Zu laute Gebete beim Fastenbrechen: Stadt Essen entschuldigt sich für Ruhestörung

dzRamadan

Die Stadt Essen genehmigte kurzfristig ein Gebet unter freiem Himmel. Die Folge: Einige Anwohner wurden am Sonntag ab 4.30 Uhr durch die Lautsprecheranlage geweckt.

von Frank Stenglein

Essen

, 25.05.2020, 16:39 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Zusammenhang mit dem Fastenbrechfest auf dem Messeparkplatz in Essen-Haarzopf ist es am frühen Sonntagmorgen ab 4.30 Uhr zu einer erheblichen Ruhestörung durch eine Lautsprecher-Anlage gekommen. Die Stadt Essen hat sich dafür mittlerweile offiziell entschuldigt. „Wir haben das unterschätzt, beim nächsten Mal machen wir es besser“, sagte Christian Kromberg, Essens Ordnungsdezernent, auf Anfrage.

Die Veranstaltung war am Samstag kurzfristig innerhalb weniger Stunden genehmigt worden, eine offizielle Benachrichtigung der Öffentlichkeit vorab gab es nicht, sodass die Nachbarn überrascht wurden.

Festgebet: Zunächst stand Messe-Parkplatz vor Grugahalle zur Diskussion

Das Festgebet zum Ende des Ramadan unter freiem Himmel war nach Darstellung der Stadt geplant worden, weil zumindest in einigen Moscheen wegen des erwartbar großen Andrangs die Abstands- und Hygiene-Regeln nicht hätten eingehalten werden können. Zunächst habe man den beteiligten Muslimen für ihr Ritual, das das Ende des Fastenmonats Ramadan markiert, die Plätze vor den jeweiligen Moscheen anbieten wollen, doch sei auch dies nicht möglich gewesen.

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Schließlich sei man auf die Messe bzw. die Messe-Parkplätze gekommen, wobei seitens der Gemeinden zunächst an den Parkplatz vor der Grugahalle gedacht war. „Mitten in Rüttenscheid wollten wir das aber nicht“, so Kromberg.

„Haben nicht auf eine Dezibel-Grenze geachtet“

Also wurde der abgelegene und selten genutzte Parkplatz P 10 unweit des Flughafens Essen-Mülheim ausgewählt, an dem am Tag zuvor die Corona-Demonstration stattgefunden hatte. Hier gibt es zudem den Vorteil nahezu unbegrenzter Parkmöglichkeiten. „Worauf wir nicht geachtet hatten, war eine Dezibel-Grenze festzulegen“, sagte Kromberg. Es kam zu Beschwerden von Anwohnern, die sich von den Gebetsrufen gestört fühlen.

„Geschlafen habe ich persönlich recht wenig, es schallte in der Tat ziemlich laut rüber“, so eine Anwohnerin. In der Haarzopfer Facebook-Gruppe gab es aber auch Verständnis für die religiöse Veranstaltung am frühen Morgen. Laut Meinungsäußerungen im Netzwerk Facebook waren die muslimischen Teilnehmer mit dem Ablauf ihres Festgebets sehr zufrieden.

Stadt: Schall ging in die Wohngebiete, das ist nicht optimal gelaufen

Ordnungsdezernent Kromberg, der privat selbst in der Nähe lebt und gegen 6 Uhr früh auf das Gelände kam, sprach von ca. 1500 bis 2000 Teilnehmern, abgesehen von der Lautstärke sei die Veranstaltung nach seiner Wahrnehmung absolut geordnet über die Bühne gegangen, vor allem seien die Corona-Abstandsregeln eingehalten worden, nahezu alle Teilnehmer trugen zudem Mundschutz.

„Die Veranstaltung hat insofern super funktioniert, die Grund-Idee war richtig“, so Kromberg. Auf dem Gelände selbst sei es nach seiner Wahrnehmung auch nicht sonderlich laut gewesen, „aber die Windrichtung trug den Schall dann in die Wohngebiete, das ist nicht optimal gelaufen“. Das werde man künftig anders regeln, sollte eine Wiederholung in den nächsten Jahren notwendig sein.

Zu weiteren Störungen ist es laut Darstellung der Stadt nicht gekommen. „Zu- und Abfluss zum Parkplatz haben gut funktioniert, innerhalb einer halben Stunde hat sich das Zusammentreffen wieder aufgelöst.“

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Dieser Artikel erschien zunächst auf WAZ.de.

Die Regeln des Ramadans

  • Ra­ma­dan ist der Fas­ten­mo­nat der Mus­li­me und neun­ter Monat des is­la­mi­schen Mond­ka­len­ders.
  • Zwi­schen der Mor­gen­däm­me­rung und dem Son­nen­un­ter­gang gibt es dann nichts zu essen und zu trin­ken.
  • Au­ßer­dem gel­ten in der Fas­ten­zeit für die Gläu­bi­gen wei­te­re Ver­zichts­re­geln.
  • Das Fest des Fas­ten­bre­chens im un­mit­tel­ba­ren An­schluss an den Fas­ten­mo­nat ist nach dem Op­fer­fest der zweit­höchs­te is­la­mi­sche Fei­er­tag.
  • Viele Tür­ken nen­nen das Fas­ten­bre­chen auch Zu­cker­fest.
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