Ein Bild aus dem Jahr 1922: So haben die Olfener damals Karneval gefeiert. © Repro Rademacher
Ein bisschen Karneval

Jahre ohne Nelkendienstagsumzug in Olfen: Ein Rückblick

Als besonderes Jahr wird 2021 in die Olfener Geschichte eingehen. Als eines der wenigen Jahre, in dem es in der Karenvalshochburg des Münsterlandes keinen Nelkendienstagsumzug gegeben hat.

Bürgermeister Homann lag im Jahr 1834 ziemlich daneben, als er schrieb: „Die Lustbarkeiten, welche jetzt mit weniger Rohheit als früher gehalten werden, aber keineswegs immer geregelte und anständige sind, haben überhaupt in neuester Zeit weit weniger Teilnehmer gefunden und werden bei dem jetzigen besseren Unterrichtswesen mit der Zeit wohl auch noch mehr abnehmen.“

Der Karneval auf dem absteigenden Ast? In Olfen? Trotz dieser aus heutiger Sicht offensichtlichen Fehleinschätzung sprach er sich in dem Schreiben dafür aus, den Karneval in Olfen weiter zu erlauben und auch einer Art Institutionalisierung zuzustimmen.

Denn: „Es scheint mir jedoch eine gänzliche Unterdrückung nicht ratsam, weil noch viel Hang zu denselben vorhanden ist und die Fastnachtslustbarkeiten für die ältere Klasse der Ackers- und Handwerksleute, welche die sonst gewöhnlichen Tanzlustbarkeiten der jungen Leute nicht mehr besuchen, fast als einzige Erholung zu betrachten sind, umso mehr, da wegen der Abschaffung der Gebehochzeiten dieser selten Gelegenheit zu Vergnügungen sich darbietet“, schrieb Homann 1834 – im Gründungsjahr des Kitt – in einem Schriftwechsel mit dem Regierungspräsidenten.

Gelegenheiten, sich zu vergnügen, gibt es in diesem Jahr – mitten in der Coronakrise – ebenfalls weniger. Und sogar der Karneval fällt mehr oder weniger weg. Zwar plant der Kitt mehrere Online-Veranstaltungen mit viel Programm – das ist aber dennoch natürlich nicht das gleiche wie die Partys im Festzelt oder der Straßenkarneval. Da ist in diesem Jahr alles abgesagt – und es macht die Session 2020/2021 zu einer ziemlich besonderen in der Geschichte der Olfener Karnevalstradition. Denn wirklich nur bei extremen Ereignissen ist das in der Historie vorgekommen. Welche waren es? Ein Rückblick:

Ein Ausfall nach tragischem Unglück im Jahr 1886

Zunächst vielleicht mal grundsätzlich: Wie lange es speziell in Olfen Feierlichkeiten in der Karnevalszeit gibt, lässt sich schwer herausfinden. Klar: Seit 1834 gibt es den Kitt. Dass es davor keinen Karneval in der Steverstadt gab, heißt das aber natürlich nicht zwangsläufig – ist sogar eher unwahrscheinlich. Schon im Mittelalter hat es in Deutschland – je nach Region in unterschiedlicher Ausprägung – Fastnachtstraditionen geben. Dazu zählten auch schon damals die Umzüge.

Den ersten historischen Beleg für einen Karnevalsumzug in Deutschland gibt es in Nürnberg. 1397 wurde der Fastnachtszug dort zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Es gibt ihn bis heute.

Verglichen mit dieser Zeit ist der Olfener Umzug in seiner heutigen Form noch relativ jung: 1930 hat es laut Homepage des Kitt erstmals einen genehmigten Umzug durch die Straßen Olfen gegeben.

Auch schon davor sind die Olfener aber an Karneval mit ihren Wagen durch die Straßen gezogen. Das belegt eine ziemlich tragische Geschichte, die sich im Jahr 1886 zugetragen haben soll. Der Prinz war damals ein Mann namens Giesler. Er stand auf einem Karnevalswagen, als plötzlich die Pferde ganz unglücklich anzogen. Er starb nach diesem Unfall. „Sofort“, wie es in der Chronik des Kitt steht. „Alle Festlichkeiten wurden daraufhin abgebrochen“, heißt es weiter.

Kein Karneval in den beiden Weltkriegen

Zum Feiern war den Olfener Karnevalisten auch in den beiden Weltkriegen nicht zumute. „Im ersten Weltkrieg von 1914 bis 1918 gab es keine karnevalistischen Veranstaltungen“, heißt es in der Chronik der Karnevalsgesellschaft. Schon 1919 aber sei es wieder weitergegangen.

