Maria Niermann hat die Tagebuch-Funktion der Corona-Warn-App getestet. Vom Ergebnis war sie überrascht. © Niermann
Corona-Eindämmung

Corona-Tagebuch mit der Warn-App führen: Ein Selbstversuch

Seit Ende Dezember bietet die Corona-Warn-App etwas Neues: Man kann dort ein Kontakt-Tagebuch führen. Unsere Autorin hat es ausprobiert, obwohl sie fast niemanden trifft. Und war überrascht.

Doppelkopfspielen mit Freunden, Kegeln im Forsthaus, Chorprobe am Montag, Klönkaffee der Landfrauen im Haus Katharina in Olfen – all das vermisse ich sehr – ich wünsche mir, dass die momentanen Einschränkungen gelockert werden, ich möchte mich wieder mit netten Menschen treffen.

Das wird aber erst dann wieder möglich sein, wenn die Corona-Zahlen heruntergegangen sind – und zwar ganz massiv. Das Robert-Koch-Institut schätzt zum Beispiel die Gefährdung der Gesundheit der Bevölkerung aktuell als hoch ein, wie es in seinem Situationsbericht vom 25. Januar schreibt:

„Hervorgehoben wird das zunehmend diffuse Infektionsgeschehen sowie das Auftreten von Ausbrüchen vor allem in Haushalten, beruflichen Umfeld sowie Alten- und Pflegeheimen. Daher ist eine konsequentere Umsetzung der Fallfindung und Kontaktpersonennachverfolgung als auch der Schutz der Risikogruppen notwendig.“ Das Ziel von Bund und Ländern ist es, die Inzidenzzahlen, also die Infektionen pro 100.000 Einwohner in der vergangenen Woche, wieder unter 50 zu bringen. So gilt eine Kontaktnachverfolgung wieder als möglich.

Zufällig entdeckt: das Kontakt-Tagebuch

Bei der Kontakt-Verfolgung helfen, soll das Kontakt-Tagebuch der Corona-Warnapp. Es ist seit dem letzten Update der App Ende Dezember verfügbar. Ich hab’s ausprobiert. Über das Tagebuch bin ich allerdings eher zufällig gestolpert, ein lauter, klarer Hinweis der Betreiber fehlte mir. Oder ich hab diesen Hinweis verpasst.

Wenn man die App öffnet, kommt man sofort zum Corona-Tagebuch.
Wenn man die App öffnet, kommt man sofort zum Corona-Tagebuch. © Maria Niermann © Maria Niermann

Und dabei ist die Nutzung so einfach: Auf dem Startbildschirm der Corona-Warn-App den Button ,Kontakttagebuch führen‘ anklicken, dann erscheinen die vergangenen 14 Tage, vom aktuellen Tag an zurückgerechnet.

Eintrag ins Tagebuch: Vom Nur-zu-Hause Tag bis zum Zahnarzt

Ich lege los: An meinem Start-Tag ist ein ,Nur zu Hause Tag‘, also keine Eintragungen, aber am Tag davor habe ich mit einer Freundin einen ausgedehnten Spaziergang gemacht, morgens war ich in der Vituskirche. Am vergangenen Donnerstag standen Einkäufe in der Drogerie an und beim Karoffelbauern unseres Vertrauens. Dazu kam der unaufschiebbare Gang zum Zahnarzt – der schon ramponierte Zahn war abgebrochen. Zwei Listen stellt die App zur Verfügung: Eine für Personen, eine für Orte. In meiner Ortsliste sind beispielsweise die Einzelhändler aufgeführt.

In das Tagebuch lassen sich die Kontakte ganz einfach eintragen.
In das Tagebuch lassen sich die Kontakte ganz einfach eintragen. © Maria Niermann © Maria Niermann

Das Eintragen in das Tagebuch ist selbsterklärend und geht ganz schnell. Die Personen, die ich bis zu diesem Zeitpunkt eingetragen habe, erscheinen in einer Liste, so dass ich diese bei einem späteren Treffen nur noch anklicken müsste. Ebenso gilt das für die Orts-Liste. Das macht es noch einfacher und schneller. Es kostet pro Tag nur einige Klicks, nur wenige Minuten, oder auch Sekunden. Ob und welche Informationen das Gesundheitsamt im Ernstfall tatsächlich benötigt, werde ich dann schon erfahren. Sollte ich zu viel notiert haben, ist das kein Problem. Wichtiger ist doch, dass ich dem Amt keinen Kontakt unterschlage.

Überraschung beim Ausfüllen der Listen

Die erwähnten Personen- und Orts-Listen haben meines Erachtens auch einen zusätzlichen psychologischen Effekt: Wenn ich dieses Kontakt-Tagebuch zwei Wochen lang geführt habe, bin ich doch einigermaßen erstaunt, wie viele Namen und Orte in meiner Liste aufgeführt sind. Und dabei bin ich doch der festen Überzeugung, dass ich so gut wie niemanden treffe und auch – eigentlich – nirgendwo hingehe.

Es ist so einfach und es geht so schnell, dass ich mich frage, warum die Macher der Corona-Warn-App nicht ständig und immer wieder auf diese Möglichkeit hinweisen, wenn doch die Nachverfolgung das Haupt-Problem bei der Unterbrechung der Infektionsketten ist.

Die App soll dabei helfen, den Überblick über die eigenen Kontakte zu bewahren.
Die App soll dabei helfen, den Überblick über die eigenen Kontakte zu bewahren. © Maria Niermann © Maria Niermann

Menschen im Beruf werden ihre Kontakte sicherlich an anderer Stelle dokumentieren müssen, ansonsten ist dieses Kontakt-Tagebuch auch im Beruf leicht und schnell nutzbar. Die Anwendung ist ja freiwillig, ich kann sämtliche Einträge, Listen, Personen, Orte zu gegebener Zeit wieder löschen.

Kontakt-Tagebuch in Papierform

Wer seine Kontakte nicht digital notieren möchte, aus welchen Gründen auch immer, kann ein Tagebuch mit Stift und Papier führen, auf dem Küchenkalender, im Notizbuch in der Handtasche, auf dem Schreibblock im Büro, auf dem Zettel neben dem Bett. Auch handschriftlich ist es ein geringer Aufwand mit einem großen Nutzen.

Es geht ja auch um Eigenverantwortung. Nicht nur ich will sicherlich, dass wir alle irgendwann wieder unbeschwert Familie, Freunde, Nachbarn, Bekannte treffen können. Ohne diesen unpersönlichen Abstand, ohne die Maske, die nette, freundliche Worte verschluckt. Wenn ich meinen Beitrag mit ein paar Notizen oder Klicks leisten kann, sei es nun in meinem Handy oder handschriftlich, bitte sehr, das tue ich doch gerne.

Unsere Autorin:Maria Niermann (64) kommt aus Olfen und ist freie Mitarbeiterin der Ruhr Nachrichten. Die Corona-App hat sie seit dem 1. Oktober auf dem Handy, das Kontakt-Tagebuch nutzt sie seit dem Jahreswechsel. Nach der Pandemie freut sie sich besonders auf fröhliche, unbeschwerte Kontakte zu ihren Kindern und Enkelkindern und unbekümmerte, entspannte Treffen und Gespräche mit netten Menschen.

Über die Autorin

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