Gedränge an einem Vogelhäuschen im Garten vom Hof Altcappenberg. Am großen Futterhaus, gefüllt mit Körnern und Sonnenblumenkernen, balgen sich Meisen, Finken und Spatzen um eine Mahlzeit. © Günther Goldstein
Tiere im Winter

Mit Mais und Haferflocken durch den Frost: So können wir Vögeln helfen

Wenn Frost herrscht und Schnee liegt finden Vögel noch weniger zu fressen. Doch ob wir Menschen den Federlingen wirklich durch die eisigen Tage helfen können, darin sind sich Experten uneinig.

Winter, Schnee und eisige Temperaturen. Wenn es für die coronageplagte Bevölkerung, müde der tristen grauen Tage, eine gelungene Abwechslung und Ablenkung gab, dann diese. Doch wie sieht das für die Tierwelt aus, insbesondere bei den heimischen Vögeln, die nicht in den Süden gezogen sind? Haben wir Menschen die Möglichkeit, den Amseln, Buchfinken, Blau- und Kohlmeisen, den Rotkehlchen, Eichelhähern, Elstern, Sperlingen und Zaunkönigen zu helfen? Sie jetzt mit Futter durch die eisigen Tage zu bringen? Darin sind sich die Vogelexperten nicht ganz einig.

Aktuell sind die Vögel schon in Frühlingslaune, bereiten sich auf die Balzzeit vor und zeigen sich zu zweit. Das wird nicht über die Temperatur, sondern über die Tageslänge geregelt. Sie bereiten sich langsam auf die Balzzeit vor. Aber: „Die Vögel, die hier leben, kommen überwiegend gut mit dem Wetter zurecht“, sagt der Selmer Vogelkundler Uwe Norra. „Sie sind alle auf diese Lebensbedingungen eingestellt und haben es nicht verlernt, mit diesem Wetter umzugehen.“ „Die Vogelwelt ist an die Winterwelt angepasst“, sagt auch Irmtraud Papke, Biologin und Leiterin des Biologischen Zentrums in Lüdinghausen, „sonst gäbe es die Vögel ja gar nicht mehr.“ Der Februar sei ja nach wie vor ein Wintermonat. „Schnee ist jetzt, mehr noch als im Dezember, ganz normal und war in der Vergangenheit sehr häufig.“

Im Getümmel in der oberen Etage fällt so manches zu Boden und findet auch dort noch genug Abnehmer. Was dort über Nacht liegen beibt findet das Interesse von Mäusen, die es mit ihrer feinen Nase aufspüren. © Günther Goldstein © Günther Goldstein

Die frostigen Temperaturen seien perfekt geeignet, Futterstellen anzubieten, so die Biologin. Aber, warnt sie, „bitte nicht nur einmal füttern, sondern wenn dann regelmäßig, sonst verbrauchen die Vögel auf der Suche nach der Futterstelle zu viel Energie. Und wenn die Brutsaison im April beginnt, bitte aufhören.“

Als Futter eignen sich Samen, Rosinen, Haferflocken und Fett, auf keinen Fall aber Brot oder Essensreste. „Damit kann man sie umbringen“, warnt Uwe Norra.

„Wenn es draußen friert und schneit, können wir den Vögeln zwar helfen, durch den Winter zu kommen“, schränkt Papke allerdings ein, „zum Artenschutz leistet diese Winterfütterung aber nur einen kleinen Beitrag.“ Die Arten, die zu den Futterstellen kommen, sind meist nicht direkt in ihrem Bestand bedroht. Für Kinder und Jugendliche sei das aber dennoch ein tolles Naturerlebnis.

Insektenmangel lässt Vögel sterben

Vogelkundler Uwe Norra sieht das etwas anders: „Jetzt plötzlich etwas zu tun, um zu helfen ist schlecht möglich“, sagt er. „Spontanaktionen sind nicht angebracht. Bei den Menschen funktioniert es ja auch nicht, spontan ein Restaurant zu eröffnen und zu hoffen, dass es gleich gut läuft.“ Es brauche Wochen und Monate, so Norra, bis Vögel neue Futterstellen gefunden haben. „Langfristige Maßnahmen, wie zum Beispiel naturnahe Gärten, sind viel wichtiger“, sagt Norra. Denn nicht die kalten Temperaturen, sondern der Insektenmangel, bereitet den Vögeln Schwierigkeiten, so dass sie das Jahr über zu wenig Nahrung finden. „Unter Vögeln gibt es sowieso ein ständiges Wegsterben“, sagt er. „Wir haben infolge des Insektenmangels einen Wahnsinns-Vogelschwund. Deswegen überleben sowieso nicht alle den Winter. Und jetzt sind es durch den Schnee eben ein paar mehr.“ Er rät dazu, um wenigstens die älteren durchzubringen, auch im Sommer zu füttern, so dass die wenigen Insekten für die Jungen bleiben, die sich ausschließlich davon ernähren.

Und auch Irmtraud Papke spricht noch eine Warnung aus: Bitte keine Vogelhäuschen aufstellen. Auch Vögel litten unter bestimmten Krankheiten. Wenn kranke Vögel dann in die Häuschen koten, vermische sich der Kot mit dem Futter und werde so an die anderen Vögel weitergegeben. Auf der Homepage des Biologischen Zentrums gibt es mehr Hintergrundwissen, Basteltipps und Rezeptideen für die Vogelfütterung.

Über die Autorin
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In und um Stuttgart aufgewachsen, in Mittelhessen Studienjahre verbracht und schließlich im Ruhrgebiet gestrandet treibt Kristina Gerstenmaier vor allem eine ausgeprägte Neugier. Im Lokalen wird die am besten befriedigt, findet sie.
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Kristina Gerstenmaier

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