brede

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