Am späten Sonntagnachmittag bei einem ungewöhnlichen Einsatz in der Selmer Altstadt: die Freiwillige Feuerwehr Selm.. © Jura Weitzel
Winterwetter

Lebensgefahr von der Dachrinne: Feuerwehr im Einsatz in Selm

Die Freiwillige Feuerwehr Selm ist am frühen Sonntagabend zu einem ungewöhnlichen Einsatz ausgerückt. Von der Dachkante eines Hauses in der Altstadt drohte Lebensgefahr. Kein Einzelfall.

Schön sind sie nur auf dem ersten Blick: die langen, spitzen Eiszapfen, in denen sich das Licht der Wintersonne bricht. Wer genauer hinschaut, erkennt: Von den bizarren Eiszapfen geht auch Gefahr aus. Wenn sie aus großer Höhe herabfallen, können sie zu tödlichen Geschossen werden. Eine Gefahr, die oft übersehen wird – nicht so in der Ludgeristraße in Selm.

Dort hatten sich beachtlich große Eisspitzen am Dach eines zweieinhalbgeschossigen Hauses gebildet – direkt an einer Bushaltestelle. Wer dort im Dunkeln auf den Bus wartet, ahnt nicht einmal, was ihm von oben droht: eine Gefahr, die die Feuerwehr rechtzeitig beseitigt hat – mit besonderer technischer Unterstützung.

Kaum waren die Einsatzkräfte am frühen Abend vor Ort eingetroffen, forderten sie die Drehleiter an. Aus deren Arbeitskorb heraus ließen sich die Eiszapfen abbrechen. Der Straßenbereich unter der Drehleiter war so lange abgesperrt. „Eigentlich“, sagt Thomas Isermann, der Chef der Feuerwehr, „ist so etwas nicht unsere Aufgabe“. Wer zuständig ist, hat die Stadt Selm in der „Ordnungsbehördliche Verordnung über die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung auf Verkehrsflächen und in Anlagen“ genau geregelt.

Eigentümer sind in der Pflicht

Unter Paragraf 13 ist nicht nur zu lesen, dass Blumentöpfe und Balkonkästen so zu sichern sind, dass sie nicht herabstürzen können. Außerdem steht dort auch wörtlich: „Schneeüberhang und Eiszapfen an Gebäuden, insbesondere an Dachrinnen, sind von den Gebäudeeigentümern oder den Inhabern der tatsächlichen Gewalt oder Sachherrschaft zu entfernen, wenn Personen oder Sachen dadurch gefährdet werden können.“ Mit anderen Worten: Der Eigentümer ist in der Pflicht, es sei denn, er hat die Zuständigkeit an die Mieter übertragen. Verstöße gegen die Vorschriften dieser Verordnung können mit einer Geldbuße von bis zu 2.000 Euro geahndet werden.

So lange die Eiszapfen klein sind, sei das Entfernen in der Regel kein Problem, sagt Thomas Isermann: „Einfach einen Besen aus dem Fenster reichen und abmachen.“ Wichtig aber: „Vorher gucken, dass niemand unten hergeht.“

Es war bereits der zweite Eiszapfen-Einsatz der Feuerwehr, nach dem Wintereinbruch vor einer Woche. Und es wird wohl nicht der letzte bleiben. Das einsetzende Tauwetter sorgt dafür, dass Schnee langsam schmilzt. Gleichzeitig ist weiter mit Frost zu rechnen. Die eisige Gefahr droht nicht nur von oben. Der Deutsche Wetterdienst warnt zum Start in die neue Woche vor eisglatten Straßen.

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Leiterin des Medienhauses Lünen
Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
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Sylvia vom Hofe

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