Viele Menschen im Kreis Coesfeld riefen die 112 an, um ihre Carports räumen zu lassen. Doch die Feuerwehr ist dafür nicht zuständig. © Karim Laouari
Winterwetter

Notruf wegen Schnee: Viele Anrufer wollten Carport freigeräumt haben

Weil viele Menschen am Montag die Feuerwehr wegen Schnee auf ihren Carports anriefen, war die Leitstelle überlastet. Was man stattdessen tun kann, erklärt Kreisbrandmeister Christoph Nolte.

Viel Schnee ist am Wochenende im Münsterland runtergekommen, das hat offenbar auch bei vielen Menschen für Sorgenfalten wegen ihrer Carports, Garagen oder Flachdächer gesorgt. Hält der Carport, oder bricht er zusammen?

Etwa 100 Menschen hatten deshalb am Montag die Leitstelle der Feuerwehr im Kreis Coesfeld angerufen. „Das war so schlimm, dass wir teilweise behindert wurden bei der Abfrage von Notrufen“, sagt Kreisbrandmeister Christoph Nolte im Gespräch mit der Redaktion.

„Wir wollen ja gerne helfen“

Die Feuerwehr hatte deshalb am Montag über die Pressestelle des Kreises eine eindringliche Bitte herausgegeben: Menschen sollten bitte nicht wegen ihrer Carports die Feuerwehr alarmieren. Die Bitte ging dann auch an seine Feuerwehrkollegen selbst heraus. Einige Feuerwehren hätten nämlich aus Nettigkeit tatsächlich bei der Räumung der Carports geholfen und so dafür gesorgt, dass noch mehr Menschen angerufen hätten.

„Wir wollen ja gerne helfen“, sagt Nolte, aber das Freiräumen von privaten Carports gehöre nicht zu den Aufgaben der Feuerwehr. Und die Nettigkeit einiger Kollegen habe dann dazu geführt, dass das ganze aus dem Ruder gelaufen sei. Anders ist das zum Beispiel bei Firmengeländen, wo das Dach vom Einsturz bedroht ist, wegen der Schneemassen. Dazu hatte es am Montag zwei Anrufe gegeben, in einem Fall hatte das Dach auch tatsächlich unter den Schneemassen nachgeben müssen, erzählt Nolte.

„Keine Aufgabe der Feuerwehr“

Sein Kollege aus Nordkirchen, Tobias Heitkamp, pflichtet ihm bei: „Solche Aktionen sind keine originäre Aufgabe der Feuerwehr“, sagt er. Außerdem könne die Feuerwehr auch gar nicht unbedingt beurteilen, wie einsturzgefährdet ein Carport oder ein Dach sei. Abgesehen davon, „bei der Schneelast auf den Dächern, sollte niemand aufs Dach“, sagt Heitkamp. Er empfiehlt, lieber den Architekten zu rufen, zur Beurteilung der Einsturzgefahr, oder den Dachdecker zum Freiräumen.

Das schlägt auch Christoph Nolte vor. Er selbst habe seinen eigenen Carport in den Abendstunden freigeräumt. Das könne er aber auch nur empfehlen, wenn man die richtige Ausrüstung habe. In Lüdinghausen sei zum Beispiel eine Frau beim Räumen ihres Dachs gestürzt und hatte sich am Bein verletzt. Erst eine Stunde nach dem Unfall war sie gefunden worden – völlig unterkühlt.

Besser den Dachdecker rufen, statt sich selbst in Gefahr zu begeben

„Lieber nicht selber machen, dann besser einen Dachdeckerbetrieb rufen“, sagt Nolte. Die hätten im Moment tendenziell eher weniger zu tun und außerdem die richtige Ausrüstung, um sich selbst abzusichern. „Das kostet zwar etwas Geld, ist aber sicherer“, sagt der Kreisbrandmeister.

Und wie stellt man sonst fest, ob das eigene Carport einsturzgefährdet ist? Das Carport trage in der Regel 100 Kilo pro Quadratmeter, sagt Nolte, dann hätte man, wenn auf der gesamten Fläche 30 Zentimeter Schnee liegen, immer noch einen Puffer.

In Nordkirchen hat übrigens niemand die Feuerwehr wegen eines Carports informiert, sagt Tobias Heitkamp. Nur, wegen eines Schneeüberhangs auf einem Dach. Das sei aber kein Problem, so etwas könne man einfach absperren, auch mit eigenen Mitteln, damit niemand darunter hergeht. Heitkamp hat aber auch eine Bitte: Jetzt, wo es nach dem Schneechaos wieder etwas übersichtlicher werde, könne man in seiner Umgebung mal schauen, ob man einen Hydranten sieht und den dann freiräumen. Das spart der Feuerwehr dann im Ernstfall wichtige Zeit. Genauso, wie Anrufe, die nicht sein müssen.

Über die Autorin
Redakteurin
Ich bin neugierig. Auf Menschen und ihre Geschichten. Deshalb bin ich Journalistin geworden und habe zuvor Kulturwissenschaften, Journalistik und Soziologie studiert. Ich selbst bin Exil-Sauerländerin, Dortmund-Wohnerin und Münsterland-Kennenlernerin.
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Sabine Geschwinder

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