Auf der Lüdinghauser Straße wird der Schnee verladen und abtransportiert. © Heidi Tripp
Service

Kein Platz mehr – Gemeinde fährt aus einigen Straßen Schnee heraus

Beim Kampf gegen riesige Schneemassen gibt es in der Gemeinde Nordkirchen noch eine Möglichkeit, die in anderen Städten und Gemeinden verboten ist. Gern gesehen ist die Option aber nicht.

Der Einsatz von Streusalz gegen Schnee und Glätte sollte verboten werden, forderte eine Nordkirchener Bürgerin von der Verwaltung. Doch der Antrag scheiterte Ende 2019 an der CDU, sie sprach sich gegen ein Salzverbot aus. Ihre Meinung: Lieber sollte die Verwaltung auf die schädliche Wirkung von Streusalz aufmerksam machen.

Entsprechend sind die Regeln in Nordkirchen, die entsprechende Satzung enthält kein Salzverbot. Vielmehr heißt es darin: „Die Gehwege sind in einer für den Fußgänger erforderlichen Breite von Schnee freizuhalten. Bei Eis- und Schneeglätte sind die Gehwege sowie die für den Fußgängerverkehr notwendigen Übergänge mit abstumpfenden oder auftauenden Stoffen zu

bestreuen.“ Allerdings gibt es auch Einschränkungen: „Baumscheiben und begrünte Flächen dürfen nicht mit Salz bestreut, salzhaltiger Schnee darf auf ihnen nicht abgelagert werden.“

Gemeindeverwaltung registriert „Vielzahl von Reklamationen“

Dass Vorgaben die eine Sache und das Handeln der Bürger eine andere Sache sein kann, wurde auch in Nordkirchen am Wochenende deutlich. Die Folgen sind unübersehbar: „Wer am Sonntag nichts gemacht hat, hat heute ein größeres Problem“, sagt Josef Klaas. Gleichzeitig berichtet der allgemeine Vertreter des Bürgermeisters von einer „Vielzahl von Reklamationen“.

Hauptgründe der vielen Anrufe sind: Straßen in Baugebieten sind noch nicht geräumt und Hauseinfahrten vor denen wieder Schnee liegt. Das lasse sich aber nicht vermeiden, wenn Schnee von der Straße geschoben wird, erläutert Klaas. Er macht im Gespräch mit der Redaktion deutlich, dass hier die Bürger wieder selbst aktiv werden müssen. Die Gemeinde könne es nicht leisten.

Sie kommt ohnehin beim andauernden Schneefall kaum nach, vor allem auch deshalb, weil sie selbst nur über zwei große Schneeschilde verfügt. Dazu kommen Anbaugeräte für kleinere Fahrzeuge. Sie hat in dieser ungewöhnlichen Situation zwei Unternehmen in Südkirchen und Capelle beauftragt, um der Schneemassen Herr zu werden.

Wie ungewöhnlich die Situation in diesem Winter ist, zeigt auch eine andere Tatsache. Die Gemeinde hat nach Aussage von Josef Klaas damit begonnen, aus einzelnen Straße Schnee herauszufahren, damit die Menschen wieder mit ihren Autos aus dem Bereich herauskommen und später auch wieder ihr Grundstück mit ihrem Fahrzeug erreichen können. „Diesen Service können wir aber nicht überall anbieten“, sagt Klaas.

Kein Schnee und Eis vom eigenen Grundstück auf den Gehweg oder die Fahrbahn

Der allgemeine Vertreter des Bürgermeisters erinnert an die Satzung und die damit verbundenen Aufgaben für die Bürger. Dazu gehört:

  • Der Schnee ist auf dem an die Fahrbahn grenzenden Teil des Gehweges oder – wo dieses nicht möglich ist, auf dem Fahrbahnrand so zu lagern, dass der Fahr- und Fußgängerverkehr hierdurch nicht mehr als unvermeidbar gefährdet oder behindert wird.
  • Die Einläufe in Entwässerungsanlagen und die Hydranten sind von Eis und Schnee frei zu halten
  • Schnee und Eis von Grundstücken dürfen nicht auf den Gehweg und die Fahrbahn geschafft werden.
  • Bei Straßeneinmündungen oder -kreuzungen haben die Anlieger bis zur Fahrbahnmitte für die Fußgänger Überwege zu schaffen.
Der Blick ins Altendorf zeigt eine tiefverschneite Fahrbahn. Kaum noch zu erkennen sind die Leitpfosten, dies ist besonders gefährlich, da die Straße von tiefen Gräben gesäumt wird.
Der Blick ins Altendorf zeigt eine tiefverschneite Fahrbahn. Kaum noch zu erkennen sind die Leitpfosten, dies ist besonders gefährlich, da die Straße von tiefen Gräben gesäumt wird. © Heidi Tripp © Heidi Tripp

Wie ungewöhnlich schwierig die Situation aber aktuell ist, wird gerade im Ortskern sehr deutlich. Hier haben viele Häuser keine Vorgärten, so dass die Lagerung der Schneemassen zu einem echten Problem wird. Doch es gibt nicht nur Probleme und Herausforderungen in diesem ungewöhnlichen Winter. Auf der Lüdinghauser Straße konnte ein Bürger beobachtet werden, der mit seinen Langlaufskiern unterwegs war – und bei dichter Schneedecke schneller unterwegs war als manch motorisierter Verkehrsteilnehmer.

Über den Autor
Redaktion Selm
Journalist aus Leidenschaft, Familienmensch aus Überzeugung, Fan der Region. Als Schüler 1976 den ersten Text für die Ruhr Nachrichten geschrieben. Später als Redakteur Pendler zwischen Münsterland und Ruhrgebiet. Ohne das Ziel der Arbeit zu verändern: Die Menschen durch den Tag begleiten - aktuell und hintergründig, informativ und überraschend. Online und in der Zeitung.
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Thomas Aschwer

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