Hier an der Ecke B 58/Gerlicher Heide in Wulfen befand sich der Armengarten mit dem Siechenhaus. © Guido Bludau
Lokalgeschichte

Im Armengarten: Abgesonderte Menschen mit ekelhaften Krankheiten

Lepra, Pest und Cholera - diese tödlichen Krankheiten bedrohten früher auch die Menschen in Dorsten. Von den Mitbürgern wurden sie damals in Siechenhäusern isoliert - zum Beispiel in Wulfen.

Typhus, Pest, Cholera – so heißen die tödlichen Krankheiten, die die Menschen in der Vergangenheit bedrohten. „Das, was uns heute angesichts der Coronakrise jeden Tag bewegt, hat auch früher immer wieder die Dorstener Bevölkerung getroffen“, sagt Dr. Josef Ulfkotte, Vorsitzender des Vereins für Orts- und Heimatkunde.

Deswegen hat der Historiker mit Vereinsmitgliedern und Stadtarchivar Martin Köcher begonnen, mehr über Epidemien unter lokalhistorischer Perspektive zu erforschen. Den Dorstener Ortsteil Wulfen hat sich Vereinsmitglied Reinhard Schwingenheuer vorgenommen.

Berichte vom Amtmann Brunn

„Über Epidemien und deren Auswirkungen auf Wulfen ist nur wenig bekannt“, sagt er. Allerdings: Amtmann Franz Brunn berichtet im Jahre 1840 von einem Siechenhaus in Wulfen, zum einen in seiner „Chronik der Herrlichkeit Lembeck“ und zum anderen in einem Schriftstück, das sich heute im Archiv des Heimatbundes befindet.

Dort berichtet er, dass es in der damaligen Gemeinde Wulfen einen sogenannten „Armengarten“ gab. „Auf diesem Platz stand in alten Zeiten und noch vor 40 Jahren das sogenannte Siechenhaus, wo die wegen ekelhafter Krankheiten von der menschlichen Gesellschaft abgesonderten Menschen wohnten. Dieses Haus lag früher ganz einsam in der Heide.“

Von Almosen gelebt

Franz Brunn schreibt: „Die kranken Aussätzigen lebten von Almosen, sie durften sich den Gesunden nicht nähern und hatten einen Geldstock aufgestellt, wohin die Almosen gereicht wurden.“

In einem Artikel für den Heimatkalender schrieb Wiilli Duwenbeck die Geschichte des Siechenhauses in Wulfen auf.
Im einem Artikel für den Heimatkalender schrieb Willi Duwenbeck die Geschichte des Siechenhauses in Wulfen auf. © Michael Klein © Michael Klein

Das Wulfener Siechenhaus stand ganz in der Nähe des Hofes Brunn, dem Wohn- und Dienstsitz des Amtmanns Brunn, im Bereich der Einmündung der Straße Gerlicher Heide in die B 58. „Über die Anzahl der dort untergebrachten „Aussätzigen“ liegen uns keine Quellenangaben vor“, so Schwingenheuer.

Einige Lepraerkrankte

Willi Duwenbeck von der Geschichtsgruppe des Heimatvereins Wulfen recherchierte im Jahr 2008 in den Taufbüchern der Kirche zu Wulfen und fand Einträge zu einigen Lepraerkrankten im Dorf.

Lepraerkrankungen waren in unserem Gebiet häufig. Ursache war zumeist mangelnde Hygiene, verbunden mit teilweiser Unterernährung und ein dadurch geschwächtes Immunsystem dieser meist in Armut lebenden Menschen. Die Krankheit war seit dem Mittelalter weltweit verbreitet, in unserer Region kam sie bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts vor.

In der Nähe von Flüssen und Bächen

Die Krankheit ist heute heilbar, aber damals starben viele Menschen daran. Darum wurden Leprakranke isoliert. Weit außerhalb der Dörfer und Städte wurden sie in Siechenhäusern untergebracht. Oft waren sie in der Nähe von Flüssen und Bächen angelegt, verbunden mit Siechengärten und Siechen-Ackerland („Siechenkotten“), um die Ernährung zu sichern.

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Redaktion Dorsten
Geboren 1961 in Dorsten. Hier auch aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nach erfolgreich abgebrochenem Studium in Münster und Marburg und lang-jährigem Aufenthalt in der Wahlheimat Bochum nach Dorsten zurückgekehrt. Jazz-Fan mit großem Interesse an kulturellen Themen und an der Stadtentwicklung Dorstens.
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Michael Klein

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