Nordkirchen will und muss die Treibhaus-Emissionen deutlich reduzieren. Windenergie wäre ein Ansatz mit großer Wirkung. © dpa
Klimaschutzkonzept

Fachmann macht den Nordkirchener Politikern ein Windrad „schmackhaft“

Die Gemeinde Nordkirchen steht unter Druck: Sie will und muss die Treibhaus-Emissionen drastisch reduzieren. Mit einem einzigen Projekt könnte sie viel erreichen. Leichter gesagt als getan.

Fachmann Andreas Hübner brachte es bei der Vorstellung der Abschlusspräsentation direkt auf den Punkt: „Jede Einwohnerin und jeder Einwohner in Nordkirchen produziert durchschnittlich im Jahr 5,5 Tonnen Treibhaus-Emissionen. Der Wert muss aber deutlich unter 2 Tonnen sinken“, so der Geschäftsführer der Planungs- und Ingenieurgesellschaft Gertec (Essen). Einsparpotenziale sieht Hübner „in allen Sektoren. Aber sie sind nicht so leicht zu machen.“

Mit einer Ausnahme. Das größte Handlungsfeld ist aus Sicht von Hübner der Bereich „Erneuerbare Energien/Energieeffizienz“. Doch Gertec belässt es in seiner ausführlichen Abschlusspräsentation nicht mit Überschriften. Die Gesellschaft wird sehr konkret. Mit nur einer einzigen Windkraftanlage mit 3 MW könnte Nordkirchen einen riesigen Schritt nach vorne machen. Dass in der Sitzung des Ausschuss für Klima, Umwelt und gemeindliche Entwicklung am Dienstagabend der ein oder andere Kommunalpolitiker bei dieser Aussage ein wenig zusammenzuckte, überrascht nicht wirklich.

„Windräder an Land werden wieder stärker ein Thema werden“

Seit Jahren, ja seit mindestens zwei Jahrzehnten hat es nicht mehr zu zählende Diskussionen über Flächen für Windräder in Nordkirchen gegeben. Und mit jedem neuen Standortvorschlag formierten sich Proteste gegen den Bau. Kritiker verwiesen dabei auch gerne auf die großen Windanlagen auf See. Aus Sicht von Andreas Hübner der falsche Ansatz. „Onshore – also Windräder an Land – wird wieder ein Thema werden.“

„Es geht darum, Bürger zu begeistern“, sagte im Verlauf der Diskussion Bürgermeister Dietmar Bergmann. Wohl wissend, dass gerade beim Thema Windrad dicke Bretter zu bohren sind. Allerdings hat sich bereits in anderen Orten der Region gezeigt, dass gerade der wirtschaftliche Ansatz ein große Rolle spielt. Können Bürgerinnen und Bürger hier investieren und auch Erträge erzielen, ist die Kritik viel verhaltener – wenn es überhaupt welche gibt.

Politiker sollen in Haushaltsberatungen Schwerpunkte festlegen

Ob die Nordkichener Politik in den nächsten Wochen und Monaten die Weichen für den Bau von Windkraftanlagen stellt, ist derzeit aber völlig unsicher. Das Klimaschutzkonzept der Gemeinde soll bis Jahresende verabschiedet werden. Und erst in den Haushaltsberatungen wird sich zeigen, für welche Maßnahmen die Gemeinde Geld in die Hand nehmen will. Den ersten Schritt hat die Politik zumindest verbal getan. Sie sei bereit, für weniger Emissionen Geld in die Hand zu nehmen.

Bei der Umsetzung richtet sich der Blick aber auch intensiv nach Berlin. Für welche Maßnahmen wird die künftige Bundesregierung Fördergelder locker machen, so die alles entscheidende Frage. „Wir müssen flexibel reagieren“, fordert die CDU. Der SPD hingegen ist die Verbindlichkeit wichtig.

Über den Autor
Redaktion Selm
Journalist aus Leidenschaft, Familienmensch aus Überzeugung, Fan der Region. Als Schüler 1976 den ersten Text für die Ruhr Nachrichten geschrieben. Später als Redakteur Pendler zwischen Münsterland und Ruhrgebiet. Ohne das Ziel der Arbeit zu verändern: Die Menschen durch den Tag begleiten - aktuell und hintergründig, informativ und überraschend. Online und in der Zeitung.
Zur Autorenseite
Thomas Aschwer

Der neue Lokalsport-Newsletter für Dorsten

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Dorstener Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.