Seit über einem Jahr können Termine im städtischen Bürgerbüro online reserviert werden. Die Wartezeiten im Rathaus-Foyer seien damit auf ein Minimum verkürzt worden, meint Leiterin Monika Heisterklaus. © Stefan Diebäcker (Archiv)
Bürgerbüro

Mobiles Bürgerbüro für Dorstens Stadtteile? Stadt ist skeptisch

Von Wulfen-Barkenberg ist das Bürgerbüro im Rathaus Dorsten nicht gerade um die Ecke. Die SPD fordert deshalb einen „Außenposten“ für mehr Bürgerservice. Die Stadt ist skeptisch.

Das Bürgerbüro im Rathaus ist gut besucht, der Weg dorthin kann aber weit sein. Die SPD-Fraktion bringt deshalb ein „mobiles Bürgerbüro“ ins Gespräch – zunächst als Testphase in Wulfen, später dann womöglich als zuverlässiger Service auch in anderen Stadtteilen.

Fraktionsvorsitzender Friedhelm Fragemann schlägt für die Beratung im Haupt- und Finanzausschuss (26. Mai) einem Raum des Gemeinschaftshauses Wulfen für eine einjährige Testphase vor. Unter den „in mehrfacher Hinsicht veränderten heutigen Bedingungen“ biete es sich an, nach Terminabsprache zum Beispiel Meldeangelegenheiten in der Außenstelle zu erledigen. „Dieser bürgerorientierte Service würde Zeit und Fahrstrecken sparen und wäre im Übrigen auch Pandemie-gerecht.“

Organisatorisch und personell aufwendig

Ganz neu ist der Gedanke nicht. Es gab ja schon mal Sprechstunden von Bürgerbüro und Sozialamt. Aber das Angebot wurde nur mäßig angenommen – und ist offenbar nicht so leicht umzusetzen, wie Stadtsprecher Ludger Böhne auf Anfrage bestätigte. Vor allem der organisatorische und personelle Aufwand seien beträchtlich. „Alle Dienstleistungen, die außerhalb des Bürgerbüros in Anspruch genommen werden sollen, müssen separat zusammengestellt und geplant werden.“

Für die Vorbereitung eines Außentermins kalkuliert die Stadtverwaltung einen halben Arbeitstag ein. Zudem könne in dem sensiblen Bereich „Personalausweise und Pässe“ ein Mitarbeiter alleine den Außendienst nicht wahrnehmen. „Insofern ist die Umsetzung dieses Vorschlags auch eine Personalfrage.“ Die im Rathaus anfallenden Aufgaben könnten erfüllt werden, aber: „Für die Erweiterung des Serviceumfanges müsste die Personaldecke erweitert oder das Terminangebot im Bürgerbüro reduziert werden.“

Service wird immer digitaler

Dass der SPD-Vorschlag im Rathaus augenscheinlich auf wenig Gegenliebe stößt, wird auch an dem Hinweis deutlich, dass in Zukunft immer mehr Dinge online erledigt werden. Inzwischen können auch der Dorsten-Pass oder ein Schwerbehindertenparkausweis digital beantragt werden. „Die Person kann sogar andere bitten, das zu übernehmen. Ein Besuch im Bürgerbüro würde sich dadurch erübrigen“, meint Böhne.

Fragemann hält dagegen. „Für ein sogenanntes mobiles Bürgerbüro gibt es schon funktionierende Beispiele.“ Die Städte Rheine, Velbert, Kerpen, Herten und Unna hätten solche dezentralen Angebote mit Erfolg eingerichtet.

Das Bürgerbüro hat im vergangenen Jahr rund 35.000 Anliegen von Bürgerinnen und Bürgern bearbeitet. Das ging von der klassischen Ausstellung von Ausweis- und Passdokumenten (knapp 11.000 Fälle) über rund 5.000 An- und Ummeldungen und 3.000 polizeiliche Führungszeugnisse bis zu den übrigen unterschiedlichen Bescheinigungen (9.000), amtlichen Dokumenten (6.000), Beglaubigungen (600) und Parkausweisen (400).

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Veränderungen gab es immer, doch nie waren sie so gravierend. Und nie so spannend. Die Digitalisierung ist für mich auch eine Chance. Meine journalistischen Grundsätze gelten weiterhin, mein Bauchgefühl bleibt wichtig, aber ich weiß nun, ob es mich nicht trügt. Das sagen mir Datenanalysten. Ich berichte also über das, was Menschen wirklich bewegt.
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Stefan Diebäcker

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