Der Auenpark in Selm ist ein beliebtes Ausflugsziel - gerade in Lockdown-Zeiten. Doch das Zusammenleben ist nicht immer einfach. © Claeßen
Meinung

Maskenmuffel unter der Kuppel: „Bleib‘ zu Hause, wenn es dir nicht passt!“

Von wegen besinnlich: Kurz vor Weihnachten sorgten Lockdown und Corona-Regeln für aggressive Stimmung in Selm, wie unser Autor festgestellt hat. Gut, dass er selbst da anders ist - oder?

Jeder hat wohl seine eigene, persönliche Definition von 2020. Ich fand es ganz passend, dass sich just in meinem Urlaub ein Stapel Kartons derart auflöste, dass wir seinen Inhalt in unserem Alltagsleben unmöglich länger ignorieren konnten.

Glück im Unglück: Mein Schwiegervater hatte einen Hänger voll Sperrmüll. Ein bisschen Platz für unsere Kartons gab es noch, im Gegenzug übernahmen die schönste Frau der Welt und ich den Transport und die Entsorgung.

Also blieb ich trotz der unerwarteten Entrümpelungsaktion entspannt. Auch dann, als ein Kunde die Fahrspuren des Selmer Wertstoffhofes für eine Ideallinie hielt und sein Gespann mittig abstellte. Selbst als jener Fahrer in vier Metern Entfernung an unserem Fahrzeug vorbeilief und mich trotzdem anpöbeln musste, ob ich ihn wohl überfahren wolle, nahm ich das noch mit Humor. (Stellen Sie sich in dieser Situation einfach Patrick Swayze vor, wie er erklärt: „Das hier ist mein Tanzbereich, und das ist dein Tanzbereich.“)

Wenn schon Autos auf der anderen Straßenseite jemanden einengen – was muss dann erst das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes für diese Bevölkerungsgruppe bedeuten? Der Betroffene auf dem Wertstoffhof hatte beschlossen, das gar nicht erst herauszufinden und trug seine Maske konsequent unterm Kinn. Das brachte ihm vielleicht mehr Freiheit, sorgte im Gegenzug aber dafür, dass ich seinen bösen Blick irgendwie nicht ganz ernst nehmen konnte. Angesichts der Tatsache, dass wir uns beide mehrmals begegneten, während wir Bretter mit Nägeln in den Händen hielten, bin ich aber ganz froh, dass es zu keiner weiteren Interaktion gekommen ist.

„Du hast‘se nicht mehr alle am Christbaum!“

Mein Bedarf an Maskenmuffeln war für diesen Tag dennoch gedeckt. So gesehen war es eine ziemlich blöde Entscheidung, mit den Kindern den Spielplatz im Auenpark aufzusuchen. Denn während alle Eltern denken: „Die Kinder brauchen Bewegung, also ab an die frische Luft“, kommt der zweite Teil des Satzes: „Da wird viel los sein, auf jeden Fall nehmen wir für uns den Mund-Nasen-Schutz mit“ irgendwie nicht mehr bei jedem an.

Das führt mitunter zu skurrilen Situationen: Dreijährige schwingen sich unbeaufsichtigt auf ein mehrere Meter hohes Klettergerüst, während ihre Eltern sich abseits duellieren: „Wenn Sie keine Maske tragen, halten Sie sich bitte woanders auf!“ trifft auf „Bleib‘ doch zu Hause, wenn es dir nicht passt.“ (Ja, mir ist auch aufgefallen, dass sich die Maskenbefürworter in der Regel gewählter ausdrücken als die Gegner. Ich käme aber nie auf die Idee, daraus Rückschlüsse zu ziehen.)

Wenn ich früher eine meiner blitzgescheiten Ideen hatte, pflegte meine Mutter zu sagen: „Du hast’se doch nicht mehr alle am Christbaum!“ Exakt das dachte ich an diesem Tag unter der bunten Kuppel auf dem Rodelberg, als sich der Maskenmuffel von eben ein paar Meter weiter bei seiner Begleitung über die unverschämten Leute echauffiert: „Ich trage hier oben bestimmt keine Maske, glaub ma!“

Am besten bei sich selbst anfangen

Und während ich überlege, ob ich ihm was über Rücksichtnahme erzähle oder einfach nur erwähne, dass außerhalb des Spielplatzes keine Maskenpflicht gilt, erscheint die schönste Frau auf der Welt auf der Bildfläche: „Lass‘ uns nach Hause gehen, es ist zu voll hier. Wir sollten uns mehr an die Regeln halten.“

Ja, so ist das wohl: Man sollte am Besten bei sich selbst anfangen. Wobei, und das sage ich meiner Frau in diesem Moment dann auch: „Der Typ am Wertstoffhof hatte sie wirklich nicht alle.“ Sie seufzt. „Der trug eine Brille. Hätte er seine Maske aufgesetzt, wäre sie sofort beschlagen und er hätte gar nichts mehr gesehen.“ Vielleicht verstehen Sie ja, warum ich diese Frau geheiratet habe.

Ich wünsche Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, Frohe Weihnachten, alles Gute fürs neue Jahr. Bleiben sie gesund – und entspannt.

Über den Autor
Redaktion Lünen
Journalist, Vater, Ehemann. Möglicherweise sogar in dieser Reihenfolge. Eigentlich Chefreporter für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen. Trotzdem behält er auch gerne das Geschehen hinter den jeweiligen Ortsausgangsschildern im Blick - falls der Wahnsinn doch mal um sich greifen sollte.
Zur Autorenseite
Daniel Claeßen

Der neue Lokalsport-Newsletter für Dorsten

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Dorstener Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.