Im Februar 2019 war der Bus gerade in Betrieb genommen worden, damals freuten sich noch alle über ihn. © Wilco Ruhland (Archiv)
Bürgerbusverein

Bürgerbus mit Mängeln: „Es gibt nichts, was dieser Bus noch nicht hatte“

Türen, die bei der Fahrt aufgehen, kaputte Heizung und noch mehr. Der Bürgerbusverein in Nordkirchen plagt sich seit Monaten mit einem kaputten, neuen Bus herum. Nun soll es eine Lösung geben.

„Türen auf, einsteigen und los geht‘s“, mit diesem Satz beginnt ein Text unserer Redaktion aus dem Februar 2019. Anlass war der gerade frisch in Betrieb genommene Bus des Bürgerbusvereins. Für den Geschäftsführer des Bürgerbusvereins, Uli Breer, liest sich der Satz inzwischen wahrscheinlich reichlich ironisch.

„Es gibt nichts, was dieser Bus noch nicht hatte“, sagt Breer im Gespräch mit der Redaktion und schildert einige Probleme, die der Verein in nicht einmal zwei Jahren mit dem Bus bekommen hat. Manchmal seien bei laufender Fahrt die Türen einfach aufgegangen und ließen sich nicht mehr schließen. Andere Male sei die Heizung ausgefallen. Unter anderem.

Mehr Zeit mit der Fahrt zur Werkstatt, als mit der Busfahrt

Zuletzt hätten er und die Vereinsmitglieder mehr Zeit damit verbracht, zur Werkstatt zu fahren, als den Bus selbst, sagt Breer. Er sagt: „Ich habe keine Lust, einen Bürgerbus zu verwalten, ich möchte einen Bürgerbus fahren.“ Der neue Bus hatte 106.900 Euro gekostet, 70.000 Euro dafür waren vom Land gekommen. Der Verein möchte die drei Ortsteile Nordkirchen, Südkirchen und Capelle miteinander verbinden. Dafür sind etwa 20 Fahrerinnen und Fahrer seit 2006 im Einsatz.

Gespräche mit der Gemeinde und dem Regionalverkehr Münsterland (RVM) habe es mehrere gegeben. Der RVM hatte daraufhin den neuen Bus zurückgenommen und dem Verein ein anderes Modell zur Verfügung gestellt.

Aktuell kein Fahrzeug zur Verfügung

Dabei handelte es sich um den Bus, den der Bürgerbusverein 2019 ausrangiert hatte. Eigentlich ohnehin schon später als ursprünglich geplant. Anders war lediglich, dass der alte Bus generalüberholt war, erklärt Breer. Doch auch der alte, zur Verfügung gestellte Bus, brachte keine lange Freude. Der Verein hatte wegen der Corona-Pandemie ohnehin nicht viel fahren können. Zwischen März und August war der Fahrverkehr eingestellt gewesen. Zwischen August und Oktober lief er dann wieder. Doch am ersten Tag mit dem alten Bus gab es ebenfalls Probleme. Auch hier hätte sich die Tür plötzlich während der Fahrt geöffnet und ließ sich nicht mehr schließen.

Das Ende vom Lied: „Aktuell haben wir kein Fahrzeug“, sagt Uli Breer. Selbst, wenn der Lockdown nach dem 14. Februar enden würde und sich der Bürgerbusverein entscheiden würde, wieder zu fahren, wäre das also nicht möglich. Zwischendurch waren auch schon Leihfahrzeuge im Einsatz, doch die seien teuer und müssen vorfinanziert werden. Breer ist enttäuscht: „Wir fühlen uns vom RVM einfach nicht richtig mitgenommen“, sagt er. Er würde sich eine baldige Lösung wünschen und: er hofft, dass die Lösung nicht darin besteht, dass einer der beiden Busse wieder zur Verfügung gestellt wird.

Wert auf einen funktionierenden Bus

Nordkirchens Bürgermeister Dietmar Bergmann bestätigt ebenfalls, dass es schon mehrere Gespräche zwischen dem Bürgerbusverein, der Gemeinde und dem RVM gegeben habe. Der Bürgermeister hat für beide Seiten Verständnis. Für den RVM, der Zeit braucht, aber auch für den Verein, der ein funktionierendes Fahrzeug möchte. Das will auch der Bürgermeister: „Wir legen Wert darauf, dass wir einen funktionierenden Bus in der Gemeinde haben“, sagt Bergmann. „Wir sehen schon eine Herausforderung, dass der Bürgerbus seine Fahrgäste nach Ende der Pandemie zurückgewinnen kann.

Der Verein mit seinen ehrenamtlichen 20 Fahrerinnen und Fahrern hat wegen der Pandemie, aber auch der langen Baustellen-Phase auf der Strecke zwischen Lünen und Münster im Jahr 2020 nur noch rund 20 Prozent seiner Fahrgäste aus 2019 transportiert. 2019 waren es rund 10.000 Fahrgäste gewesen, die mit dem Verein gefahren waren, 2020 nicht einmal 2000. Hinzu kommt, dass die Fahrerinnen und Fahrer immer älter werden. Aktuell liege das Durchschnittsalter bei 76 Jahren, sagt Uli Breer. Neue Fahrerinnen und Fahrer werden deshalb stetig gesucht.

Neuer Bus für den Verein soll kommen

RVM-Sprecher Tino Nitsch stellt auf Anfrage aber eine Lösung für das Problem in Aussicht: Der RVM werde für den Bürgerbusverein Nordkirchen „selbstverständlich“ einen neuen Bus anschaffen, teilt Nitsch mit. Das kann aber dauern: „Hier rechnen wir nach Bestellung mit Lieferzeiten von einigen Monaten.“

Allerdings soll es auch hier eine Lösung geben: Man habe dem Bürgerbusverein angeboten, ab dem 1. März 2021 (bis zur Bereitstellung des neuen Fahrzeuges) ein anderes Ersatzfahrzeug zur Verfügung zu stellen, welches frisch gewartet übergeben werden kann, so der Sprecher.

Nitsch bestätigt, dass der neue Bus „einige Male repariert werden musste und nicht frei von Mängeln war“. Bei dem Modell handelte es sich um ein Niederflurfahrzeug, also einen Bus, dessen Einstiegsfläche heruntergelassen werden konnte, das insbesondere den älteren Fahrgästen einen leichten Einstieg ermöglichen sollte. „Leider litt das Fahrzeug unter ‚Kinderkrankheiten‘“, so Nitsch. Das Fahrzeug sei an den Hersteller zurückgegeben; „es hat intensive Gespräche mit diesem Produzenten gegeben“, so der Sprecher weiter. Auch die Probleme mit dem ehemaligen Bus, der als Ersatz fungierte, bestätigt er.

Dem Unternehmen ist eines wichtig zu betonen: „Das Thema Bürgerbus liegt uns sehr am Herzen. Wir pflegen, nicht nur mit dem Bürgerbusverein in Nordkirchen, ein partnerschaftliches Verhältnis und einen offenen Austausch mit den bürgerlich organisierten Fahrangeboten“, erklärt der Verkehrsverband.

Über die Autorin
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Ich bin neugierig. Auf Menschen und ihre Geschichten. Deshalb bin ich Journalistin geworden und habe zuvor Kulturwissenschaften, Journalistik und Soziologie studiert. Ich selbst bin Exil-Sauerländerin, Dortmund-Wohnerin und Münsterland-Kennenlernerin.
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Sabine Geschwinder

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