Tiny Häuser sind aktuell im Trend. In Südkirchen ist aber eine besondere Ausrichtung geplant, die kleinen Häuser werden auf kleinen Grundstücken fest gebaut und sind nicht mobil. © picture alliance /dpa
Neue Konzepte

Kleines Wohnen auf kleinen Grundstücken kommt in Südkirchen groß heraus

Die Gemeinde Nordkirchen sieht sich in der Vorreiterrolle bei der Umsetzung neuer Wohnformen. Sie will kleine Häuser auf kleinen Grundstücken etablieren. Die Nachfrage? Größer als erwartet!

Wer durch Neubaugebiete im Münsterland fährt, sieht ganz viele Einfamilienhäuser. So unterschiedlich sie in der Form und bei der Materialauswahl auch sind, im Grundkonzept sind sie ähnlich. Küche, Ess- und Wohnzimmer und ein Gäste-WC sind im Erdgeschoss Standard. Dazu kommen teilweise ein Vorrats-/Hauswirtschaftsraum und vielleicht noch ein kleines Büro. Das Obergeschoss ist meist für Schlafzimmer und das Bad reserviert. Meist recht viel Platz für Eltern und Kinder.

„Die Wohnfläche pro Person ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, von knapp 35 Quadratmeter in 1990 auf aktuell rund 50 Quadratmeter“, sagt Architektin Tanja Werner vom Büro Leistungsphase, Nordkirchen. Aus ihrer Sicht verlangen veränderte Biografien aber auch in Nordkirchen andere Wohnformen.

Eine Aussage, die eine Umfrage des Architekturbüros Steinhoff (Capelle) zu bestätigen scheint. Das Büro hat einen eigens entwickelten Fragebogen in einer Auflage von 30.000 in der Region verteilt. Die knapp 300 Rückmeldungen wertet Lothar Steinhoff als „gute Quote“. Die größte Gruppe war dabei die der 45- bis 55-Jährigen. „Aber es waren auch viele junge Leute dabei“, sagt Steinhoff bei der Präsentation der Lösungsansätze im Nordkirchener Rat. Dabei hat er sich natürlich an den Vorstellungen der Menschen orientiert.

„Die Menschen wollen ihr Fahrzeug gerne am Haus stehen haben“

„Alle wollen einen eigenen Garten und keine Gemeinschaftsfläche“, berichtet Steinhoff von einer klaren Tendenz, die andere Antworten stützen. An einer gemeinschaftlichen Nutzung von zentralen Räumen beispielsweise für Waschmaschinen hatten die Teilnehmer der Befragung ebenso wenig Interesse wie an einer zentralen Abstellfläche für Autos. „Die Menschen wollen ihr Fahrzeug gerne am Haus stehen haben.“

Entsprechend sieht das von Steinhoff und weiteren Partnern aus der Region entwickelte Konzept für die rund 3000 Quadratmeter große Fläche in Südkirchen aus. Viele Mini-Häuser verfügen über ein eigenes Carport, dazu gibt es eine weitere Parkfläche direkt vor dem Haus. Steinhoff hat wie Tanja Werner verschiedene Haustypen entwickelt, die sich in der Wohnfläche (zwischen 55 und 80 Quadratmeter) und der Geschosszahl (ein- oder zweigeschossig) klar unterscheiden.

Das Büro Steinhoff setzt bei flexiblen Grundrissen auf eine offene und helle Bauweise mit einer klaren Sonnenausrichtung. Beim größeren Haus beträgt die Grundstücksfläche 260 Quadratmeter und die bebaute Fläche 105 Quadratmeter. Die Kosten belaufen sich nach Abzug von Fördergeldern auf deutlich über 200.000 Euro. Zum Gesamtkonzept der kleinen Siedlung gehört auch eine eigene Wohn-App, um Alltagsfragen schnell und einfach abstimmen zu können. Ein weiteres Thema ist ein nachhaltiges Lieferdienstkonzept.

Grünfläche mitten im Gebiet als Ort der Begegnung für Jung und Alt

Auf sehr individuelle Architektur setzt das Büro Leistungsphase, das zwei ganz unterschiedliche Lösungsansätze bietet. Auf 250 Quadratmeter großen Grundstücken schlägt das Büro maximal 5 Meter breite und bis zu 19 Meter lange eingeschossige Gebäude vor. Soll das Gebäude ein zweites Obergeschoss bekommen, muss es – so der Planentwurf – kürzer werden. Das Büro begründet diesen Ansatz vornehmlich auch mit der Verschattung des Nachbargrundstückes.

Beim zweiten Vorschlag des Büros Leistungsphase „leben alle unter einem Dach“. Es handelt sich also um ein recht langes Gebäude, das ein durchgehendes Dach hat. Zu realisieren sei eine derartige Lösung vornehmlich durch ein Investorenmodell. Das Büro kann sich bei diesem Konzept vorstellen, dass die einzelnen Wohnungen nicht gleich breit sind, sondern dass nach individuellen Wünschen Wohnungsbreiten möglich sind. Die Preise beginnen bei diesen Konzepten ab rund 130.000 Euro (inklusive Grundstück).

Während bei beiden Lösungsansätzen eine gemeinsame Energieversorgung eher nicht angestrebt wird, stellt sich das Büro Leistungsphase eine gemeinsame Abstellfläche für Autos vor. Zudem soll die im Plan vorgesehene Grünfläche vom Rand in die Mitte geschoben werden, um hier Begegnung von Jung und Alt zu ermöglichen. Welches vorgelegte Konzept in Südkirchen umgesetzt wird oder ob es einen Mix aus beiden Ansätzen geben wird, ist noch nicht entschieden. Die Fraktionen beraten zunächst intern die Vorschläge.

Gemeinde möchte ein „Gebiet aus einem Guss“

Fest steht aber, dass es trotz des großen Interesses bei den sechs freigestellten Grundstücken bleibt. Auf dieser Fläche können dann bis zu 12 kleine Häuser errichtet werden. Die Begeisterung ist nicht nur bei den rund 30 Personen groß, die sich bei der Gemeinde gemeldet hatten. Von den Ratsmitgliedern gab es viel Lob für die Entwürfe. Sie können sich gut vorstellen, kleine Häuser auch in weiteren Baugebieten möglich zu machen. „Die Büros haben sich sehr viele Gedanken gemacht“, sagt auch Bürgermeister Dietmar Bergmann.

„Wir sind von der Nachfrage überrascht“, räumt Josef Klaas ein. Der Allgemeine Vertreter des Bürgermeisters berichtete von Gesprächen mit Hochschulen in Bochum und Dortmund sowie auf Messen. Zugleich formulierte er einen Anspruch bei der Umsetzung: „Wir wollen ein Gebiet aus einem Guss.“ Dazu gehöre auch, dass die künftigen Besitzer der kleinen Häuser nicht in einem zweiten Schritt weitere Hütten auf ihren Grundstücken errichten, weil der Platz dann doch nicht ausreicht.

Über den Autor
Redaktion Selm
Journalist aus Leidenschaft, Familienmensch aus Überzeugung, Fan der Region. Als Schüler 1976 den ersten Text für die Ruhr Nachrichten geschrieben. Später als Redakteur Pendler zwischen Münsterland und Ruhrgebiet. Ohne das Ziel der Arbeit zu verändern: Die Menschen durch den Tag begleiten - aktuell und hintergründig, informativ und überraschend. Online und in der Zeitung.
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Thomas Aschwer

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