Ein Großaufgebot der Polizei war am 14. November am Tatort des Überfalls auf ein Ehepaar in der Selmer Altstadt. © Thomas Aschwer (A)
Raub in Selm

Mutmaßliche Altstadt-Räuber wandten bei weiterem Raub perfiden Trick an

Nachdem zwei Männer in der Selmer Altstadt einen brutalen Raub begingen, überfielen sie offenbar einen Juwelier in Celle. Die Methode, die sie dabei anwandten war besonders perfide.

Die Polizei beschrieb die Methode der beiden Männer, die im November 2019 in der Selmer Altstadt ein älteres Ehepaar in ihrer Wohnung überfielen, als besonders brutal. Die Täter gaben sich als Postboten aus, drangen so in das Haus ein, fesselten das Ehepaar und nahmen Geld im fünfstelligen Bereich an sich. Danach gelang ihnen die Flucht.

Die Polizei fahndete mit Phantombildern, der Fall wurde auch im Fernsehen bei „Aktenzeichen XY“ gezeigt. Seit der vergangenen Woche ist klar, dass die Polizei offenbar einen Ermittlungserfolg bei der Suche nach den beiden Tätern erzielen konnte. Bei den beiden Verdächtigen handelt es sich um ein Brüderpaar, das zum Tatzeitpunkt 34 und 36 Jahre alt war. Einer der beiden ist inzwischen tot.

Mit Rollstuhl ins Geschäft

Offenbar wandten die Brüder bei einem weiteren Überfall, zehn Monate nach dem in Selm, ebenfalls eine perfide Methode an, um sich zunächst Vertrauen zu erschleichen und dann zum Raub überzugehen: Der ältere Bruder, so jedenfalls ist der aktuelle Stand der Ermittlungen, wartete in seinem Auto, während sein jüngerer Bruder und ein weiterer Mann ein Juweliergeschäft im niedersächsischen Celle überfallen wollten.

Einer der beiden Räuber saß in einem Rollstuhl, als sie in den Laden kamen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die beiden Männer so besonders hilfsbedürftig und harmlos wirken wollten, wie Lars Janßen, Oberstaatsanwalt und Sprecher der Staatsanwaltschaft Lüneburg auf Anfrage unserer Redaktion sagt. In dem Geschäft befanden sich der Juwelier und seine Ehefrau, damals 72 und 71 Jahre alt.

Die Ehefrau gewürgt und gegrinst

Die Ehefrau hatte sich im Verkaufsraum aufgehalten, der Juwelier in hinteren Räumen des Geschäfts. Als er ein „Poltern“ und einen Schrei seiner Ehefrau hörte, sei er selbst in den Verkaufsraum gelaufen, beschreibt es der Juwelier später den Ermittlungsbehörden. Er habe seine Ehefrau hinter dem Tresen am Boden liegen sehen, über ihr habe einer der Täter gekniet und sie gewürgt. Dabei habe der Täter ihn angesehen und gegrinst. Der andere Räuber sei indes mit einer Waffe auf ihn zugelaufen.

Er habe seine Frau beschützen wollen und deshalb auf den Mann geschossen, der sie bedrohte, schildert es der Juwelier den Ermittlungsbehörden. Als dann der andere Täter mit einer Waffe auf ihn zugekommen sei, habe er erneut geschossen. Der Mann, der in den Überfall in Selm verstrickt gewesen sein soll, stirbt noch am Tatort. Ermittler finden später heraus, dass seine DNA mit Spuren vom Selmer Tatort übereinstimmt.

Sein Komplize stirbt später ebenfalls. In welchem Verhältnis er zu den beiden Brüdern steht, ist unklar. Auf jeden Fall seien sie nicht verwandt gewesen, sagt Lars Janßen. Die Ermittlungen gegen den Juwelier wegen Totschlags werden im Dezember 2020 eingestellt. „Nach dem Ergebnis der Ermittlungen geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass der Beschuldigte in Notwehr gehandelt hat und die Tat damit gerechtfertigt ist“, heißt es in der Begründung. Er habe das Leben von sich und seiner Ehefrau schützen wollen.

In Waltrop festgenommen

Der ältere Bruder, so vermuten es die Ermittler, machte sich nach dem gescheiterten Raub mit dem Fluchtauto über alle Berge. Er wird schließlich im November 2020 in einer Wohnung in Waltrop festgenommen und sitzt jetzt in Untersuchungshaft in Celle. Ob die drei Männer aus Waltrop stammten sei unklar, sie seien nirgendwo gemeldet gewesen, sagt Lars Janßen.

„Die Ermittlungen stehen unmittelbar vor dem Abschluss“, sagt Janßen zum Verfahren um den Überfall in Celle und den einzigen überlebenden mutmaßlichen Täter. „Wir prüfen gegenwärtig eine Anklageerhebung.“ Inwieweit der Mann in den Fall in Selm verstrickt ist, ist ebenfalls Gegenstand anderer Ermittlungen.

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Ich bin neugierig. Auf Menschen und ihre Geschichten. Deshalb bin ich Journalistin geworden und habe zuvor Kulturwissenschaften, Journalistik und Soziologie studiert. Ich selbst bin Exil-Sauerländerin, Dortmund-Wohnerin und Münsterland-Kennenlernerin.
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Sabine Geschwinder

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