Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr hat nach der Impfaktion eingeräumt, dass das Vorgehen am vergangenen Wochenende nicht alternativlos war. © Thomas Aschwer (A)

Landrat nach Impfaktion: „Das darf sich kein zweites Mal ereignen“

Der Kreis Coesfeld weicht von seiner bisherigen (Abwehr-)Haltung zur „Sonderimpfaktion“ ein Stück weit ab. Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr räumt ein, dass es doch Alternativen gab.

Die Haltung des Kreises Coesfeld war nach einer „Sonderimpfaktion“ am vergangenen Wochenende trotz aller Proteste gleich: Ja, es gab und gibt Verständnis für den Unmut der Menschen, die laut Priorisierungsliste hätten geimpft werden können. Nein, es gab keinen anderen Weg.

Doch jetzt rückt Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr in seinem Wochenrückblick auf Facebook ein Stück weit von dieser stark abwehrenden und verteidigenden Position ab.

Wörtlich sagt der Landrat in dem Rückblick: „In der Nachschau ist man immer schlauer.“ Schulze Pellengahr hält auch nicht länger an der bislang vertretenen Position des Kreises fest, dass die Entscheidungen am vergangenen Wochenende alternativlos waren. Vielmehr sagt er jetzt: „Man hätte natürlich auch anders verfahren können.“ Dabei räumt er auch ein, dass die von uns geschilderten Situationen von enttäuschten Bürgern nicht wenige Einzelfälle waren. Vielmehr sei Unmut „über viele E-Mails und sonstige Kontakte“ artikuliert worden.

Der Kreis habe darauf reagiert. Der Kreis habe die Situation mit den Verantwortlichen rekapituliert. Dabei sei ihnen deutlich gemacht worden, dass sich „das kein zweites Mal ereignen darf.“ Aus Sicht des Landrates müsse „man sicherlich noch sorgfältiger vorbereitet sein.“ Gleichzeitig äußert Schulze Pellengahr „ein Stück weit Verständnis für diejenigen, die in der Situation Entscheidungen treffen mussten.“ Allerdings sei es „natürlich wichtig, dass alle möglichst gerecht bedient werden.“

Mit der Einordnung des Landrats scheinen längst nicht alle Probleme gelöst

Ob sich mit dieser Einordnung des Landrates die Situation ein Stück weit beruhigt, müssen die nächsten Tage zeigen. Fakt bleibt aber weiter, dass Impfzentren offensichtlich weiter die gesetzlichen Vorgaben auslegen und somit bei gleichen Voraussetzungen impfen – oder auch nicht. So meldete sich erst am Freitag ein Dülmener bei uns, der als Kontaktperson seiner krebsleidenden Mutter Mitte Mai als nicht impfberechtigt abgewiesen worden ist.

Wie auch in einem Olfener Fall wurde ihm mitgeteilt, dass er ein Schreiben von der Pflegekasse mit Einstufung des Pflegegrades brauchen würde. Seine Mutter sei aber nicht pflegebedürftig, weil sie alt ist oder eine Behinderung hat. „Sie hat Krebs und wird behandelt“, schreibt der Dülmener, der nicht namentlich genannt werden möchte. Der Mann weist auf eine weitere Parallelität hin. Sein Bruder sei – bei gleichen persönlichen Rahmenbedingungen – in Warendorf als Kontaktperson der alleinstehenden Mutter geimpft worden. Einmal mehr zeigt sich damit, dass die Vorgaben bei der aktuell noch geltenden Impfpriorisierung unterschiedlich ausgelegt werden können.

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Redaktion Selm
Journalist aus Leidenschaft, Familienmensch aus Überzeugung, Fan der Region. Als Schüler 1976 den ersten Text für die Ruhr Nachrichten geschrieben. Später als Redakteur Pendler zwischen Münsterland und Ruhrgebiet. Ohne das Ziel der Arbeit zu verändern: Die Menschen durch den Tag begleiten - aktuell und hintergründig, informativ und überraschend. Online und in der Zeitung.
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Thomas Aschwer

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