Lukas Klein und Klassenlehrerin Petra Große Schönepauck nehmen die CO2 Ampel in Betrieb. © Janine Eßmann
Coronavirus

Gesamtschule in Nordkirchen setzt jetzt CO2-Ampeln ein

Lüften ist in der Coronakrise wichtiger denn je. Doch wie lange ist die richtige Dosis, ohne dass Schüler und Lehrer frieren müssen? In Nordkirchen sollen nun CO2-Ampeln diese Frage beantworten.

Gerade einmal 17 Grad waren es am Freitagmorgen, 4. Dezember, in einer 8. Klasse der Johann-Conrad-Schlaun-Gesamtschule Nordkirchen. Ziemlich frisch. Allerdings gehört das Lüften seit dem Herbst zu den wichtigsten Schutzmöglichkeiten gegen das Corona-Virus. Alle 20 Minuten muss in den Klassenräumen kräftig gelüftet werden.

Sensor soll helfen, die optimale Lüftungsdauer zu bestimmen

Doch sind 20 Minuten wirklich der optimale Lüftungsabstand und wie lange muss das Fenster tatsächlich offen stehen? Diese Fragen soll künftig eine CO2-Ampel im Klassenraum beantworten. „Die Aeroseole lassen sich nicht messen, aber CO2“, erklärt Lukas Klein vom Unternehmen Datacake. In Studien habe man herausgefunden, dass die Höhe des CO2-Gehalts mit denen der Aerosole korreliert – also nimmt der eine Wert zu, nimmt auch der andere zu.

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Co2-Sensoren an Gesamtschule Nordkirchen

Klein ist einer der Geschäftsführer des Unternehmens Datacake, das einen Standort in Vreden und einen am Digitalcampus in Nordkirchen hat. Das Unternehmen programmiert Sensoren und macht ihre Ergebnisse visuell aufbereitet sichtbar. Zum Beispiel im Bereich Parkplatzsensoren, bei Luftfeuchtigkeitmessung in der Industrie oder eben bei CO2-Sensoren. „CO2 ist ein großes Thema geworden“, berichtet Klein. Neben Nordkirchen kommen die Sensoren auch schon in einer Schule in Vreden zum Einsatz. Aber auch Firmen hätten Interesse an der Technologie angemeldet, erzählt Klein. Dabei geht es den Firmen nicht nur um den Gesundheitsaspekt, sondern wahrscheinlich auch ums kostensparende Heizen. So ist auch Nordkirchens Klimamanagerin Janine Eßmann an diesem Tag im Einsatz, um den Schülern Informationen über CO2 an sich und klimaschonendes Heizen zu geben.

Weniger lüften wäre laut CO2-Ampel okay gewesen

Die CO2-Ampeln leuchten in den bekannten Ampel-Farben. Bei grün ist der Sauerstoffgehalt super, bei gelb sollte man langsam ans Lüften denken und bei rot herrscht Kopfschmerzgefahr durch zu wenig frische Luft.

Wenn die Ampel gelb leuchtet, sollte langsam gelüftet werden.
Wenn die Ampel gelb leuchtet, sollte langsam gelüftet werden. © Datacake © Datacake

Frische Außenluft habe 400 Parts per Million (ppm), erklärt Lukas Klein. Ab 1000 ppm, sollte man lüften und ab 1500 ppm lässt die Konzentration nach. Dementsprechend wird die CO2-Ampel bei 1200 ppm gelb, bei 2000 rot. In der 8. Klasse der Gesamtschule leuchtete die Ampel am Morgen gewissermaßen strahlend grün. Sie zeigte nicht mehr als 800 ppm. „Bei so einem Ergebnis könnte man zum Beispiel sagen, dass etwas weniger Lüften auch okay ist, dann ist es auch nicht so kalt“, sagt Lukas Klein.

Zwei Ampeln für die Gesamtschule

Der Digitalcampus möchte mit der Aktion einer Aufgabe nachkommen, die er sich selbst gesetzt hat: Das Knowhow, das dort vorhanden ist, für die Gemeinde nutzbar zu machen und Wissenstransfer zu betreiben, wie Manuel Lachmann, der Vorsitzende des Digitalcampus sagt. Für die Gesamtschule wurden erstmal zwei CO2-Ampeln zu Verfügung gestellt.

Sie sollen dazu dienen, ein besseres Gespür dafür zu bekommen, wie lange und wann tatsächlich gelüftet werden sollte, um die Gefahr durch Corona zu minimieren und eine angenehme Arbeitsatmosphäre für den Unterricht zu gestalten. Es ist eine Testreihe, sagt Manuel Lachmann. „Wir werden in zwei Wochen eine Auswertung mit Schülern und Lehrern machen“, sagt er. Der Sensor bietet eine genaue Auswertung über den Zeitraum. Das Ziel sei, dass die gewonnen Erkenntnisse auch für die anderen Klassen nutzbar gemacht werden können – nicht unbedingt eine flächendeckende Ausdehnung auf alle Schulen der Gemeinde.

Tipps fürs Lüften:„Stoßlüften und Querlüften ist in Corona-Zeiten und sowieso zu empfehlen“, sagt Nordkirchens Klimamanagerin Janine Eßmann. So passiere der Luftaustausch viel schneller als beim Kipplüften. Beim Kipplüften gelange vor allen Dingen die Heizungswärme schnell nach draußen. Querlüften kann man auch als „Durchzug“ bezeichnen, Stoßlüften ist das komplette Öffnen des Fensters.

Über die Autorin
Redakteurin
Ich bin neugierig. Auf Menschen und ihre Geschichten. Deshalb bin ich Journalistin geworden und habe zuvor Kulturwissenschaften, Journalistik und Soziologie studiert. Ich selbst bin Exil-Sauerländerin, Dortmund-Wohnerin und Münsterland-Kennenlernerin.
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Sabine Geschwinder
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