Nach dem Krieg fand der erste Karnevalsumzug in Olfen 1947 wieder statt.
Nach dem Krieg fand der erste Karnevalsumzug in Olfen 1947 wieder statt. © Repro Rademacher © Repro Rademacher

Die durch den zweiten Weltkrieg verursachte Karnevalspause hielt bis 1947 an. „Da stand der Kitt schon wieder bereit, um nach überstandener schwerer Zeit wieder ein wenig Frohsinn in die Herzen der Menschen zu bringen“, heißt es. Und weiter: „Der große Karnevalsumzug am Nelkendienstag knüpfte an die karnevalistischen Triumphe der Vorkriegsjahre an. Der Neuanfang nach dem Krieg zeigte den Verantwortlichen auch, dass es notwendig geworden war, neue Wege in der Vereinsführung zu beschreiten. Die organisatorischen Vorbereitungen für die drei tollen Tage wurden immer umfangreicher.“

Ein weiterer Krieg führt zum Zug-Ausfall

Danach gab es noch ein weiteres Jahr in Olfen, in dem der Nelkendienstagsumzug nicht stattgefunden hat. „1991 machte der erste Krieg im Irak den Karnevalisten einen Strich durch die Rechnung. Damals war Willi Siemann Prinz. Johann war Jörg Schilcher. Das Funkenmariechen hieß Anja Freck. Auf Betreiben der Stadt wurde der Umzug am Nelkendienstag abgesagt.“

So war es vor genau 30 Jahren in den meisten Städten in Deutschland. Im August 1990 hatte der zweite Golfkrieg begonnen. Casus belli war die Invasion Kuweits durch den Irak. Der von den USA geführte Gegenangriff begann im Januar 1991 und dauerte bis März. In den meisten Karnevalshochburgen entschied man sich damals – Rosenmontag war 1991 am 11. Februar -, die Umzüge abzusagen. Karneval feiern, wenn in der Golfregion Krieg herrscht? Die Verantwortlichen damals – so auch die Stadt Olfen – entschieden sich damals dagegen.

Sturm 2016: Olfen hatte Glück

Seitdem hat es in Olfen – bis zu diesem Jahr – keinen Ausfall eines Nelkendienstagsumzuges mehr gegeben. Wobei die Narren 2016 ein bisschen bangen mussten. Da stürmte es stark in der Region und andere Karnevalshochburgen mussten angesichts der Wetterlage ihre Umzüge absagen. In Düsseldorf zum Beispiel war das so. Der doch eher etwas ungewöhnliche Termin am Nelkendienstag kam den Olfener da zugute: Es reichte, den Umzug nur um eine halbe Stunde nach hinten zu verschieben, um gut durch den Sturm zu kommen.

Das damals, so sagt es Matthias Kortenbusch, der 2016 mit im „Krisenstab“ zu diesem stürmischen Umzug saß, sei aber eine ganz andere Situation gewesen als die heute: Da standen alle bereit, die Wagen waren gebaut, die Kostüme fertig.

Ein Bild von dem handschriftlichen Schreiben des Bürgermeisters Homann aus dem Jahr 1834 findet sich in der Chronik des Kitt aus dem Jahr 1984.
Ein Bild von dem handschriftlichen Schreiben des Bürgermeisters Homann aus dem Jahr 1834 findet sich in der Chronik des Kitt aus dem Jahr 1984. © Marie Rademacher © Marie Rademacher

Dass diese Session ganz anders laufen würde, war schon im vergangenen Jahr ziemlich schnell klar. Das heißt auch: Die Vorbereitungen, die sonst Monate vorher getroffen werden, sind in dieser Session gar nicht angestoßen worden.

Relativ spontan haben sich Kitt und VKK aber entschieden, den Olfenern auch in der Krise ein bisschen Karneval zu bieten. Am Samstag vor Rosenmontag, 11. Februar, wird es so online mehrere Livestreams mit Karnevalsprogramm geben. Unter anderem sind Mickie Krause und Olaf Hennig an Bord.

Trotzdem bleibt natürlich die Hoffnung, dass im nächsten Jahr wieder alles anders – normal närrisch – laufen kann. Und vielleicht gilt dann ja auch das, was schon im Vorwort der Chronik des Kitt im Jahr 1984 aufgeschrieben wurde: „Vielleicht sagte man sich nach solchen schweren Krisenzeiten auch: Jetzt erst recht.“

Über die Autorin
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Ich mag Geschichten. Lieber als die historischen und fiktionalen sind mir dabei noch die aktuellen und echten. Deshalb bin ich seit 2009 im Lokaljournalismus zu Hause.
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Marie Rademacher

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