Nach einem Modellprojekt im Jahr 2020 sollen Drohnen bei der Polizei in Nordrhein-Westfalen auch weiter eingesetzt werden. In Nordkirchen, Olfen und Selm bleibt das allerdings noch die Ausnahme. © picture alliance/dpa
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Drohnen im Polizeieinsatz: Coesfeld kann Team aus Münster anfordern

In einem Modellprojekt hat die Polizei 2020 Kameradrohnen getestet. In Selm kommen die ferngesteuerten Flieger noch nicht zum Einsatz. Im Kreis Coesfeld gibt es Unterstützung aus Münster.

Fast ein Jahr lang hat die Polizei den Einsatz von Kameradrohnen getestet. Auch in Dortmund und Lünen kamen die ferngesteuerten Fluggeräte zum Einsatz. Nach Abschluss des Pilotprojekts ist klar, dass die Drohnen auch in Zukunft weiter bei der Polizei zum Einsatz kommen sollen.

Landesweit wird die Polizei in diesem Jahr mit 106 Kameradrohnen ausgestattet. „Drohnen machen die Arbeit der Polizei an vielen Stellen einfacher und erweitern ihre Möglichkeiten“, sagte Innenminister Herbert Reul nach dem Ende des Testzeitraums. Besonders, wenn es die Verfolgung von Tätern, Aufklärung und Beweissicherung von Straftaten oder die Aufnahme von Verkehrsunfällen gehe.

Team aus Münster hilft mit Drohne bei Unfällen

In Coesfeld und somit auch in Nordkirchen und Olfen ist eine der ferngesteuerten Drohnen in den vergangenen Monaten zwar schon bei dem ein oder anderen Verkehrsunfall zum Einsatz gekommen, allerdings kommt die aus Münster. Denn über eine eigene Kameradrohne verfügt die Polizei im Kreis Coesfeld (noch) nicht, wie Sprecher Sascha Kappel auf Anfrage erklärt.

Greifen die Beamten sonst zu einem langen Kamerastativ, um bei Bedarf die Unfallstelle aus der Vogelperspektive zu betrachten, bietet der Einsatz einer Drohne hier den Vorteil, viel höher fliegen zu können und für bessere Übersicht zu sorgen. Die Polizei in Münster verfügt derzeit über ein Team, dass die Polizei in Coesfeld zur Unterstützung anfordern kann.

Das Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste (LZPD) stattet ab diesem Jahr die 16 Kriminaltechnischen Untersuchungsstellen (KTU), die Tatortvermessungsgruppe des Landeskriminalamtes sowie die Bereitschaftspolizei mit 76 Drohnen aus. Bis zu 186 Polizistinnen und Polizisten aus diesen Bereichen übernehmen dann neben ihrer jetzigen Arbeit auch die Aufgabe als Fernpilot.

Mutmaßlicher Drogenhändler mit Hilfe von Drohne geschnappt

In einem zweiten Schritt erhalten die Verkehrsunfallaufnahme-Teams der Kreispolizeibehörden 30 Drohnen. Hier werden rund 90 weitere Polizistinnen und Polizisten zu Fernpiloten ausgebildet. „Da sind wir noch nicht“, erklärt Vera Howanietz, Sprecherin der Polizei in Unna, die auch für Selm zuständig ist.

Anderweitige Drohneneinsätze, etwa bei der Verfolgung von Straftätern, habe es im Kreis Coesfeld bislang nicht gegeben, erklärt Kappel. In Dortmund etwa hatte die Polizei im Februar 2020 erstmals von einer Festnahme berichtet, die durch eine Drohne ermöglicht wurde. Ein mutmaßlicher Drogenhändler konnte aus der Luft gefunden werden.

Kritik hingegen gab es, als Drohnen im Frühjahr zur Überwachung des Kontaktverbots in Dortmund eingesetzt wurden. Einige Menschen sahen darin ihre Privatsphäre verletzt.

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Beruflicher Quereinsteiger und Liebhaber von tief schwarzem Humor. Manchmal mit sehr eigenem Blick auf das Geschehen. Großer Hang zu Zahlen, Statistiken und Datenbanken, wenn sie denn aussagekräftig sind. Ein Überbleibsel aus meinem Leben als Laborant und Techniker. Immer für ein gutes und/oder kritisches Gespräch zu haben.
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Matthias Stachelhaus

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