Die Gesamtschule Nordkirchen wird eine Schule für "Gemeinsames Lernen". © Mona Wellershoff (A)
Gemeinsames Lernen

Ein klares „Ja“ zur Inklusion – aber nicht für den gesamten Südkreis

Der Spagat ist schwierig: Hier die riesige Nachfrage nach Plätzen an der Gesamtschule Nordkirchen, dort der Wunsch, Inklusion zu fördern. Nach vielen Gesprächen ist ein Kompromiss gefunden.

Das Thema stand vor zwei Jahren schon einmal auf der Tagesordnung der Nordkirchener Kommunalpolitik: Soll die Johann-Conrad-Schlaun-Gesamtschule eine Schule mit „Gemeinsamen Lernen“ werden? Auch weil Schulleiter Ulrich Vomhof recht skeptisch war, senkten sich damals die Daumen. Bei einer anderen Entscheidung wären pro Jahr nur noch „gut 90 Plätze auf den freien Markt gekommen“, wie es Vomhof formulierte.

Diese niedrige Zahl ist dadurch zu erklären, dass bis zu 12 Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf an der Schule mit „Gemeinsamen Lernen“ einen Platz bekommen hätten. Die Zahl hätte gleichzeitig dazu geführt, dass insgesamt weniger Schüler pro Jahrgang angenommen werden. Eine vor allem auch deshalb nicht befriedigende Situation, weil ein Großteil der Schüler mit Förderbedarf nicht aus dem Ort gekommen wäre.

„Wir haben je Jahrgangsstufe 2 bis 4 Schüler mit Handicap aus der Gemeinde“, sagt Vomhof. Diese würden an der Johann-Conrad-Schlaun-Schule auch beschult. Die Gemeindeverwaltung räumte in der Sitzung des Ausschusses für Familie, Schule, Sport und Kultur am Donnerstag (10.) eine Sorge vor zu vielen Anmeldungen von Kindern mit Förderbedarf aus Olfen, Lüdinghausen oder Ascheberg ein. Deshalb habe es in den vergangenen Monaten mit den Nachbargemeinden intensive Gespräche gegeben.

Jetzt gibt es eine auch mit der Bezirksregierung abgestimmte Lösung für Kinder mit Förderbedarf, die schon vor Jahren Eltern grundsätzlich gefordert hatten. Weil es aber eine freie Schulwahl gibt, konnte Nordkirchen Kinder aus dem Ort bei der Platzvergabe nicht bevorzugen. Bei Kindern mit Förderbedarf gibt es jedoch nur eine eingeschränkte Wahl der Schule. Diese Besonderheit ist Grundlage der Vereinbarung.

Die Kommunen des Südkreises (Ascheberg, Olfen, Lüdinghausen

und Nordkirchen) haben im Rahmen der interkommunalen Zusammenarbeit einen öffentlich-rechtlichen Vertrag für die Beschulung von ortseigenen Schülern mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf an Schulen des „Gemeinsamen Lernens” in der Sekundarstufe I erarbeitet. Der Vertrag sieht vor, dass diese Schülerinnen und Schüler vorrangig an Schulen ihrer jeweiligen Wohnorte aufgenommen werden.

Nur in abgestimmten Einzelfällen bekommen sie einen Platz an der Gesamtschule Nordkirchen. Ausdrücklich lobte Schulleiter Ulrich Vomhof in diesem Zusammenhang das Gymnasium in Selm. Es sei eines der ganz wenigen Gymnasien in der Region, das Schülern mit Förderbedarf einen Schulbesuch ermögliche. In der Nachbarstadt Lüdinghausen beispielsweise sei das nicht möglich, hier besuchen diese Kinder die Sekundarschule. Angesichts dieser Vorgaben sind sich Schule und Gemeinde Nordkirchen einig, dass die Gesamtschule Nordkirchen eine Schule für „Gemeinsames Lernen” wird.

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Redaktion Selm
Journalist aus Leidenschaft, Familienmensch aus Überzeugung, Fan der Region. Als Schüler 1976 den ersten Text für die Ruhr Nachrichten geschrieben. Später als Redakteur Pendler zwischen Münsterland und Ruhrgebiet. Ohne das Ziel der Arbeit zu verändern: Die Menschen durch den Tag begleiten - aktuell und hintergründig, informativ und überraschend. Online und in der Zeitung.
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Thomas Aschwer

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