Zwischen Glamour und Gräueln

Berlinale: Angelina Jolie und Nina Hoss

Berlin ist durch Prominenz aller Art gemeinhin kaum zu erschüttern. Aber wenn Angelina Jolie und Brad Pitt in der Stadt sind, gelten eigene Gesetze. Ausnahme- und Belagerungszustand vor dem Haus der Berliner Festspiele, wo Angelina mit Brad an der Seite ihr Regiedebüt "In the Land of Blood and Honey" auf der Berlinale vorstellt.

BERLIN

von Von Patrick Wildermann

, 12.02.2012, 14:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kreischorgien am roten Teppich, und auch im Saal: ein einziges wogendes Meer gezückter Kameras und Fotohandys. Dabei wird es ein Abend der harten Kontraste: zwischen Glamour und Gräueln.

Bosnienkrieg Die Schauspielerin und langjährige Uno-Sonderbotschafterin Jolie erzählt in ihrem Film von den Verbrechen, die während des Bosnienkrieges an Frauen verübt wurden. Im Zentrum des mit serbisch-bosnisch-kroatischem Ensemble gedrehten, englisch untertitelten Dramas steht die junge Muslimin Ajla. Die hat sich in den serbischen Polizisten Danijel verliebt, aber schon das erste Rendezvous wird buchstäblich gesprengt - in dem Café detoniert eine Bombe. Nur kurz darauf finden sich die beiden auf verfeindeten Seiten des Bürgerkriegs wieder. Ajla wird in ein Vergewaltigungslager verschleppt, in dem Danijel mit anderen Soldaten der serbischen Armee das Kommando führt.Absicht ist besser als das Werk Der Film erspart dem Zuschauer keine Schandtat. Er ist oft unerträglich - und dramaturgisch ziemlich holprig. Die Absicht ist besser als das Werk. Aber dass die Aufarbeitung der Verbrechen Angelina Jolie ein Herzensanliegen ist, das darf man glauben. Spätestens, wenn die Hollywood-Ikone in ihrer goldenen Robe nach der Vorstellung mit der bosnischen Filmemacherin Jasmila Zbanic diskutiert, die für "Esmas Geheimnis" 2006 den goldenen Bären gewonnen hat. Da spricht Jolie engagiert über die Begegnungen mit Opfern des Krieges. Und die Fotohandys bleiben aus.Petzold-Film im Wettbewerb

Ein Star mit der Strahlkraft einer Angelina Jolie mag Nina Hoss nicht sein. Aber was für eine phänomenale Schauspielerin sie ist, das beweist sie einmal mehr mit der Hauptrolle in Christian Petzolds "Barbara" - dem ersten der deutschen Wettbewerbsbeiträge.Unsichtbarer BürgerkriegHoss verkörpert eine Berliner Ärztin, die zu DDR-Zeiten an ein Provinzkrankenhaus versetzt wird, weil sie einen Ausreiseantrag gestellt hat. Während Barbara ihre Flucht plant, versucht sie, aus dem örtlichen Arzt André schlau zu werden, der ihr Avancen macht, aber auch ein Zuträger der Stasi sein könnte. Hoss spielt furios das Misstrauen, die Verschlossenheit. Und Petzold schildert denkbar subtil, wie unmenschliche Systeme Menschen deformieren. Ein Film über den unsichtbaren Bürgerkrieg.

 

 

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