Stefan Neubold im Nordkirchener Hundesalon Campino: Während Friseursalons für Menschen im zweiten Lockdown schließen müssen, dürfen Hundesalons weiter öffnen. © Jura Weitzel (A)
Coronavirus

Haarschnitt trotz Lockdowns: Nur eine bestimmte Art Friseur darf öffnen

Friseursalons müssen aufgrund der Corona-Lage geschlossen bleiben. Das Verwaltungsgericht Münster hat jedoch am Montag (11.1.) eine Ausnahme für eine bestimmte Art von Friseur entschieden.

Der Lockdown hält an und die Haare wachsen: Viele wünschen sich, dass die Friseure wieder öffnen. Laut Beschluss des Verwaltungsgerichts Münster dürfen tatsächlich Friseure ab Freitag (15.1.) wieder öffnen – aber nur für Hunde. Der Beschluss ist das Resultat einer Antragstellerin aus Emsdetten, die im Dezember gegen die Schließung von Hundefriseursalons klagte.

Beschluss des Verwaltungsgerichts Münster

Laut des Beschlusses des Verwaltungsgerichts Münster dürfen Hundefriseure in NRW also trotz des Lockdowns wieder öffnen. Das Gericht begründet dies durch die Tatsache, dass nur Dienst- und Handwerksleistungen untersagt seien, bei denen ein Mindestabstand von 1,5 Metern zum Kunden nicht eingehalten werden könne. Sprich: Friseure, Kosmetiksalons oder Tattoo-Studios. Dies gelte aber laut Gericht nicht für Hundefriseure, die – zumindest zu ihren menschlichen Kunden – den Mindestabstand mit einem entsprechenden Schutzkonzept einhalten können.

Ein solches Konzept haben auch Stefan und Sarah Neubold in ihrem Hundesalon Campino in Nordkirchen. Das Ehepaar, das den Salon gemeinsam betreibt, hat sich sogar ein besseres Konzept einfallen lassen als die Antragstellerin aus Emsdetten. Das Konzept der Antragstellerin sieht vor, dass der Hund draußen von den Besitzern angebunden und dann in den Salon geholt wird. „Wir haben einen separaten Eingangsbereich mit Theke. Daneben haben wir jetzt eine Art Welpengehege aufgebaut, in das die Besitzer ihren Hund reinsetzen können“, sagt Stefan Neubold. Auf diese Art kommt es zu keinem Kontakt zwischen den Menschen und man könne den Hund aus dem Gehege in den Salonbereich holen.

Sicherheitskonzept und Absprache mit der Gemeinde

Das Konzept ist zulässig, der Eröffnung steht somit nichts im Wege – „mit der Gemeinde ist das noch mal extra abgesprochen, denn das ist ja für jede Gemeinde anders geregelt“, so Neubold. Die Freude über die Wiedereröffnung ist groß – das Telefon habe die letzten Tage ständig geklingelt, der ganze Januar sei voll ausgebucht. „Es wird gut angenommen, dass wir wieder geöffnet haben. Und wir sind auch froh, denn länger könnten wir uns auch nicht mehr über Wasser halten.“

Denn trotz Soforthilfe, die die Neubolds schon fast vollständig zurückgezahlt haben, waren die Pandemie-Monate problematisch für das Ehepaar. Im ersten Lockdown hatte die Gemeinde beschlossen, den Salon geschlossen zu halten. Der zweite Lockdown habe schon fast für die Existenznot gesorgt, so Neubold. Er sei froh, dass er und seine Frau das Geschäft zu zweit führen und nicht auch noch Mitarbeiter beschäftigen, denn das hätten sie sich nicht leisten können. „Es ist auch noch kein Überbrückungsgeld gekommen und unsere Ersparnisse sind so gut wie aufgebraucht.“ Die Hoffnungen hätten alle auf dem 15. Januar gelegen. Auch Termine hatte Neubold schon vereinbart in der Hoffnung, wieder eröffnen zu dürfen.

„Sind froh, dass wieder gearbeitet werden darf“

„Jetzt sind wir froh, dass wieder gearbeitet werden darf. Und auch die Kunden sind froh darüber.“ Der Salon der Neubolds laufe gut – die Leute kämen teilweise aus 20 oder 30 Kilometern Entfernung zu dem Salon, der schon seit 2016 besteht und in diesem Jahr das fünfjährige Jubiläum begeht. Kunden haben die Neubolds im Schnitt acht bis zehn pro Tag – je nach Größe des Hundes. Man merke aber schon, dass es nicht mehr so viele wie vor der Pandemie seien. „Es gibt viele, die das jetzt selber machen oder nicht raus wollen aus gesundheitlichen Gründen. Das kann ich verstehen, denn ich selbst bin mit meinem Asthma auch ein Risikopatient.“

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Obwohl nicht in Dortmund geboren, bin ich doch eng mit dieser Perle des Ruhrpotts verbunden. Eine Stadt durch die Augen eines Journalisten kennenzulernen, das fasziniert mich. Seit Oktober 2017 arbeite ich für die Ruhrnachrichten und bin seit April 2020 Volontärin.
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Denise Felsch

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