Mathilde Opsölder wird am Sonntag 100 Jahre alt. © Marie Rademacher

Kneipen-Chefin mit Koch-Leidenschaft: Mathilde Opsölder wird 100

Ob vom Marktstand oder der Theke ihrer Gaststätte in der Altstadt: Mathilde Opsölder ist ein bekanntes Gesicht in Selm. Am Sonntag feiert sie ihren 100. Geburtstag.

Das Lächeln von Mathilde Opsölder kennen wahrscheinlich noch viele Menschen in Selm: Viele Jahre lang hat sie es auf dem Markt am Fischstand gezeigt, den sie zusammen mit ihrem Mann Hans betrieben hat. Oder hinter der Theke ihrer Gaststätte auf der Ludgeristraße. Am Sonntag (14. März) wird die Selmerin 100 Jahre alt – und zeigt ihr Lächeln mittlerweile im Altenwohnhaus St. Mauritius in Nordkirchen, dort wohnt sie seit September 2020.

Hinter ihr liegt ein bewegtes Leben. Ihr erster Mann, so erzählt sie, ist im Krieg gefallen. Lange galt er als verschollen, erst nach sechs Jahren hatte Mathilde Opsölder (geborene Kersting) – damals eine junge Frau in ihren Zwanzigern – Gewissheit, dass er nie wieder nach Hause zurückkommen wird. Noch immer steht ein Foto von ihm auf der Kommode in ihrem Zimmer.

Leidenschaft fürs Kochen

Aber das Leben musste damals – mitten in der Nachkriegszeit – weitergehen. Und Mathilde Opsölder fand noch einmal Liebe: Sie heiratete Hans Opsölder, der in Selm ein Fischgeschäft betrieb. Aus diesem Fischgeschäft wurde bald eine Kneipe – „zu Fisch“, so sagte man, ging man dann abends, um ein Bierchen zu trinken. Oder um etwas zu essen.

Denn kochen – das konnte Mathilde Opsölder immer besonders gut. Ob Kohlrouladen oder Königsberger Klopse: Für die Gäste in der Wirtschaft, für ganze Hochzeitsgesellschaften und vor allem natürlich für ihre Familie hat sie ihr Leben lang mit Leidenschaft gekocht.

Mittlerweile geht das natürlich nicht mehr: Im Altenwohnhaus ist sie es jetzt, die bekocht wird. Eine ganz tolle Einrichtung sei das, betont Ilona Overtheil, die Tochter von Mathilde Opsölder. Ihre Mutter hat dort auch mit 100 Jahren noch viel zu tun, wie sie oft bei ihren Anrufen merke. „Ich kann jetzt nicht, ich muss zum Bingo“, sage sie regelmäßig.

Vier Enkelkinder und sechs Urenkel

Im Zimmer der Seniorin hängt auch ein Kalender mit dem ganzen Stolz der Oma: Fotos von den vier Enkelkindern und sechs Urenkeln sind darauf. Ihre zwei Kinder – ein Mädchen und ein Junge – musste Mathilde Opsölder ziemlich früh alleine versorgen: Ihr Mann starb im Jahr 1964 viel zu früh an einem Herzinfarkt.

Gerade erst hatten die beiden da die Gaststätte aufgemacht, die Mathilde Opsölder dann in den nächsten Jahren alleine führte. „Mutter“ nannten alle Kunden sie. „Frau Opsölder hat da nie einer gesagt“, erinnert sich Tochter Ilona Overtheil. Die Selmer Jugend sei in der Kneipe ein- und ausgegangen, es gab eine Theken-Fußballmannschaft, Hochzeiten – es war immer etwas los.

1977 hat Mathilde Opsölder die Kneipe dann geschlossen und ist seitdem Rentnerin. Immer noch hat sie danach die Familie gerne um sich versammelt – und gut gekocht. Zu ihrem Ehrentag am Sonntag kommt die Familie auch wieder zusammen – wenn auch coronabedingt zeitversetzt in kleinen Gruppen und mit Abstand. Viel Grund zu lächeln gibt es dabei für die Mutter, Oma und Uroma sicherlich.

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Ich mag Geschichten. Lieber als die historischen und fiktionalen sind mir dabei noch die aktuellen und echten. Deshalb bin ich seit 2009 im Lokaljournalismus zu Hause.
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Marie Rademacher