So sah es schon vor Monaten aus - der größte Teil des Schuttbergs auf dem Grundstück des ehemaligen Gasthauses Westermann ist verschwunden. Die UWG will jetzt nicht länger auf einen Baustart warten. © Karim Laouari (A)
Antrag

Neuer Versuch: UWG stellt konkrete Forderung für Haus Westermann

Die Stunde der Entscheidung über einen Neubau auf dem Westermann-Gelände in Nordkirchen rückt näher. In gut einer Woche sollen die Kommunalpolitiker über einen Antrag der UWG entscheiden.

Die Kritik lässt nichts an Deutlichkeit vermissen: „Der Investor hat es seit fünf Jahren nicht geschafft, einen konkreten Baubeginn zu nennen. Er hat es vielmehr geschafft, die Maßnahme über Jahre hinweg zu verzögern und uns so der Lächerlichkeit Preis zu geben“, heißt es in einem vom Fraktionsvorsitzenden Christian Lübbert unterschriebenen Antrag für die nächste Sitzung des Gemeinderates am Donnerstag, 24. Juni.

Doch die Wählergemeinschaft will es dabei nicht belassen. Sie stellt eine klare Forderung. Nicht zum ersten Mal will sie eine Rückabwicklung des Kaufvertrages erreichen. Bereits im vergangenen Sommer hatte sich die UWG dafür stark gemacht, „die Vereinbarungen mit dem Investor zu widerrufen“. Auch die Begründung ist ähnlich formuliert. Allerdings gibt es zur Situation im August 2020 zu der im Juni 2021 einen großen Unterschied.

„Die öffentlichen Mittel sind Anfang Oktober 2020 bewilligt worden“, sagt Jürgen Lunemann. Aus seiner Sicht hätte der Investor „unmittelbar danach mit dem Bau anfangen können“. Getan hat sich in den vergangenen Monaten allerdings auf dem Grundstück nicht wirklich etwas. Durchaus überraschend – vor allem mit Blick auf die lange Vorgeschichte. Bereits 2013 endete die Geschichte der Gaststätte Haus Westermann, nachdem sie seit 2009 nur noch für besondere Veranstaltungen geöffnet war.

Ende 2014 ließen sich rund 60 Bürger im Bürgerhaus über die Weiternutzung und Bebauung der Grundstücke von Haus „Westermann“ und „Wismann“ informieren. Architekt Thomas Buhl berichtete seinerzeit über seinen Plan, dort Pflegewohngruppen einzurichten und barrierefreie Wohnungen zu erstellen. Bis zur Unterzeichnung des Grundstücksvertrages zwischen Gemeinde und Thomas Buhl dauerte es allerdings bis zum Jahr 2018. „Schon damals bestanden Zweifel an dem Projekt“, so die UWG.

Je länger sich die Planung hinzog, desto deutlicher wurde die Kritik der UWG an den Plänen und vor allem am Investor. Neben den Gremien in der Gemeinde Nordkirchen beschäftigte sich auch Kreistagsmitglieder mit dem Thema. Natürlich ging es immer wieder um die Frage, warum das Projekt nicht vorankommt. Im vergangenen Jahr war eine Niederschrift einer Sitzung auf Kreisebene zu entnehmen, dass Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr eine „Untätigkeit oder Verzögerung durch Mitarbeiter des Kreises deutlich zurückgewiesen hat.“

Die grundsätzliche Situation änderte sich damit nicht. Investor und auch Gemeindeverwaltung verbreiteten wiederholt Optimismus, Kritik kam vornehmlich von der UWG. Jetzt will die Wählergemeinschaft mit Unterstützung anderer Parteien für einen Schlussstrich sorgen. „Die Verwaltung wird beauftragt, die Vereinbarungen unverzüglich mit dem Investor zu widerrufen und den Kaufvertrag ebenso unverzüglich rückabzuwickeln“, so der Antrag der UWG für die Ratssitzung.

Gesetzt den Fall, dass es dafür eine Mehrheit gibt, was passiert dann? „Es gibt Gedankenspiele“, sagt Jürgen Lunemann vielsagend – ohne viel konkreter zu werden. Die Möglichkeit, dass andere Interessenten mit einem anderen Konzept Interesse an dem Grundstück haben, dementiert der UWG-Kommunalpolitiker nicht. Für ihn und die UWG sei jedoch erstes Ziel, den Vertrag rückabzuwickeln, um das Heft des Handelns wieder in der eigenen Hand zu haben.

Die andere Option, dass der Investor von sich aus einen Schlussstrich zieht, scheint hingegen nicht im Raum zu stehen. Erst vor wenigen Tagen hatte Thomas Buhl im Gespräch mit unserer Redaktion den Baustart angekündigt – und zwar für den „Hochsommer“, voraussichtlich im August. Ob es dazu wirklich kommen kann, haben jetzt die Kommunalpolitiker in ihrer Hand. Die Entscheidung fällt allerdings im nichtöffentlichen Teil der Ratssitzung.

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Redaktion Selm
Journalist aus Leidenschaft, Familienmensch aus Überzeugung, Fan der Region. Als Schüler 1976 den ersten Text für die Ruhr Nachrichten geschrieben. Später als Redakteur Pendler zwischen Münsterland und Ruhrgebiet. Ohne das Ziel der Arbeit zu verändern: Die Menschen durch den Tag begleiten - aktuell und hintergründig, informativ und überraschend. Online und in der Zeitung.
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Thomas Aschwer

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