Zu viele Feiern trotz Corona? Verbände wollen „genau analysieren, wo Schwachstellen liegen“

Coronavirus

Gesundheitsminister Jens Spahn hat Corona-Beschränkungen für Familienfeiern und Feste in Aussicht gestellt. Für viele Gastronomen, Caterer und Eventplaner könnte das das Ende bedeuten.

Berlin

18.08.2020, 11:16 Uhr / Lesedauer: 3 min
Bei weiterem Anstieg der Infiziertenzahlen mit dem Coronavirus könnten sich Bars wie diese bald wieder einschränken müssen.

Bei weiterem Anstieg der Infiziertenzahlen mit dem Coronavirus könnten sich Bars wie diese bald wieder einschränken müssen. © picture alliance/dpa

Die Infiziertenzahlen mit dem Coronavirus bereiten seit Tagen allen Grund zur Sorge. Insbesondere Familienfeiern und gesellige Feste hatte Gesundheitsminister Jens Spahn am Wochenende als deutsche Ursache für die steigenden Zahlen ausgemacht und erneute Beschränkungen und Verbote in Aussicht gestellt. Das bedeutet im Umkehrschluss Lokale und Feste mit nur wenigen Gästen oder sogar Schließungen, Absagen und Verbote. Für viele Gastronomen, Hoteliers, Caterer und Eventplaner wäre das ein harter Schlag und vor allem existenzbedrohend nach den schweren Monaten während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020.

Dehoga-Chefin: „Freiheiten des Ausgehens und Reisens verteidigen“

Die Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) Ingrid Hartges appelliert deshalb nicht nur an die Gastronomen und ihre Mitarbeiter, sondern auch an deren Gäste: „Es sollten alle darauf bedacht sein, die seit Mitte Mai gewonnenen Freiheiten des Ausgehens und Reisens zu verteidigen. Insgesamt ist das Infektionsgeschehen in unseren Betrieben niedrig, ich möchte es aber gar nicht bestreiten. Wir haben auch andere Hotspots, Urlaubsrückkehrer und private wie große Veranstaltungen im öffentlichen Raum. Es muss deshalb genau analysiert werden, wo die Schwachstellen liegen, bevor einschränkende Maßnahmen festgelegt werden“, fordert sie im Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Vor allem Eventcaterer, die vorwiegend Familienfeste wie Hochzeiten oder ähnliches beliefern, wären von erneuten Maßnahmen mit am härtesten betroffen erklärt Hartges: „Großveranstaltungen und eine Vielzahl kleinerer Events finden ja noch gar nicht wieder statt. Die Verluste sind erheblich und viele dieser Betriebe fürchten um ihre Existenz. Deshalb muss konsequenter an alle appelliert werden, sich auch an die Spielregeln zu halten. Ich glaube, es ist gut, wenn vor dem Herbst die Infiziertenzahlen wieder unter Kontrolle sind und die Neuansteckungen wieder unter 1000 sinken.“

Kommunen fordern klare Priorisierungen

Vom Deutschen Städte- und Gemeindebund (DStGB) folgt ebenfalls der Appell an alle, gemeinsam einen erneuten Lockdown zu verhindern, weil dieser „schwere Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Gesellschaft hätte“, so Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg. Jeder Bürger und jede Bürgerin werde gebraucht. „Viele Geschäfte im Bereich des Einzehalndels und der Gastronomie würden ein erneutes Herunterfahren des öffentlichen Lebens kaum verkraften.“

Die Schlüssel zu einer erfolgreichen Verhinderung einer zweiten Welle sieht Landsberg in einer gezielten Teststrategie. Die Länder sind gefordert, genau zu beobachten, wie sich die Infektionsrate in Ihren Bundesländern entwickelt und weitere geplante Lockerungen in der Coronavirus-Pandemie falls notwendig zunächst zu verschieben“, fordert er aus politischer Richtung. Priorität hätten aus der Sicht der Kommunen Schulen und das Wirtschaftsleben. Beides müsse offen gehalten werden, um Arbeitsplätze zu sichern.

Eventplaner Fritzges: „Pandemie fegt wie ein Tsunami“

Bernd Fritzges, Vorstandsvorsitzender des Verbandes der Veranstaltungsorganisatoren e.V. (VDVO) sieht den Bereich der Eventplanung und -organisation schon zerstört, wie man ihn kennt und denkt ein paar Schritte weiter: „Weitere Verschärfungen würden nicht mehr Schaden verursachen. Das Sterben in dieser Branche ist gar nicht mehr zu verhindern, die Pandemie fegt wie ein Tsunami über uns hinweg.“

Laut Fritzges müssten innerhalb von 24 Stunden alle Menschen mit einem funktionierenden Impfstoff durchgeimpft sein, um noch etwas retten zu können. „Es muss längst überlegt werden, wie Transformationsprozesse in den Unternehmen begleitet und unterstützt werden können damit sie anders weiter bestehen können“, fordert er stattdessen.

Ziel: Infektionsrate senken

Eine klare Ansage von Gesundheitsminister Jens Spahn am Sonntagabend hatte viele Menschen im Land aufgeschreckt. Im „heute-journal“ des ZDF hatte er gesagt: „Entweder wir schaffen es, auch aus der Sommerzeit herauskommend die Zahlen unter Kontrolle zu behalten. Oder wir werden zuerst den Blick auf die Art von Veranstaltungen richten müssen, bei denen besonderes Infektionsgeschehen auftritt. Das sind eben die geselligen Veranstaltungen, wo Menschen, meistens auch mit Alkohol verbunden, dann entsprechend zusammenkommen.“

Der Bundesminister hatte so erklären wollen, wie man in Deutschland neben den Testungen von Urlaubern, die aus Risikogebieten zurückkehren, auf die drastisch steigenden Infiziertenzahlen in der Bundesrepublik reagieren könnte, um die Infektionsrate pro Tag wieder deutlich zu senken. Nach Gesprächen mit Wirten in seiner münsterländischen Heimat habe er den Eindruck erhalten, bei einem gewissen Alkoholkonsum, könne auf den Feiern die Einhaltung der Regeln nur schwer gesichert werden.

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