Marc Henrichmann (r.) entscheidet mit, wer die Nachfolge von Annegret Kramp-Karrenbauer als Bundesvorsitzender der CDU antritt. Henrichmann hat aktuell eine Tendenz, will jedoch vor einer Entscheidung die Meinung der Mitglieder einholen. Neben der Personalfrage beschäftigen den heimischen Bundestagsabgeordneten vor allem die Corona-Pandemie und ihre Folgen. © Thomas Aschwer
Keine Wahl

Marc Henrichmann: „Es wird der Corona-Impfstoff verimpft, der da ist“

Die Corona-Schutzimpfung wird für die Menschen im Kreis Coesfeld ein Stück weit zu einem Lotteriespiel. Sie haben keinen Einfluss darauf, wie stark ihr Infektionsrisiko gesenkt wird.

„Alle Impfstoffe haben Vor- und Nachteile“, sagte am Mittwoch (6.1.) der heimische CDU-Bundestagsabgeordnete Marc Henrichmann bei einem digitalen Jahrespressegespräch. Nach seiner Aussage werde der Impfstoff an die Impfzentren ausgeliefert, „der da ist.“ Das hat zur Folge, „dass die Menschen keinen Einfluss darauf haben, was verimpft wird.“ Henrichmann verglich diese Situation mit der Grippeschutzimpfung.

Aus Sicht des Bundestagsabgeordneten dürfte „die Skepsis gegenüber einer Impfung das größere Problem sein.“ Aus seiner Sicht sei es wichtig, „Vertrauen zu schaffen.“ Das dürfte bei Bürgern gerade mit Blick auf die unterschiedlichen Impfstoffe mal größer und mal kleiner sein. Verständlich. Astra-Zeneca hat beispielsweise mitgeteilt, dass das Infektionsrisiko um 62 Prozent gesenkt werden kann. Pfizer Biontech und Moderna kommen hingegen nach eigenen Angaben auf eine Wirksamkeit von rund 95 Prozent. Ein deutlicher Unterschied.

Ohne sich auf einen Hersteller festzulegen, sagt Marc Henrichmann, dass „die Produktionskapazitäten raufmüssen.“ Als Kritik an den bisherigen Grundsatzentscheidungen will er das nicht verstanden wissen. Im Gegenteil. „Ein europäischer Geist muss her.“ Allerdings räumt der Bundestagsabgeordnete ein, „dass ein nationaler Weg der schnellere gewesen wäre.“ Mehr noch. Weil bei der ersten Lieferung alle Bundesländer unabhängig von ihrer Einwohnerzahl die gleiche Menge Impfstoff bekommen haben, waren laut Henrichmann „kleinere Bundesländer im Vorteil“.

„Bei Frist zwischen den beiden Impfungen die Hersteller-Vorgaben beachten“

Jetzt setzt der Bundestagsabgeordnete, der seit 2011 auch Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Coesfeld ist, auf weitere Zulassungen und höhere Produktionsmengen. „Ich glaube, dass etwas passiert – im Sinne aller.“ Die Frist zwischen der ersten und zweiten Impfung ähnlich wie in England deutlich zu verlängern, ist für Henrichmann keine Option. „Die Hersteller geben eine Frist zwischen 21 und 42 Tagen an.“ Angesichts der Warnung von Ärzten sollten aus seiner Sicht diese Vorgaben eingehalten werden.

Marc Henrichmann treibt aber auch eine andere Sorge um: „Wenn alle Power in die Corona-Impfstoffproduktion gelegt wird, was passiert mit anderen Bereichen?“ Henrichmann erinnert daran, dass es bereits vor Corona bei zahlreichen Medikamenten Lieferschwierigkeiten gab. Diese Probleme könnten sich jetzt noch ausweiten.

Welchen Weg die Bundesrepublik in diesen und anderen Fragen in den nächsten Jahren einschlägt, möchte Henrichmann gerne auch in den nächsten Jahren mitgestalten. „Ich werde bis September nicht fertig.“ In einem Brief an die knapp 3000 Mitglieder im Kreis Coesfeld zu Weihnachten hat er deshalb erklärt, sich erneut um ein Bundestagsmandat zu bewerben. „Ich werde antreten“, sagte Henrichmann. Es sei zwar ein „sehr fordernder Job, der aber auch sehr viel Spaß macht.“

Marc Henrichmann will sich erneut um Bundestagsmandat bemühen

Wann die Personal-Entscheidung bei der CDU im Wahlkreis Coesfeld/Steinfurt II fällt, ist aktuell noch nicht entschieden. Nach der Kommunalwahl im vergangenen Jahr wollte die Partei nicht direkt in die Vorbereitungen des nächsten Wahlkampfes gehen.

Für das Frühjahr 2021 (Februar/März) sei die Aufstellung geplant. Die Entscheidung trifft das sogenannte 200er Gremium (Vertreter aus den Kreisen Coesfeld und Steinfurt). Unklar ist aktuell, ob Henrichmann als einziger Bewerber antritt. Fest steht hingegen, dass die nächste Bundestagswahl am 26. September 2021 stattfindet.

Bereits am Samstag (9.1.) geht es bei der CDU im Kreis Coesfeld um die Frage, wer neuer Bundesvorsitzender werden soll. Marc Henrichmann und fünf weitere Delegierte suchen dann bei einer Digitalveranstaltung das Gespräch mit den Mitgliedern. Deren Meinung und die Tagesform der drei Bewerber beim Bundesparteitag sollen Grundlage für seine Entscheidung sein. „Ich habe eine Tendenz“, sagt Henrichmann. Sagt sie aber nicht.

Über den Autor
Redaktion Selm
Journalist aus Leidenschaft, Familienmensch aus Überzeugung, Fan der Region. Als Schüler 1976 den ersten Text für die Ruhr Nachrichten geschrieben. Später als Redakteur Pendler zwischen Münsterland und Ruhrgebiet. Ohne das Ziel der Arbeit zu verändern: Die Menschen durch den Tag begleiten - aktuell und hintergründig, informativ und überraschend. Online und in der Zeitung.
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Thomas Aschwer

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