Elisabeth Gründken (l.) und Maike Freiberg aus dem Fachbereich "Unterstützte Kommunikation" haben das Projekt Kommunikationstafeln in Nordkirchen erarbeitet. © Marie Rademacher
Kinderheilstätte

Nordkirchen als Vorreiter: Das steckt hinter den neuen Tafeln im Ort

Neun bunte Tafeln mit Piktogrammen an unterschiedlichen Stellen in Nordkirchen sollen Gespräche für Menschen, die nicht sprechen können, erleichtern. Ein in Deutschland einzigartiges Projekt.

Matschen, Sandkasten, Seilbahn. Streiten, klettern, verstecken. Das sind alles Worte, die Kinder oft brauchen, wenn sie auf dem Spielplatz sind. Auch, wenn sie wegen einer Behinderung nicht unbedingt in der Lage sind, selbst zu sprechen oder für andere nicht so leicht zu verstehen sind. Auf etwa die Hälfte der Kinder, die in der Kinderheilstätte in Nordkirchen wohnen oder die auf die Maxi-Schule, trifft das zu.

An neun Stellen in der Gemeinde Nordkirchen stehen jetzt die Kommunikationstafeln.
An neun Stellen in der Gemeinde Nordkirchen stehen jetzt die Kommunikationstafeln. © Marie Rademacher © Marie Rademacher

Matschen, Sandkasten oder Seilbahn können diese Kinder auf dem Spielplatz der Kinderheilstätte jetzt aber auch ganz ohne Probleme sagen. Oder besser zeigen: Dort steht nämlich jetzt eine sogenannte Kommunikationstafel mit einfachen Symbolen. Durch das Zeigen darauf ist eine barrierefreie Kommunikation möglich.

An diesen Stellen stehen in Nordkirchen Kommunikationstafeln

  • Spielplatz am Sinnesgarten
  • Kindergarten am Sinnesgarten
  • Multisportanlage
  • Maxi-Schule
  • Steichelzoo
  • Wohnheim
  • Outdoor-Luftkissen
  • Caritas-Werkstätten
  • Ludwig-Becker-Platz

„Menschen, die keine eigene Lautsprache haben, haben trotzdem etwas zu sagen – und sie haben ein Recht darauf gehört zu werden. Es ist unsere Aufgabe, sie dabei zu unterstützen – und dazu braucht es überhaupt erst einmal ein Bewusstsein dafür, dass es andere Formen der Kommunikation gibt als das direkte verbale Gespräch“, erklärt Thomas Pliquett, der kaufmännische Direktor der Kinderheilstätte.

Symbole für den Grundstock einer jeden Unterhaltung

Das Projekt ist finanziert von dem Förderprogramm Inklusionscheck. Neben der Kinderheilstätte beteiligen sich auch die Caritas-Werkstätten und die Gemeinde Nordkirchen. Insgesamt neun Kommunikationstafeln stehen im Ort. Unter anderem auch am Ludwig-Becker-Platz. Dort sieht die Tafel aber natürlich ein bisschen anders aus als auf dem Spielplatz. „Da sind dann zum Beispiel Pommes drauf – oder ein Eis“, erklärt Elisabeth Gründken. Zusammen mit Maike Freiberg hat sie für den Fachbereich „Unterstütze Kommunikation“ der Kinderheilstätte das Projekt in der Gemeinde umgesetzt.

Ein Teil der Symbole ist auf allen Tafeln gleich, erklärt Maike Freiberg. Sie stehen für Worte, die den Grundstock jeder Unterhaltung bilden. Auch, dann, fertig, zusammen, mit, wann, warum – das sind Beispiele für diese Art von Worten. Zusätzlich gibt es dann immer noch Symbole, die genau auf die Örtlichkeiten abgestimmt sind, an denen die Tafeln stehen. Am Sportplatz der Kinderheilstätte ist so – na klar – ein Fußball auf der Tafel, am Streichezoo mussten Maike Freiberg und Elisabeth Gründken sich ein Symbol für „Eselspaziergang“ einfallen lassen. Eine kleine Herausforderung, wie die beiden lächelnd erzählen.

Zurückgreifen konnten sie bei der Gestaltung der Tafeln auf die so genannten Metacom-Symbole. Das sind bestimmte Bilder, die von der Grafikerin Annette Kitzinger entworfen wurden. Aus 10.000 Symbolen konnten die Expertinnen aus Nordkirchen für die neun Tafeln wählen und sie auch – wie im Fall der Eselwanderung – auch kombinieren.

Wichtiger Schritt auf dem Weg zur inklusiven Gemeinde

Die Tafeln sind jetzt für alle da – wie das öffentlich zugängliche Gelände der Kinderheilstätte ja auch. Bürgermeister Dietmar Bergmann könnte sich vorstellen, dass auch viele Menschen sie nutzen werden. Etwa Menschen, die einen Schlaganfall hatten, unter einer demenziellen Veränderung leiden oder noch nicht so lange in Deutschland leben und die Sprache nicht gut kennen können über die Tafeln problemlos kommunizieren. Sie seien ein weiterer, wichtiger Schritt auf dem Weg zur „inklusiven Gemeinde“, den Nordkirchen ja schon vor Jahren begonnen hat.

Freuen sich über die neuen Kommunikationstafeln in Nordkirchen: Bürgermeister Dietmar Bergmann (v.l.), Maxi-Schulleiter Julian Groß, Maike Freiberg und Elisabeth Gründken aus dem Fachbereich
Freuen sich über die neuen Kommunikationstafeln in Nordkirchen: Bürgermeister Dietmar Bergmann (v.l.), Maxi-Schulleiter Julian Groß, Maike Freiberg und Elisabeth Gründken aus dem Fachbereich „Unterstützte Kommunikation“ der Kinderheilstätte, kaufmännischer Direktor der Kinderheilstätte Thomas Pliquett und Bauamtsleiter Josef Klaas. © Marie Rademacher © Marie Rademacher

Mit den Tafeln ist sie jetzt sogar deutschlandweiter Vorreiter: In der Form gibt es die Kommunikationstafeln bisher nämlich nur hier, wie Maike Freiberg und Elisabeth Gründken bei der Entwicklung herausgefunden haben. „Es gibt zwar an einigen Stellen Spielplatz-Tafeln“, erklärt Maike Freiberg. Die Kommunikationshelfer auf den ganzen Ort auszuweiten – das macht Nordkirchen gerade einmalig.

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Ich mag Geschichten. Lieber als die historischen und fiktionalen sind mir dabei noch die aktuellen und echten. Deshalb bin ich seit 2009 im Lokaljournalismus zu Hause.
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Marie Rademacher

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