Die Regenbogenfahne wurde auf dem Lembecker Kirchplatz schon vor Wochen gehisst, die Gemeinde segnet jetzt in einem Gottesdienst bewusst alle Liebenden. © Guido Bludau
„Liebe gewinnt“

Segen auch für homosexuelle Paare in Gemeinde St. Laurentius

Längst nicht alle katholischen Seelsorger freuen sich über das Veto des Vatikans zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare. Die Gemeinde St. Laurentius in Dorsten setzt jetzt ein Zeichen.

Als der Vatikan Mitte März öffentlich sein Veto zur Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften erneuerte, regte sich nicht nur in der Bevölkerung, sondern auch in der katholischen Kirche Widerstand. Auch an einigen Kirchen in Dorsten wehten in den vergangenen Wochen Regenbogenfahnen als Zeichen der Gemeinden für Vielfalt und Toleranz.

Jetzt nehmen Seelsorger in ganz Deutschland an einer Aktion teil, die der Ausgrenzung bestimmter Paare von der Segnung entgegentritt. Unter dem Slogan „Liebe gewinnt“ veranstalten zahlreiche Gemeinden einen Gottesdienst für alle Paare, bei dem auch alle sich den Segen abholen können. Auch die Gemeinde St. Laurentius in Lembeck und Rhade beteiligt sich an der Aktion.

Alle Liebenden dürfen sich segnen lassen

Diakon Burkhard Altrath, der den Gottesdienst mit einem Team organisiert und gemeinsam mit einem Kollegen aus dem Borkener Raum leitet, betont aber: „Die Feier sehen wir nicht als Protestaktion, wie es in vielen Medien dargestellt wird.“ Vielmehr gehe es darum, jedem, der gesegnet werden möchte, seinen Wunsch auch zu erfüllen. „Wir dürfen alles segnen, jedes Tier, jedes Fahrzeug. Warum nicht auch zwei Liebende, die sich unter den Segen Gottes stellen wollen?“, fragt Burkhard Altrath.

Die Ausschreibung für den Gottesdienst richte sich deshalb bewusst an alle Liebenden, an lange verheiratete Paare genau wie an Frischverliebte, aber eben auch an Wiederverheiratete und gleichgeschlechtliche Paare. Entgegen der offiziellen Lesart in Rom dürfen sich alle am Ende der Feier einzeln segnen lassen. „Wir wollen uns ganz bewusst für alle Liebenden einsetzen“, unterstreicht der Diakon.

Regenbogenfahne in der Kirche

Aus der Gemeinde habe er bislang nur positive Rückmeldung erhalten. Am Freitagabend habe ihn noch spät ein Gemeindemitglied angerufen und ihm zu einem „sehr starken Zeichen“ gratuliert. „Mich wundert, dass das bei jüngeren Leuten sehr stark ankommt“, berichtet Burkhard Altrath.

Diakon Burkhard Altrath setzt sich dafür ein, dass alle Liebespaare den Segen erhalten können.
Diakon Burkhard Altrath setzt sich dafür ein, dass alle Liebespaare den Segen erhalten können. © Lydia Heuser © Lydia Heuser

In dem Gottesdienst unter dem Motto „Liebe gewinnt“ werde die Liebe mit verschiedenen Büchern verglichen. Dazu steht ein mit einer Regenbogenfahne geschmückter Büchertisch in der Kirche. „Wir freuen uns darauf“, meinte der Seelsorger am Montagvormittag vor der Feier. Nach dem Segen für jedes Paar am Ende des Gottesdienstes erhalte jedes Paar noch ein kleines Präsent von der Gemeinde.

„Ich habe den Kopf geschüttelt und gedacht: Das kann ja wohl nicht wahr sein“, erinnert sich Burkhard Altrath an seine Reaktion auf das Nein zur Segnung aus Rom. Während Landesbischof Felix Genn verkündet hat, dass Seelsorgern, die eine Segensfeier anbieten, keine Schwierigkeiten drohen, hatte sich Georg Bätzing, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, kritisch geäußert. Burkhard Altrath meint: „Gut, dass sie unterschiedlicher Meinung sind, dann kann man darüber diskutieren.“

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Bastian Becker

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