Das neue Wohnhaus soll den ersten Plänen der Caritas nach so aussehen. © Entwurf: Bock, Neuhaus Partner
Neubaugebiet

Caritas plant neues Wohnhaus für Menschen mit Behinderung in Nordkirchen

Ein neues Caritas-Wohnhaus für Menschen mit Behinderung soll in Nordkirchen entstehen. Das bedeutet allerdings nicht unbedingt, dass es bald deutlich mehr Plätze im Versorgungssystem gibt.

Der Bedarf ist größer als das Angebot: Dieses Problem kennen Eltern, die für ihre erwachsen gewordenen Kinder mit Behinderung einen geeigneten Wohnort suchen, nur zu gut. Und auch die Caritas ist sich des Problems bewusst. Der Wohlfahrtsverband möchte deshalb in Nordkirchen ein neues Wohnhaus für Erwachsene mit Behinderungen bauen. Das bestätigte André Bußkamp, der bei der Caritas im Kreis Coesfeld das Ressort Wohnen leitet, auf Anfrage der Redaktion.

Im Neubaugebiet Große Feld III am Lenhausenweg soll es entstehen, wie auch die Gemeinde Nordkirchen auf Anfrage der Redaktion bestätigte. „Das Wohnhaus wird 24 Plätze für Menschen mit geistiger Behinderung umfassen. Das Gebäude wird über zwei Geschosse erschlossen. Innerhalb des Wohnhauses werden die einzelnen Wohngruppen in vier Gruppen mit jeweils sechs Menschen gegliedert. Neben dem eigentlichen Wohnhaus werden wir vor Ort auch eine Tagesstruktur für die Menschen errichten, die altersbedingt nicht mehr in die Werkstatt gehen“, erklärt André Bußkamp die Pläne der Caritas, die auch schon „fortgeschritten“ sind, wie er weiter sagt. Das zeigt auch ein Blick auf die Pläne des beauftragten Architekturbüros „Bock, Neuhaus Partner“.

Das Wohnhaus soll nach Plänen der Caritas im Baugebiet Große Feld III gebaut werden.
Das Wohnhaus soll nach Plänen der Caritas im Baugebiet Große Feld III gebaut werden. © Grafik: Bock, Neuhaus Partner © Grafik: Bock, Neuhaus Partner

Ähnliche Wohnhäuser wie das, was in Nordkirchen gebaut werden soll, gibt es von der Caritas bereits in Olfen, in Ascheberg und in Lüdinghausen. Auch in Olfen gibt es Pläne für einen weiteren Neubau in einem Neubaugebiet.

Die beiden Neubauprojekte der Caritas bedeuten allerdings nicht, dass es nach ihrer Fertigstellung direkt deutlich mehr Wohnplätze für Menschen mit Behinderung geben wird. Die Plätze werden von der Caritas vielmehr von anderen Standorten umverteilt. „Insgesamt ist es so, dass durch den Neubau keine neuen Plätze in das Versorgungssystem im Kreis Coesfeld kommen werden. Es wird jedoch so sein, dass wir zusätzlich Menschen aufnehmen können, da nicht alle Bewohner mit an einen neuen Standort ziehen werden. Einige werden das Angebot des Appartmentwohnens bei uns nutzen und somit den Wohnhausplatz freigeben“, erklärt André Bußkamp.

Appartement-Wohnen als Möglichkeit, das Problem in den Griff zu bekommen

Dass eigentlich durchaus mehr Plätze nötig wären, dem ist sich auch die Caritas bewusst. „Speziell im Südkreis Coesfeld/Nordkreis Unna übersteigt der Bedarf noch die heutigen Angebotsmöglichkeiten. Wir stellen fest, dass wir kontinuierlich Menschen auf unseren Wartelisten haben, die in unseren drei Wohnhäusern Olfen, Lüdinghausen, Ascheberg, wohnen wollen“, so Bußkamp. Auch hier verweist er aber auch auf neue Angebote wie das Appartmentwohnen, um das Problem in den Griff zu bekommen.

Dieses unterscheidet sich allerdings deutlich vom Wohnen im einem Caritas-Haus: Hier gibt es für die Bewohner eine Betreuung rund um die Uhr – auch nachts. Gerade die Gemeinde Nordkirchen, so sagt es die Caritas, eigne sich für ein solches Angebot. „Am Standort Nordkirchen ist es so, dass bis dato keine Einrichtung mit umfassendem Leistungsangebot (ehemals stationäres Wohnen) für Erwachsene mit geistiger Behinderung vorhanden ist. Andererseits gibt es in Nordkirchen aber eine Vielzahl von Werkstattplätzen, die ein Bedarf an Wohnhausplätzen mit sich bringen“, erklärt André Bußkamp.

Dass das neue Haus mitten in einem Baugebiet stehen soll, ist absolut so gewollt, sagt er außerdem. „Für uns ist es wichtig, vor dem Hintergrund einer vielfältigen Gesellschaft, auch Menschen mit Behinderung mitten im Leben, zu begleiten. Dies sind natürlich Wohngebiete. So sind wir sehr froh uns in die neue Nachbarschaft direkt von Anfang an einbringen zu können. Von uns darf man vor Ort auch was erwarten. Warum nicht mal ein gemeinsames Sommerfest mit Public Viewing? Nordkirchen als Kommune hat sich hier schon vor Jahren auf den Weg gemacht und unterstützt uns ausdrücklich, was uns sehr freut.“

Konkreter Zeitplan steht noch nicht

Zum Zeitplan gibt es noch nichts Konkretes – es könnte aber noch dauern, bis mit dem Neubau begonnen werden kann. „Der Planungsprozess hin zu einem neuen Wohnhaus für Menschen mit Behinderung umfasst viele Jahre im Vorfeld. So ist zunächst ein Grundstück zu finden. Sofern dies gegeben ist, bedarf es eine detaillierte Abstimmung zwischen dem Leistungsträger Landschaftsverband Westfalen-Lippe, dem Ministerium und dem jeweiligen Träger, der die Bedarfen mit seinen Bewohnern erörtert. Als wohl schwierigste Fragestellung taucht hierbei das Thema Refinanzierung von Kosten auf. So sind die Träger heute auch auf externe Fördermittel angewiesen, die derzeit in Frage stehen. Bei kontinuierlich steigenden Baukosten, ist die Errichtung eines solchen Gebäudes manchmal die Quadratur des Kreises“, erklärt André Bußkamp den generellen Planungsablauf eines solchen Projektes.

Im Fall von Nordkirchen haben Caritas und Gemeinde ja zumindest schon mal ein Grundstück im Auge. „Die Abstimmung mit dem Architekten Bock, Neuhaus Partner und dem Landschaftsverband sind fortgeschritten“, so André Bußkamp. Aber: „Eine generelle Bedarfsbestätigung des Landschaftsverbandes liegt uns vor. Eine finale Abstimmung mit dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe sowie dem zuständigen Ministerium steht derzeit noch aus.“

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Ich mag Geschichten. Lieber als die historischen und fiktionalen sind mir dabei noch die aktuellen und echten. Deshalb bin ich seit 2009 im Lokaljournalismus zu Hause.
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Marie Rademacher

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