Ein Pappaufsteller zeigt einen der digitalen Tour Heroes, der dann in der Smartphone-App zu sehen sein wird. Außerdem auf dem Bild zu sehen (v.l.n.r.:) Tim Seyock (Fachhochschule Münster), Maximilian Gust (Augmentlabs), Thomas Gornas (Augmentlabs), Christian Holterhues (wfc Wirtschaftsförderung Kreis Coesfeld). © WFC
Augmentlabs

Innovation: Wirtschaftsministerium überzeugt von Nordkirchener Unternehmen

Das Nordkirchener Unternehmen Augmentlabs entwickelt einen digitalen Touristenführer. Das Projekt ist innovativ, findet das Wirtschaftsministerium - und nicht nur das.

Viele kennen sie sicherlich noch. Die Menschen, die vor einigen Jahren in Scharen dem Spiel Pokemon Go verfallen waren. Gebannt schauten sie auf ihre Bildschirm, um irgendwo, zum Beispiel vor der Dortmunder Reinoldikirche eines der kleinen Monster zu erblicken und – so will es das Spiel – fangen zu können. Pokemon Go ist ein Beispiel für Augmented Reality. Das, was wirklich da ist und was die Kamera des Handys einfängt, vermischt sich mit dem, was die Entwickler für das Spiel erschaffen haben.

Ein Tour-Guide, der im Handy steckt

Anders als bei der Virtual Reality braucht man dafür also keine Brille. Man schottet sich nicht ab aus der Realität, sondern arbeitet mit ihr. Und das möchte ein Nordkirchener Unternehmen für eine App in Sachen Touristik nutzen. „Hier geht es um einen fotorealistischen Tour-Guide, der immer verfügbar ist“, erläutert Thomas Gornas die App, die seine Firma Augmentlabs gerade vorantreibt. Die App soll „Tour Heroes“ heißen.

Thomas Gornas (l.) und Max Gust sind die Gründer des Start-ups Augmentlabs, das zurzeit einen virtuellen Gästeführer entwickelt.
Thomas Gornas (l.) und Max Gust sind die Gründer des Start-ups Augmentlabs, das zurzeit einen virtuellen Gästeführer entwickelt. © Karim Laouari © Karim Laouari

Die Idee: Eine animierte Familie von „Tour Heroes“ gibt in der App Tipps, was die Person, die die App nutzt, in der Umgebung tun kann. Sie kennt spannende Orte, hat Tipps für touristische Ziele, weiß, dass am Abend ein Konzert in Nordkirchen geplant ist. Und sie kann Orte dreidimensional entstehen lassen. Zum Beispiel die längst verschollene Burg der Gemeinde. Oder sie zeigt, wie es im Inneren eines Schlosses aussieht, das nicht für den Besuch geöffnet ist. Die Idee sei auch, Menschen auch in vertrauter Umgebung mal etwas Neues zu zeigen, oder Touristen durch Tipps mehr in die Innenstädte zu holen, statt sie gleich wieder abreisen zu lassen, erläutert Gornas.

Eine App für viele Städte

Die App soll allerdings nicht nur auf Nordkirchen begrenzt sein. „Wir sind deutschlandweit mit einigen Städten im Gespräch und haben auch Anfragen aus Österreich“, so Gornas. Alle Städte und die Angebote dazu sollen dann in der einen App zu finden sein. Das sei auch das innovative an der App, erklärt

Professor Dr. Tobias Rieke vom Institut für Prozessmanagement und Digitale Transformation an der FH Münster. Die FH arbeitet seit diesem Jahr mit der Nordkirchener Firma bei der Erstellung der App zusammen. Touristische Apps seien sonst nur begrenzt, sagt Rieke, „man will aber nicht mehrere Apps auf dem Handy haben.“

Eine echte Innovation, also? Das glaubt auch das Bundes-Wirtschaftsministerium. Erstmals hat es in diesem Jahr ein Innovationsprogramm für Geschäftsmodelle und Pionierlösungen ausgeschrieben – und dem Nordkirchener Unternehmen eine entsprechende Förderung bewilligt. „Hier ausgesucht zu werden, ist eine Veredelung“, sagt Christian Holterhues von der Wirtschaftsförderung im Kreis Coesfeld (wfc). Die Wfc hatte das Unternehmen bei der Antragsstellung unterstützt. Holterhues schätzt, dass etwa 200 Bewerbungen aus ganz Deutschland eingegangen sind. Der Bewerbungsprozess ist aufwendig mit insgesamt vier Stufen. Etwa zehn bis 15 Prozent der Projekte hätten am Ende die Förderung bekommen, schätzt Holterhues. „Das besondere an dem Programm ist auch, dass der Bund sonst nur bis zum Prototypen fördert, hier wird jetzt bis zur Marktfähigkeit gefördert“, erläutert Holterhues. „Das Projekt würde es so ohne die Förderung nicht geben“, sagt der Experte.

Das macht auch Thomas Gornas deutlich. „Die Menschen denken, wenn man eine App entwickelt, ist man bald reich, aber es sind viele Kosten damit verbunden und auch Risiko“. 1,3 Millionen Apps gibt es allein im App-Store von Apple erläutert Tobias Rieke, die App aus Nordkirchen wäre dann eine mehr. Doch er glaubt an ihren Erfolg. „Wir sind überzeugt, dass die App weit oben stehen wird im Bereich Tourismus“, sagt der Professor. Noch bis zum 1. September 2022 läuft die Förderung, dann soll auch die App an den Start gehen. Für welche Städte sie dann schon verfügbar ist, ist aber aktuell noch nicht klar.

Über die Autorin
Redakteurin
Ich bin neugierig. Auf Menschen und ihre Geschichten. Deshalb bin ich Journalistin geworden und habe zuvor Kulturwissenschaften, Journalistik und Soziologie studiert. Ich selbst bin Exil-Sauerländerin, Dortmund-Wohnerin und Münsterland-Kennenlernerin.
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Sabine Geschwinder

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