Die Friseure im Kreis Coesfeld planen eine Aktion, die auf ihre wirtschaftliche Not aufmerksam machen soll. © picture alliance/dpa
Coronavirus

Friseur-Obermeisterin: „Schwarzarbeit ist wirklich ein Problem“

In der Corona-Pandemie könnten sich Friseure eine goldene Nase verdienen, sagt eine Friseur-Meisterin aus Olfen. Doch sie hofft, dass Kunden und Kollegen nicht auf Schwarzarbeit setzen.

Ja, sagt Eva Stevanello, Inhaberin von „Eva‘s Lockenbude“ in Olfen. „Zurzeit können Sie sich ne goldene Nase“ verdienen. Sie meint damit, dass Kunden und Kundinnen gezielt Friseure und Friseurinnen ansprechen und danach fragen, ob diese nicht doch mal für einen Haarschnitt vorbeikommen könnten.

Aber da werde konsequent abgelehnt. „Ich sage dann immer ‚klar, wenn ihr zweieinhalb Tausend Euro für die Strafe übrig habt und danach nen neuen Job“, so die Friseurmeisterin. Die Lage ist nämlich so: Seit dem 16. Dezember haben Friseursalons in Nordrhein-Westfalen geschlossen. Die Regelungen gelten noch mindestens bis zum 14. Februar.

Strafen von 2500 bis 25.000 Euro

Ob sie verlängert werden, ist noch offen. Manch einer oder manch eine sehnt sich da einen professionellen Haarschnitt oder eine neue Haarfarbe herbei. Doch wer den Friseur seines Vertrauens überredet, auf einen Kaffee mit Schere vorbeizukommen, der fördert nicht nur Schwarzarbeit, sondern verstößt auch gegen die aktuelle Corona-Schutzverordnung. 2500 Euro sind die Mindeststrafe, 25.000 Euro sind sogar bei Mehrfachverstößen möglich. Was vielleicht nicht jeder weiß: Die Strafen gelten nicht nur für den Friseur oder die Friseurin, sondern auch für die Kundinnen und Kunden.

Eva Stevanello, auf dem Foto kurz vor dem ersten Lockdown im März, hatte gehoff, dass die Schließung erst nach dem 20. Dezember komme. Jetzt kommt sie schon Mittwoch.
Eva Stevanello, auf dem Foto kurz vor dem ersten Lockdown im März, hatte gehoff, dass die Schließung erst nach dem 20. Dezember komme. Jetzt kommt sie schon Mittwoch. © Marie Rademacher (A) © Marie Rademacher (A)

Schwarzarbeit gebe es aber, ist Stevanello überzeugt. „Wenn ich jemanden mit frisch geschnittenen Haaren sehe, dann sprech ich den auch an“, sagt Stevanello. Ziemlich vergeblich allerdings, denn Namen nennen die so Angesprochenen nicht. Auch sie wolle ein Zeichen setzen: „Da lauf ich doch lieber mit nem dicken Ansatz rum und zeig, dass ich warten kann“, sagt Stevanello. Unterstützen könne man sie und ihre Kollegen aktuell zum Beispiel, indem man Produkte zum Bestellen und Abholen kauft. Auch, wenn diese später auf die Überbrückungshilfen angerechnet werden.

Bei der Stadt bislang keine Fälle von Schwarzarbeit bekannt

Die Stadt Olfen teilt auf Anfrage mit, dass bisher in Olfen kein Fall bekannt geworden ist, bei dem Gewerbetreibende, speziell auch Friseure, gegen die Auflagen der Corona-Schutzverordnung verstoßen haben: „Die Gewerbetreibenden verhalten sich durchgehend sehr diszipliniert“, so die Stadt. Sofern bei den Betroffenen Unklarheiten bestünden, würden diese im Vorfeld mit dem Ordnungsamt besprochen und ausgeräumt.

Die Stadt räumt ein: „Schwarzarbeit im Friseurhandwerk lässt sich naturgemäß nur schwer bekämpfen, da diese vornehmlich in Privatwohnungen stattfindet. Insofern ist die Ordnungsbehörde auf konkrete Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen“. Bei Eingang eines solchen Hinweises werde dem nachgegangen und auch die zur Verfolgung zuständigen Behörden, in diesem Fall der Kreis und die Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Zolls, hinzugezogen.

Finanzielle Probleme in vielen Friseursalons

Dass gerade in der aktuellen Situation Schwarzarbeit in ihrem Handwerk existiert, sagt auch eine Kollegin Stevanellos. „Das Problem ist wirklich ziemlich groß mit der Schwarzarbeit“, so Christin Flüchter im Gespräch mit der Redaktion. Sie ist die Obermeisterin der Friseurinnung Coesfeld. Doch auch, wenn Flüchter ihre Kollegen und die Kunden darum bittet, sich nicht auf solche Deals einzulassen, kann sie nachvollziehen, wie es überhaupt dazu kommen kann. „Wir Unternehmer hängen in der Luft und bekommen keine finanzielle Unterstützung“, sagt Flüchter.

Viele mussten die Soforthilfe aus dem Frühling zurückzahlen, ohne, dass vorher klar kommuniziert war, dass das passieren könnte. Hinzu kommt, dass die Anträge für die Überbrückungshilfen für Dezember und Januar noch gar nicht gestellt werden können. „Viele haben ihre Ressourcen schon im ersten Lockdown aufgebraucht“, sagt Flüchter. Die Friseure im Kreis Coesfeld wollen sich dabei auch an einer bundesweiten Aktion beteiligen, um auf die Not der Branche aufmerksam zu machen. Vom 31. Januar auf den 1. Februar leuchten für 24 Stunden lang die Lichter in den Salons. Das soll für Sichtbarkeit sorgen und darauf aufmerksam machen, dass die Salons hoffen, dass die Lichter bei ihnen nicht dauerhaft ausgehen.

„Der Appell ist einfach durchhalten“, sagt Christin Flüchter in Richtung von Kundinnen und Kunden sowie ihrer Kollegen. „An allen Ecken wird gekämpft“, sagt sie. Nun hofft die Friseurmeisterin, dass auch die versprochene Hilfe der Regierung kommt.

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Ich bin neugierig. Auf Menschen und ihre Geschichten. Deshalb bin ich Journalistin geworden und habe zuvor Kulturwissenschaften, Journalistik und Soziologie studiert. Ich selbst bin Exil-Sauerländerin, Dortmund-Wohnerin und Münsterland-Kennenlernerin.
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Sabine Geschwinder

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