Diethelm Textoris mit Cooper beim Start der Wanderung am Naturbad Olfen. © Diethelm Textoris
Wanderweg

Der „Hohe Mark Steig“: Schnuppertour auf neuem Wanderweg in Olfen

Im April wird in der Region ein neuer Fernwanderweg eröffnet. Dann verbindet der über 155 Kilometer lange „Hohe Mark Steig“ Olfen mit Wesel. RN-Reporter Diethelm Textoris auf Schnuppertour.

Auch wenn der neue Wanderweg noch nicht formal seiner Bestimmung übergeben wurde und das Kartenmaterial und Infobroschüren noch nicht gedruckt sind: Die Strecke ist markiert, die Wegweiser sind nahezu vollständig angebracht und im Internet sind ausreichend Informationen zu finden.

Angetrieben von Neugier und Pioniergeist starte ich am Naturbad Olfen mit meinem tierischen Begleiter Cooper meine Erkundungstour. Hier am offiziellen Start- beziehungsweise Endpunkt geben Informationstafeln Auskunft über die nächsten Ziele. Nach dem Verlassen des Parkplatzes biegen wir nach links in den Alleeweg. Der aufmerksame Wanderer wird feststellen, dass diese Allee etwas Besonderes ist, denn die Eichen zu ihrer Begrenzung sind an beiden Seiten in Doppelreihen gepflanzt. Davon gibt es nur wenige im alleenreichen Deutschland.

Spontanes Urlaubsgefühl stellt sich ein

Die hervorragende Markierung führt uns in wenigen Minuten über die Straße Sternbusch zu den Steverauen. Die sind bereits ein erster Höhepunkt für den wandernden Naturliebhaber. Bei mir stellt sich sofort ein spontanes Urlaubsgefühl ein. Mein Blick kann ungehindert über die Feuchtwiesen schweifen, wird höchstens abgelenkt durch Buschwerk oder kleinere Baumgruppen. Die schwarzen Punkte, die ich an diesem neblig trüben Morgen auf dem Grün der Weiden ausmachen kann, sind die Heckrinder.

Die nach den Züchtern Gebrüder Heck benannten gewaltigen Rinder dienen der Landschaftspflege in den Steverauen.
Die nach den Züchtern Gebrüder Heck benannten gewaltigen Rinder dienen der Landschaftspflege in den Steverauen. © Diethelm Textoris © Diethelm Textoris

Die wurden hier vor einigen Jahren angesiedelt. Durch ihr Fressverhalten und ihre Lebensgewohnheiten haben sie maßgeblich dazu beigetragen, die ehemals landwirtschaftlich genutzten Flächen wieder in eine ursprüngliche Auenlandschaft zu verwandeln. Dabei wurden sie von Konikpferden und katalanischen Poitoueseln unterstützt. Letztere haben sich an diesem Morgen an einen Unterstand verzogen und genießen das dort dargebotene Futter. Da kann ein Wanderer mit Hund ihre Neugier nicht wecken.

Die vom Aussterben bedrohten Poitouesel haben in den Steverauen eine neue Heimat gefunden.
Die vom Aussterben bedrohten Poitouesel haben in den Steverauen eine neue Heimat gefunden. © Foto Textoris © Foto Textoris

Ein kleiner Abstecher führt nach links zu der Drei-Bogen-Brücke, ein Bau aus dem Jahre 1894, das den Dortmund-Ems-Kanal über die Stever leitete. Unweit ist der Anleger für das Floß, von dem in der Saison Einzelpersonen und Gruppen die Auenlandschaft aus einer besonderen Perspektive erleben können. Über den Kreuzweg mit seinen 14 Stationen erreichen wir die Reste des Damms der Alten Fahrt. Vorher erinnern am alten jüdischen Friedhof ein Gedenkstein und eine Tafel an die Verdienste jüdischer Mitbürger früherer Zeiten für das Wohl der Stadt und an die Verfolgung von 1933 bis 1945. Über die Ost- und Marktstraße kann man in wenigen Minuten das Zentrum von Olfen erreichen und in coronafreien Zeiten gemütlich einkehren.

Ein Hauch von Hafenatmosphäre mit Ostfrieslandfeeling

Cooper und ich bleiben weiter auf den ehemaligen Leinpfad der Alten Fahrt, an dem sich zur Rechten nach Stilllegung und Renaturierung kleinere, manchmal langgezogene Seen gebildet haben. Ein Idyll und Wegabschnitt für die Sinne. Der Wanderer kann die Spiegelungen im Wasser bewundern, zahlreiche Wasservögel beobachten, und weitere Brückenkunstwerke bewundern. Am Hof Schollbrock kitzelt das ländliche Odeur der Schweinemast meine Nase.

Hafenatmosphäre am „Dattelner Meer“. © Diethelm Textoris © Diethelm Textoris

Am Ende der Alten Fahrt am Kanalkreuz Dattelner Meer empfängt mich ein Hauch von Hafenatmosphäre mit Ostfrieslandfeeling, mit Möwengeschrei als passendem Soundtrack für die Ohren. Hinter der Schleuse könnte ich an der Kanalbrücke in den Bus zurück nach Olfen oder zum Dattelner Busbahnhof mit Verbindungen in alle Richtungen steigen. Ich will jedoch noch ein wenig mehr Hafenluft schnuppern, mache eine Kür über die Uferpromenade und bedauere, dass ich meine Tour nicht im Hafenrestaurant beenden kann. Dort hätte ich mich bei einem Grog in den Biergarten gesetzt und mir den „Seewind“ um die Nase wehen lassen, während Cooper genüsslich den mitgebrachten Knochen verspeist hätte. Das bleiben in Zeiten von Corona leider nur Wunschträume.

Das
Das „Dattelner Meer“ mit Ostfrieslandfeeling. © Diethelm Textoris © Diethelm Textoris
  • Der Hohe Mark Steig führt von Olfen über Erkenschwick, Haltern, Reken, Schermbeck nach Wesel. Zahlreiche „Traumschleifen“ und Anbindungen an den öffentlichen Nahverkehr machen ihn auch für Tageswanderungen attraktiv.
  • Der hier beschriebene erste Etappenabschnitt ist 12 Kilometer lang, die reine Wanderzeit beträgt etwa 3 Stunden.
  • Eine digitale Karte ist zu finden unter https://www.komoot.de/tour/301934962?ref=atd
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