Das Feuerwehrgerätehaus in Südkirchen wird in Kürze modernisiert. © Marie Rademacher
Ortsentwicklung Südkirchen

Nordkirchen muss Viertelmillion zurückgeben: Mehrheit ist dennoch froh

Gewerbe und Wohnen auf dem Speditionsgelände Ormeloh ermöglichen: Dass das eine gute Idee ist, finden alle. Dennoch ging es hoch her im Bauausschuss - wegen der Feuerwehr und 250.000 Euro.

Die Spedition Ormeloh prägt seit 1946 Südkirchen. 2023 könnte damit Schluss sein – wegen eines fehlenden Nachfolgers. Was danach passiert mit dem Betriebsgelände an der Cappenberger Straße, haben Eigentümer und Gemeindeverwaltung überlegt und jetzt die örtlichen Politiker mit ins Boot geholt. Das geriet am Donnerstag (17. 6.) aber gleich in stürmische See. Am Ende gingen 250.000 Euro über Bord: ein Verlust, der aber nicht alle bekümmerte. Im Gegenteil.

Der Reihe nach: Im April hatte sich Bürgermeister Dietmar Bergmann (SPD) „hocherfreut“ gezeigt über eine Neuigkeit, die er damals gerne verbreitete: Die Gemeinde habe einen Zuschuss erhalten für den Umbau und die Erweiterung des Südkirchener Feuerwehrgerätehauses: besagte 250.000 Euro. Angesichts der zu erwartenden Gesamtkosten von 1,6 Millionen Euro eine willkommene Unterstützung. Wer Geld vom Land erhält, darf es allerdings nicht erst einmal auf die hohe Kante legen, sondern muss es zeitnah ausgeben. Danach sieht es seit Donnerstag aber nicht mehr aus. Und das hat mit der Spedition Ormeloh zu tun und einer neuen Idee, die CDU und FDP entwickelt haben.

Das Unternehmen, das einst mit der Beförderung von Milchprodukten aus der elterlichen Molkerei begonnen hatte, macht seit 1981 ausschließlich chemische Transporte. Im nationalen und internationalen Güterverkehr habe es sich stetig weiterentwickelt, teilt das Unternehmen auf seiner Homepage mit. Diese Veränderung zum Besseren soll auch nach dem Betriebsende weitergehen.

Am liebsten Wohnbauland schaffen

„Am liebsten“; sagte Bauamtsleiter Josef Klaas, würde der Eigentümer seine Gewerbefläche in eine Wohnbaufläche umwandeln. Das sei finanziell am verlockendsten. „Aber nicht möglich“ – wegen der anderen Gewerbetreibenden an der Cappenberger Straße, die weiter ihrer Arbeit nachgehen sollen. Wo gearbeitet wird, gebe es aber nun einmal Geräusche und Gerüche. Wenn auf der anderen Straßenseite ausschließlich Gebäude zum Wohnen entstünden, seien die Konflikte vorprogrammiert, zu Lasten der Betriebe. Daher hat Klaas zusammen mit Ormeloh eine gemischte Nutzung ersonnen und dem Ausschuss vorgestellt.

Entlang der Cappenberger Straße im Osten des Grundstücks sollen nicht störende Gewerbe-Unternehmen ihren Platz finden. Entlang der südlichen Grundstücksgrenze ebenfalls. Von diesen beiden Seiten und dem Feuerwehrgerätehaus ganz im Norden eingeschlossen entsteht Platz für Wohnhäuser, „ob Einfamilienhäuser, Doppelhäuser oder Mehrfamilienhäuser, ist noch völlig offen“. Ob das Gerätehaus an dieser Stelle modernisiert und erweitert wird oder möglicherweise an ganz anderer Stelle neu gebaut wird, „spielt dabei keine Rolle“, sagte Klaas zu Beginn der Sitzung. Zum Ende sah das anders aus.

Diesen Entwurf hat die Verwaltung vorgestellt. Auf dem bisherigen Speditionsgelände sollen Gebäude für Gewerbe- (blau) und Wohnzwecke (rot) entstehen. Violett: das bestehende Gerätehaus. © Gemeinde Nordkirchen © Gemeinde Nordkirchen

Das hat mit Markus Pieper (CDU) zu tun, seinen Parteifreunde und den Kollegen von der FDP. Die Entwurfsskizze der Verwaltung sei schon sehr gut, sagte Pieper. Er und seine Mitstreiter würden aber gerne die Feuerwehr auf dem verkehrsgünstigen Gelände belassen und ihr trotzdem einen Neubau ermöglichen – quer an der Cappenberger Straße. Die Vorteile: Die Wehr bliebe an ihrem Standort, der gute Ausrückzeiten garantiert. Und sie bekomme trotzdem ein neues Gebäude. Es bräuchte für die Bauzeit keine Übergangsbleibe gesucht werden, und auf dem Gelände des bestehenden Gerätehauses seien zusätzliche Wohnhäuser möglich. Gereon Stierl (SPD) sah das komplett anders.

„Ein Neubau wird teurer werden als ein Umbau“, sagte er mit Verweis auf die Verwaltung. Und die Realisierung werde erst nach 2023 möglich, nachdem die Spedition ihren Betrieb eingestellt haben wird – viel zu spät für die Förderung. „Wir werden das Geld zurückgeben müssen“; sagte Bürgermeister Dietmar Bergmann. Für die Option auf eine bessere Lösung nahm die Mehrheit das aber hin. Der Rest schüttelte den Kopf.

In einer ersten Fassung des Berichts hatten wir Gereon Stierl falsch zitiert.

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Sylvia vom Hofe

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